Ärzte Zeitung online, 16.10.2013

Beispiel Uniklinik Heidelberg

Jeder Steuer-Euro zahlt sich mehrfach aus

Immer mehr Unikliniken schreiben rote Zahlen. Der Ruf nach einem Systemzuschlag im DRG-System gewinnt zunehmend Anhänger. Eine neue Studie zeigt am Beispiel der Universitätsmedizin Heidelberg, dass volkswirtschaftlich gesehen Unikliniken keine Kostgänger sind - im Gegenteil.

Von Florian Staeck

Jeder Steuer-Euro zahlt sich mehrfach aus

Uniklinikum Heidelberg: Jeder Steuer-Euro zahlt sich aus.

© Peter Sandbiller / imago

HEIDELBERG. Unikliniken sind kein Kostgänger, die von den Ländern subventioniert werden müssen. Im Gegenteil: Die Wertschöpfung eines Uniklinikums sorgt dafür, dass Länder und Gemeinden und auch der Bund von der Hochschulmedizin profitieren.

Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie der Forschungsgruppe Marktorientierte Unternehmensführung der TU Dresden hervor. Die Wissenschaftler haben dazu die ökonomischen und nicht-ökonomischen Wirkungen der Universitätsmedizin Heidelberg untersucht.

Ziel der Studie, die vom Vorstand des Uniklinikums Heidelberg in Auftrag gegeben wurde, war es, die wirtschaftliche Bedeutung der bundesweit drittgrößten Uniklinik für die Stadt Heidelberg, die Region Rhein-Neckar, das Land Baden-Württemberg und den Bund zu ermitteln. Für 2011 wurden dafür die von der Uniklinik generierten Steuer-, Beschäftigungs- und Wertschöpfungswirkungen untersucht. Einige Kernergebnisse der Studie:

Steuerwirkung: Das Steueraufkommen, das insgesamt von der Uniklinik und ihrer kooperierenden Einrichtungen bewirkt wird, beläuft sich nach Angaben der Forscher auf 484,6 Millionen Euro. Diese Summe fließt an Bund, Länder und Gemeinden. Dieser Rückfluss entspreche 286 Prozent der ursprünglichen Zuweisungen und Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg an das Uniklinikum.

Ausbildungskosten: Im Basisjahr 2011 haben die Kosten für die Ausbildung der 402 Absolventen des Studiengangs Humanmedizin insgesamt 66,4 Millionen Euro betragen. 81,2 Millionen Euro dagegen betragen die Steuerrückflüsse an das Land durch die Steuerzahlungen der in Baden-Württemberg verbleibenden Ärzte - der Anteil der "heimattreuen" Mediziner wird mit 62 Prozent angegeben.

Die Steuereinnahmen überkompensieren danach die Ausbildungskosten um 14,8 Millionen Euro. Die volkswirtschaftlichen Effekte einer erfolgreichen Behandlung von Patienten - beispielsweise im Sinne einer schnelleren Rückkehr in den Job - sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Beschäftigungswirkung: Eine Vollzeitstelle am Uniklinikum Heidelberg bewirkt nach Angaben der Studienautoren 1,4 weitere Arbeitsplätze in Baden-Württemberg. Bundesweit gesehen ist diese Hebelwirkung noch höher: Eine Vollzeitstelle generiert 2,7 Arbeitsplätze in Deutschland. Insgesamt arbeiten bei der Heidelberger Universitätsmedizin von insgesamt 10.252 Beschäftigten 7202 in Vollzeit.

Die Forscher der TU Dresden haben in ihrem Wirkungsmodell dabei nur Unternehmen und Kooperationspartner berücksichtigt, deren Ansiedlung wesentlich auf die Uniklinik zurückzuführen ist. Die tatsächlich induzierte Beschäftigungswirkung dürfte daher noch höher sein, heißt es.

Wertschöpfung: Bei der Analyse der Wertschöpfung haben die Wissenschaftler die direkten und indirekten Effekte der Leistungen der Uniklinik Heidelberg untersucht. Direkte Wertschöpfung erfolgt durch die Patientenbehandlung, die Ausbildung von Studierenden und die Forschung.

Indirekte und periphere Effekte ergeben sich beispielsweise durch Lieferbeziehungen mit nachgelagerten Produzenten. Diese sogenannte Nettowertschöpfung beziffern die Gutachter auf landesweit 1,026 Milliarden Euro; bundesweit sind es sogar 1,544 Milliarden Euro.

Eine vergleichbare Studie haben die Wissenschaftler zuvor unter anderem für das Uniklinikum Dresden erstellt. Die Ergebnisse sind Mitte vergangenen Jahres veröffentlicht worden.

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