Ärzte Zeitung online, 22.01.2014

Göttingen: vdek will Aus für Transplantationen

Darf die Uniklinik Göttingen ihre Transplantationsmedizin behalten? Geht es nach dem vdek, lautet die Antwort "Nein". Der Verband argumentiert mit den Mindestmengen. Die hat Göttingen unterschritten - als Folge des Skandals.

Von Christian Beneker

Kassenverband regt Aus für Transplantationen in Göttingen an

Uniklinik Göttingen: Der vdek würde gerne die Transplantationsmedizin schließen.

© Julian Stratenschulte / dpa

GÖTTINGEN. Aus für Transplantationen in Göttingen? Der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes vdek Niedersachsen, Jörg Niemann, hat gefordert, das Göttinger Transplantationszentrum zu schließen.

In der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) sagte Niemann: "Die Transplantationsmedizin sollte geschlossen werden. Die Medizinische Hochschule Hannover kann diese Aufgaben ohne Probleme übernehmen."

Die Forderung kommt zu einer Zeit, in der die Kassen für 2014 entscheiden müssen, ob sie Transplantationen per Sonderregelung weiter in Göttingen bezahlen. In diesem Zusammenhang will vdek-Chef Niemann seine Äußerungen allerdings nicht verstanden wissen. "Die beiden Sachverhalte haben nichts miteinander zu tun" sagt Niemann auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

In Göttingen soll ein Transplantationsmediziner die Patientenlisten zur Lebertransplantation manipuliert haben. Der Arzt steht derzeit vor Gericht.

Um den Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Transplantationsmedizin zu stoppen, sei es auch ein symbolischer Akt, das Göttinger Zentrum zu schließen, sagte Niemann in der HAZ. "Wir wollen insgesamt eine Zentralisierung der Transplantationen", erläutert dazu Dorothea Jahns, Referatsleiterin stationäre Versorgung beim vdek Niedersachsen auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Zwar respektiere man die Mindestmengen an Transplantationen, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) vorschreibe, "aber besser wäre ein Zentrum mit möglichst vielen Transplantationen."

Personelle Neuorientierung erlaubt niedrigere Mindestmengen

Der GBA schreibt vor, dass ein Transplantationszentrum mindestens 20 Lebern im Jahr verpflanzen muss, um anerkannt zu werden. In Göttingen wurden nach Worten des Pressesprechers der Unimedizin Göttingen, Stefan Weller, 2013 nur 16 Lebern transplantiert und 2012 nur 13.

Dennoch zahlten in den zurückliegenden Jahren die Kassen des vdek die Behandlungen in Göttingen, sagt Jahns, und zwar "aufgrund einer Sonderregelung des GBA. Sie besagt, dass bei einer personellen Neuorientierung im Transplantationszentrum die Mindestzahlen auch unterschritten werden können."

Diese Neuorientierung sei in Göttingen der Fall. Nun stehen die Verhandlungen für 2014 an - und der vdek betont über das HAZ-Interview die Mindestmengen. "Für uns ist maßgeblich, wie hoch die Mindestmenge ist", sagt denn auch Jahns.

Die Uni Medizin Göttingen teilt mit, man sei "erstaunt", dass Niemann die "Schließung eines erwiesenermaßen absolut regelkonformen Transplantationsprogramms fordert".

Die Transplantationsmedizin in Göttingen sei personell neu besetzt, die Vorkommnisse der Vergangenheit aufgearbeitet und "drei unabhängige, externe Gutachter haben die neuen Strukturen, Abläufe und Standards von Juni 2012 bis April 2013 umfassend und sorgfältig überprüft und festgestellt, dass das neu aufgelegte Lebertransplantationsprogramm alle Rahmenvorgaben und Richtlinien der Bundesärztekammer erfüllt", so die Unimedizin Göttingen. Niemanns Forderung sei deshalb "unverständlich".

Bei der MHH gab man sich bedeckt. In dürren Worten kommentierte der Sprecher der MHH, Stefan Zorn. "Wir haben die Kapazitäten, die Transplantationen aus Göttingen in unserem Haus zu übernehmen."

2012 haben die Hannoveraner Transplantationsärzte insgesamt rund 400 Organe verpflanzt, darunter 101 Lebern, 171 Nieren und 128 Lungen. Bei den Lungentransplantationen gehört die MHH zu den weltweit größten Transplantationszentren.

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