Ärzte Zeitung, 08.09.2014

Kliniken

Berlin setzt auf Investitionspauschale

Die Fördersystematik für Kliniken der Hauptstadt wird geändert. Die Berliner Krankenhausgesellschaft ist einverstanden - und fordert mehr Geld.

BERLIN. Die Krankenhausförderung in Berlin wird auf Investitionspauschalen umgestellt. Das hat der Berliner Senat Anfang September beschlossen.

Die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) und die Krankenkassen in der Hauptstadt begrüßen diesen Schritt prinzipiell. Beide Seiten weisen aber darauf hin, dass andere Finanzierungsmodalitäten das Hauptproblem der Krankenhausfinanzierung in Berlin nicht lösen.

"Allein eine Änderung der Fördersystematik behebt allerdings nicht die gravierenden Probleme in der Investitionsfinanzierung in Berlin", so die BKG-Vorstandsvorsitzende Brit Ismer.

Die BKG fordert eine Verdoppelung der derzeitigen Investitionsmittel von rund 70 Millionen auf 140 Millionen Euro. Damit hätte sich Berlin laut BKG an den Bundesdurchschnitt angenähert.

Auf Basis der bundesweiten Berechnungen des InEK (Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus) ergäbe sich für Berlin den Angaben zufolge sogar ein Gesamtbedarf von rund 219 Millionen Euro pro Jahr.

Förderung von 16 Euro je Einwohner

Derzeit beträgt die Investitionsfinanzierung im Land Berlin laut BKG rund 16 Euro je Einwohner, im Bundesdurchschnitt rund 33 Euro.

Die AOK Nordost erwartet von der Einführung der Investitionspauschalen vor allem einen Bürokratieabbau für Kliniken und Senatsgesundheitsverwaltung. Die erfolgreiche Einführung hänge aber maßgeblich davon ab, dass das Land genügend Finanzmittel bereitstelle, so die Kasse.

Sie forderte zudem, dass die im neuen Krankenhausplan angepeilten Qualitätskriterien verbindlich umgesetzt werden müssen, damit die Pauschal-Förderung nicht zu Fehlanreizen führe.

"Krankenhäuser könnten sich aus wirtschaftlichen Gründen für hochkomplizierte Fälle interessieren, während aus Medizin-Expertensicht diese Fälle aus Qualitätsgründen an spezialisierten Zentren konzentriert werden müssen", warnt die Kasse.

Sie plädiert daher für eine weitere Konzentration hochspezialisierter Klinikleistungen in der Hauptstadt. Verbesserungspotenzial sieht sie vor allem bei der Krebsbehandlung. (ami)

Topics
Schlagworte
Klinik-Management (10851)
Berlin (875)
Organisationen
AOK (6864)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »