Ärzte Zeitung online, 17.04.2014

Kinderklinik "Auf der Bult"

"Haben Kind nicht abgewiesen"

Aufregung um das Kinderkrankenhaus "Auf der Bult": Ihm wird unterstellt, ein schwerkrankes Kind an der Pforte weggeschickt zu haben. Jetzt stellt der Ärztliche Direktor klar: Weder die ghanaische Mutter noch der Säugling wurden abgewiesen.

HANNOVER. "Joshua und seine Mutter wurden nicht abgewiesen." Das erklärte das Hannoveraner Kinderkrankenhaus "Auf der Bult" am Donnerstag. Zuvor war bekannt geworden, dass ein Säugling, der von seiner Mutter in die Notfallambulanz gebracht worden war und nach den Angaben ihres Anwalts im Krankenhaus nicht behandelt wurde, später starb.

"Unsere Mitarbeiter wie auch die Klinikleitung sind erschüttert und traurig über den Tod des kleinen Joshua", erklärt Dr. Thomas Beushausen, der Ärztliche Direktor des Kinderkrankenhauses.

"Wir haben die Mutter mit dem Jungen in unserer Notfallambulanz nicht abgewiesen. Die Aufnahme der Mutter mit dem Kind wurde von unseren Mitarbeitern nach den anerkannten Regeln der Notfallmedizin vorgenommen."

Anwalt hat die Klinik angezeigt

Der Hannoveraner Rechtsanwalt der Familie, Matthias Waldraff, hat das Krankenhaus angezeigt. Laut Waldraff hat das Krankenhaus von der Mutter einen Krankenschein verlangt, um das Kind zu behandeln. Weil sie keinen hatte, sei sie zu ihrer Hausärztin gegangen, um einen Schein zu holen.

Inzwischen hatte sich der Zustand des Kindes verschlechtert. Schließlich sei das Kind, das per Rettungswagen ins Krankenhaus zurückgebracht worden war, trotz Reanimation gestorben.

Beushausen dagegen erklärte, der Krankenschein vom Sozialamt habe vorgelegen. "Damit waren alle Voraussetzungen für eine Kostenübernahme gegeben."

"Unabhängig davon, dass generell in unserer Klinik keine Kinder abgewiesen werden, gab es auch in soweit keinen Grund, das Kind nicht zu behandeln", so der Ärztliche Direktor.

Klinik: Mutter und Kind haben das Haus verlassen

Dann sei das Kind nach einem standardisierten und immer wieder trainierten Prozedere angemeldet worden. Allerdings sei es schwierig gewesen, sich mit der aus Ghana stammenden Mutter zu verständigen. Während sie auf die nächsten Schritte des Aufnahmeprozesses wartete, sei ein Notruf eingegangen.

Die Krankenhausmitarbeiterin habe die Mutter gebeten, zu warten und habe sie und ihr Kind etwa fünf Minuten allein gelassen. Als sie zurück kehrte "hatte Joshuas Mutter mit den beiden Kindern die Notfallambulanz verlassen", so die Erklärung des Krankenhauses.

"Wir wissen nicht, warum die Mutter gegangen ist und können es uns auch nicht erklären: Denn das Anmeldeverfahren war fast abgeschlossen, die Untersuchung des Kindes stand unmittelbar bevor", sagte Beushausen.

Nachdem dem Tod des Kindes am 10. April schaltete das Krankenhaus routinemäßig die Polizei ein. "Zu den kriminaltechnischen Ermittlungen und den Todesursachen können und dürfen wir nach wie vor keine Erklärungen abgeben", hieß es. (cben)

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