Ärzte Zeitung online, 07.08.2013

Zukunft Uniklinik Halle

E-Mail mit Zündstoff

Neuer Wirbel im Streit um die Zukunft der Unimedizin Halle: Eine persönliche E-Mail des Magdeburger Gesundheitsökonoms Professor Bernt-Peter Robra an seinen Hallenser Kollegen schlägt jetzt hohe Wellen.

Von Petra Zieler

E-Mail mit Zündstoff

Die Uniklinik Halle steht vor einer ungewissen Zukunft.

© imagebroker / imago

MAGDEBURG. Für neuen Zündstoff im Streit um den Erhalt der medizinischen Fakultät in Halle hat ein persönlicher E-Mail-Verkehr zwischen Professor Bernt-Peter Robra, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie an der Uni Magdeburg, und seinem Kollegen Professor Andreas Stang, Direktor des Instituts für Klinische Epidemiologie der Uni Halle, gesorgt.

In der persönlichen Mail hatte Robra Strang Vorschläge zum künftigen Miteinander unterbreitet.

Die "Mitteldeutsche Zeitung" hatte zu vor von einer E-Mail in "lockerem Tonfall" berichtet, in der Robra geschrieben haben soll, dass sich das Land keine zwei Uniklinken leisten könne und müsse.

Und weiter hieß es laut Zitat in der "Mitteldeutschen Zeitung": "Der bisherige politische Diskurs im Lande ist gekennzeichnet von Wunschdenken oder Konkursverschleppung, je nach Perspektive."

"Nicht über Befindlichkeiten streiten"

"Ich wollte anregen, intern Optionen zu besprechen", sagte Robra der "Ärzte Zeitung". Dass sein Kollege Strang die E-Mail in regionalen Medien öffentlich gemacht hat, will Robra nicht kommentieren.

"Mir ist am Dialog mit und am Erhalt von Halle gelegen, zumal es hier nicht um Sieger und Verlierer geht." Ein Verlust würde Magdeburg ebenfalls schaden. "Wir dürfen uns jetzt nicht über Befindlichkeiten streiten", so Robra weiter.

Gerade deshalb aber dürften notwendige Veränderungen nicht verdrängt werden. Die Konsequenz von Nichtstun sei letztlich und tatsächlich Konkursverschleppung. Bettenüberhänge und Verluste ließen sich längst nicht mehr mit einer drei Jahrhunderte währenden Medizinausbildung aufwiegen.

Standortgarantie für Halle abgegeben

"Laut Wissenschaftsrat hat Halle drei ausbaufähige, zukunftsträchtige Schwerpunkte: Allgemeinmedizin, Epidemiologie und Pflegewissenschaften."

Nach Robras Ansicht Handlungsansätze, an die sich weiterleitende Überlegungen anschließen sollten. "Es lohnt, über den Vorschlag des Wissenschaftsrates nachzudenken, denn dies dient dem Erhalt der Fakultät."

In einem Gutachten des Wissenschaftsrates wurde Anfang Juli vorgeschlagen, die vorklinische Ausbildung nur noch in Magdeburg anzubieten, einige Fachbereiche aber in Halle zu belassen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte eine Standortgarantie für die Unimedizin in Halle, einschließlich der Ausbildung, gegeben. Zuvor hatte es mehrere Protestkundgebungen in Halle gegeben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »