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Arbeitsbedingungen

Klinikpersonal dauernd unter Druck

Die Delegation von Leistungen, die ursprünglich von Ärzte erbracht worden ist, hat zu einer starken Belastung des Pflegepersonals geführt. Das zeigen die Ergebnisse einer Online-Befragung.

Veröffentlicht:

BERLIN. Eine neue Arbeitsverteilung und Organisation an vielen deutschen Krankenhäusern hat für mehr als 63 Prozent der Ärzte und 78 Prozent der Pflegenden ihre Arbeitsbedingungen in den letzten fünf Jahren nicht verbessert.

Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen hervor, die die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat.

Für die Untersuchung befragte das IAT-Forscherteam um Professor Josef Hilbert bundesweit online mehr als 2500 Krankenhausbeschäftigte, darunter in der Mehrzahl Pflegende und Ärzte.

Verwaltungsaufgaben haben zugenommen

Sogar die Hälfte der Befragten glaubt, dass Patienten von den Veränderungen bei der Aufgabenverteilung an den Kliniken nicht profitieren.

Die Neuorganisation der Aufgaben empfinden insbesondere Pflegekräfte als bloßes Verschieben von Aufgaben. Insbesondere die Delegation von Leistungen, die ursprünglich oft Ärzte erbracht haben, sehen Pflegekräfte jetzt als große Belastung: Spritzen zu verabreichen, Wunden zu versorgen oder Kanülen zu legen.

Hinzu kommen vermehrt Verwaltungsaufgaben, betonte Michaela Evans vom Forscherteam des IAT bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin.

Evans verwies auf die gleichzeitige Mehrbelastung durch den Abbau von rund 50.000 Stellen im Pflegedienst seit Mitte der 1990er Jahre und den gestiegenen Betreuungsbedarf der Patienten. 71 Prozent der Befragten gaben der Studie zufolge an, auch auf ihrer Station seien Pflegestellen abgebaut worden.

Mehr als die Hälfte verzichtet auf geplante Pausen

Mehr Arbeit und weniger Stellen führen bei den Beschäftigten dazu, wichtige Aufgaben auf ihrer Station, aber auch sich selbst, zu vernachlässigen, ergab die Befragung. Mehr als die Hälfte verzichtet auf geplante Pausen, für knapp 50 Prozent der Befragten kommt die Ausbildung auf ihrer Station zu kurz.

"Viele bisherige Arbeitsmarktprogramme gingen am Gesundheitswesen vorbei. Ich hoffe, Studien wie diese ändern das", sagte IAT-Direktor Hilbert. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, forderte die Bund-Länder-AG Krankenhausreform dazu auf, einen deutschlandweiten Personalschlüssel für Pflegekräfte festzulegen.

"Das Sparen auf Kosten der Pflege muss ein Ende haben", so Bryschs Reaktion auf die Studie. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens schloss sich der Forderung an. (mam)

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 29.08.201409:09 Uhr

die Intelligenz und Kompetenz von nicht medizinischen "Geschäftsführern"

reicht jedenfalls immer bis zur Personaleinsparung.

Cora Schulze 29.08.201407:13 Uhr

Höherer Personalschlüssel in der Pflege die Lösung?

Aus meiner Sicht gibt es sowohl für die Überbelastung des Pflegepersonals als auch die Überbelastung der Ärzte zwei möglich Ansätze: 1. Forderung nach mehr Einstellungen 2. Minimierung des bürokratischen Aufwandes. Vor dem Hintergrund der Diskussion z.B. von Schließungen von Krankenhäusern aufgrund von roten Zahlen, Ärzte- und Fachkräftemangel.... darf überlegt werden, welcher Ansatz schneller, aber vor allem sinnvoller umgesetzt werden kann.

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