Ärzte Zeitung online, 06.02.2014

Geplanter Klinik-Verkauf

Vivantes in der Kritik

In Berlin will Vivantes das Gebäude einer Tagesklinik für psychisch Kranke verkaufen. Die Einrichtung soll zum Mutterhaus umziehen. Politiker kritisieren: Das helfe den Patienten nicht bei der Enthospitalisierung.

Vivantes in der Kritik

Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin: Wird die jetzige Tagesklinik von der Dominicusstraße hier hinziehen?

© Schoening / Arco Images / dpa

BERLIN. Der kommunale Berliner Klinikriese Vivantes steht wegen eines geplanten Immobilienverkaufs in der Kritik. Das Haus an der Schöneberger Dominicusstraße wird als Wohnheim und Tagesklinik für psychisch Kranke genutzt. Die Geschäftsführung will es nun für 2,5 Millionen Euro verkaufen. Damit droht dem Betreiber des Wohnheimes, der gemeinnützigen Pinel GmbH, die Kündigung.

Besonders pikant: Das Haus ging vor Jahren vom Bezirk Schöneberg für eine symbolische D-Mark an das Auguste-Viktoria-Krankenhaus über, damit dort psychisch kranke Menschen versorgt werden. Das Krankenhaus gehört heute zu Vivantes. Dorthin soll nun die von Vivantes bislang in der Dominicusstraße betriebene psychiatrische Tagesklinik umziehen.

Das hat der Klinikkonzern nach Angaben von Pinel jedoch erst während des laufenden Bieterverfahrens beschlossen, was sich zum Nachteil für Pinel ausgewirkt haben dürfte. Denn die gemeinnützige Gesellschaft hatte zwar einen geringeren Kaufpreis als die meisten Mitbewerber geboten, dafür jedoch nach eigenen Angaben sehr günstige Mietbedingungen für die Vivantes-Tagesklinik, die ein Viertel der Fläche belegt.

Die Konzernleitung einschließlich der Arbeitnehmervertreter hat sich jedoch mit Zustimmung des Aufsichtsrats für den Verkauf an einen Mitbewerber von Pinel entschieden.

Gesundheitssenator hat zwei Hüte auf

"Aus meiner Sicht ist es fast unmöglich, ein adäquates Grundstück für die Pinel gGmbH in ähnlicher Lage zu finden", kritisiert die sozialpolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus Jasenka Villbrandt.

Vivantes hat Pinel angeboten, andere Räume zu suchen, auch auf dem nahegelegenen Klinikgelände. "Das ist nicht im Sinne der Enthospitalisierung", kritisierte Villbrandt im Abgeordnetenhaus. Sie sieht Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) in der Pflicht.

Czaja hat als Gesundheitssenator und Vivantes-Aufsichtsratsmitglied in dieser Sache jedoch zwei Hüte auf. Das räumte er in seiner Antwort auf Villbrandts Anfrage ein. Einerseits könne seine Senatsverwaltung das Interesse von Vivantes verstehen, "nicht betriebsnotwendige Grundstücke und Immobilien zu veräußern, um damit für das Kerngeschäft von Gesundheit und Pflege Investitionsmittel zu haben".

Andererseits finde er das Angebot von Pinel gut und wichtig. Czaja verwies darauf, dass Pinel nach einem Verkauf zwei Jahre Zeit habe, das Gebäude zu räumen. Zudem müsste dem Verkauf nach seinen Angaben nicht nur der Aufsichtsrat, sondern auch der Unterausschuss Immobilien des Abgeordnetenhauses zustimmen. Mithin ist derzeit völlig offen, wie es für die 40 Bewohner des Wohnheims weitergeht. (ami)

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