Ärzte Zeitung, 12.05.2014

Pilotprojekt

Hausärzte in die Notaufnahme

In die Notaufnahme kommen viele Patienten, die eigentlich ein Fall für den Bereitschaftsdienst der Vertragsärzte sind. Um sie leichter in die ambulante Versorgung zu überführen, hat sich die MHH hausärztliche Verstärkung geholt. Schon jetzt zeichnet sich ein Erfolg ab.

Von Christian Beneker

notaufnahme-AH.jpg

Eingang zur MHH-Notaufnahme: Dort helfen jetzt Hausärzte mit.

© Sebastian Kahnert / dpa

HANNOVER. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat sich hausärztliche Kompetenz in die Notaufnahme geholt und mehrere Allgemeinmediziner den MHH-Kollegen in der Notaufnahme an die Seite gestellt.

Noch sei das Projekt in der Pilotphase, aber es zeichne sich ab, dass es ein Erfolg wird, erklärt der Direktor des MHH-Instituts für Allgemeinmedizin, Professor Nils Schneider. Angeregt hatte das Projekt die KV Niedersachsen.

Wie in vielen anderen Krankenhäusern wird die Notaufnahme der MHH von Patienten geradezu überschwemmt, die mit ihren Rückenschmerzen oder ihrem Husten in der Hausarztpraxis weit besser aufgehoben wären, so Schneider.

In der Notaufnahme der MHH werden sie von speziell ausgebildeten Pflegekräften empfangen und - wie alle anderen Patienten - an die verschiedenen Ärzte weitergeleitet. Seit einem halben Jahr steht nun auch ein Hausarzt bereit, um die "ambulant beherrschbaren Fälle" zu versorgen.

Gerade am Verkehrsknotenpunkt und der Messestadt Hannover kämen aber viele Patienten, die auf der Durchreise sind oder solche, die schon einmal mit einer anderen Diagnose in der MHH lagen und nun in der Hochschulklinik so etwas wie den Hausarzt sehen, also eine Bindung entwickelt haben, so Schneider.

Kommunikation hat sich verbessert

Zur dritten und größten Gruppe gehören alle, die glauben, in der Klinik besser versorgt zu werden als bei ihrem Hausarzt, und zu Zeiten in der Notaufnahme erscheinen, an denen die Praxen auch geöffnet haben.

Darum hat sich die MHH nun hausärztliche Expertise in die Notaufnahme geholt. "Wie viele der Notaufnahmen eigentlich in eine Hausarztpraxis gehören, wissen wir noch nicht", erklärt Schneider. "Die Zahlen liegen noch nicht vor."

Klar ist schon jetzt: Die Hausärzte können die Patienten besser in die hausärztliche Versorgung zurückführen. Auch die kollegiale Kommunikation in den Arztberichten sei besser, berichtet Schneider.

Bezahlt werden die Hausärzte von der MHH. "Wir bieten ganz normale Stellen zur Teilanstellung bei der MHH." Dienstzeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr.

"Die übrigen Zeiten werden durch die Notdienstsprechstunde der KVN abgedeckt", sagt Schneider. Schließlich wolle man dem niedergelassenen Bereich keine Patienten abspenstig machen.

Außer dem Nutzen für Patienten und Ärzte verspricht Schneider sich auch, dass sich Haus- und Fachärzte einander annähern. "Wir bringen hausärztliches Know-how zusammen mit der Uni-Medizin", so Schneider. "Vielleicht ergeben sich so gemeinsame Studien und Projekt-Ideen."

Auf jeden Fall will Schneider mithilfe des Projekts "die Allgemeinmedizin auf Augenhöhe mit den anderen Fächern bringen und die gegenseitige Akzeptanz der Ärzte fördern."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »