Ärzte Zeitung online, 20.12.2013

Klinikfusion

Streit um Rhön beigelegt

Einigung kurz vor Weihnachten: Der Streit um die Übernahme der Rhön Kliniken scheint beigelegt. B.Braun und Asklepios wollen Fresenius nicht mehr in die Parade fahren. Möglich macht es eine Kooperation unter den Konkurrenten.

Streit um Rhön Kliniken scheint beigelegt

Darf wohl weiter im Klinikmarkt wachsen: Fresenius in Bad Homburg.

© Frank Rumpenhorst / dpa

NEU-ISENBURG. Fresenius, Asklepios und B. Braun haben ihre Auseinandersetzung über den Erwerb von 43 Kliniken und 15 medizinischen Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG durch Fresenius Helios beigelegt. Zugleich haben sich die Unternehmen über eine künftige Zusammenarbeit geeinigt. Das geht aus einer Pressemitteilung von Fresenius von Freitag hervor.

Demnach werden Asklepios und B. Braun auf Maßnahmen gegen den Klinikverkauf verzichten, und B. Braun wird seine Klage zurücknehmen. Gleichzeitig schließt Fresenius Helios einen langfristigen Rahmenliefervertrag mit B. Braun.

Beide Unternehmen werden unter Wahrung der Lieferantenvielfalt bei Fresenius Helios und aller wettbewerbsrechtlicher Bestimmungen zusammenarbeiten. Fresenius Kabi wird als Lieferant nicht bevorzugt.

Hintergrund des Streits um die Übernahme der Krankenhäuser aus dem Rhön-Verbund war es gewesen, dass der Medizinproduktehersteller und Fresenius-Wettbewerber B.Braun befürchten musste, als Lieferant gegen Konkurrent Fresenius Kabi ins Hintertreffen zu geraten.

Asklepios beteiligt sich am Netzwerk Medizin

Asklepios wird der Mitteilung zufolge neben Fresenius Helios und der Rhön-Klinikum AG Gründungsmitglied und gleichberechtigter Partner des geplanten Netzwerks Medizin. Es solle beispielsweise helfen, Akut- und Rehamedizin besser zu verzahnen. Die konkrete Ausgestaltung ist allerdings noch offen.

Fresenius Helios werde diesen Eintritt in das Netzwerk mit einer einmaligen Zahlung von fünf Millionen Euro an Asklepios unterstützen. Insgesamt wollten Helios und Rhön zusammen 40 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren in das Netzwerk investieren.

Der Abschluss der Netzwerkvereinbarung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Die Behörde hatte angekündigt, den Klinikverkauf auch mit Blick auf die Auswirkungen für den Medizinprodukte-Markt unter die Lupe zu nehmen.

In einem umfangreichen Hauptprüfverfahren soll festgestellt werden, ob mit der bislang größten Übernahme auf dem privaten Krankenhaussektor regionale Monopole oder eine zu starke Position gegenüber den Krankenkassen entstehen könnten. Dafür hat die Behörde bis Ende Februar Zeit.

B. Braun habe seine Beteiligung bei Rhön-Klinikum AG auf 15,08 Prozent ausgebaut. Asklepios und Fresenius bleiben weiterhin mit jeweils ca. fünf Prozent an Rhön-Klinikum AG beteiligt.

Gemeinsame Erklärung der Protagonisten

Laut Pressemitteilung haben die Protagonisten der Streitigkeiten der vergangenen Jahre, Dr. Ulf M. Schneider, Vorstandsvorsitzender von Fresenius, Dr. Bernard gr. Broermann, Alleingesellschafter von Asklepios, und Professor Ludwig-Georg Braun, Aufsichtsratsvorsitzender von B. Braun, eine gemeinsame Erklärung zur Rolle der privaten Klinikkonzerne abgegeben.

"Unsere Unternehmen leisten seit vielen Jahren einen wertvollen Beitrag zur hochwertigen und effizienten Gesundheitsversorgung in Deutschland", heißt es darin. Diese Leistungen seien "durch die Meinungsverschiedenheiten in den vergangenen beiden Jahren in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit leider in den Hintergrund getreten".

Umso mehr begrüßten sie es, dass mit der am Freitag geschlossenen Vereinbarung "in wesentlichen Bereichen die Basis für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen unseren Unternehmen gelegt wird".

Ein Sprecher der Rhön-Kliniken begrüßte die Einigung. "Jetzt können wir uns noch ein bisschen mehr auf unsere strategischen Entwicklungsziele konzentrieren", sagte er. Das fränkische Unternehmen mit Sitz in Bad Neustadt schrumpft durch den Deal auf etwa ein Drittel seines bisherigen Umsatzes und muss sich mit seinen verbliebenen Krankenhäusern neu ausrichten.

Der Wettbewerb dürfte für andere Anbieter im Klinikmarkt nach dieser Einigung der größten Marktteilnehmer eher härter werden, zumal gerade die privaten Klinikketten mit ihren Qualitätsinitiativen tendenziell schon relativ weit sind. Zur Erinnerung: Die neue Koalition will Qualität bei Klinikleistungen in Zukunft besser honorieren. (ger/dpa)

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