Ärzte Zeitung online, 07.11.2014

Gutachter raten

Burghauser Krankenhaus zusperren

Den Weg aus den roten Zahlen können die Kliniken des Landkreises Altötting schaffen, wenn sie ihren Standort in Burghausen aufgeben. Dies empfehlen Gutachter - und sorgen für einen Aufschrei nicht nur in der Bevölkerung.

ALTÖTTING. Die Kreiskliniken Altötting-Burghausen sollten ihren kleineren Standort schließen, um wirtschaftlich für die Zukunft gerüstet zu sein. Das empfehlen Gutachter, die die kommunalen Häuser in den vergangenen Monaten auf Herz und Nieren geprüft haben.

Wie Klinikvorstand Michael Prostmeier der "Ärzte Zeitung" bestätigte, sind die Unternehmensberater zu dem Schluss gekommen, dass es finanziell besser wäre, den Standort in Altötting auszubauen und die Klinik in Burghausen dafür dicht zu machen. Die Kapazitäten im Krankenhaus in Altötting müssten um 100 Akutbetten erhöht und um zwei Operationssäle erweitert werden, so die Gutachter.

"Nachhaltige Stärkung des Standortes"

"Durch diese Konzentration und die damit verbundenen Synergien in den medizinischen Fachabteilungen beschreiben die Gutachter eine nachhaltige Stärkung des Standortes Altötting und rechnen mit einer deutlichen Leistungssteigerung", berichtete Prostmeier.

"Nach diesem Modell würden die Kreiskliniken ab dem Jahr 2019 nachhaltig positive Ergebnisse schreiben."

Die Kreiskliniken Altötting-Burghausen befinden sich wie die meisten anderen Krankenhäuser in Deutschland in einer finanziellen Schieflage. Der Verlust 2013 soll sich auf 1,2 Millionen Euro belaufen, ein Defizit in ähnlicher Höhe wird auch für die nächsten Jahre erwartet.

Über 1500 Mitarbeiter

Träger der beiden Häuser mit über 1500 Mitarbeitern ist der Landkreis Altötting, in dessen Gremien nun über die Ergebnisse und Empfehlungen der Unternehmensberater gesprochen und beraten wird. Aktuell stelle das Gutachten nur eine Diskussionsgrundlage dar, betonte Klinikvorstand Prostmeier.

Dennoch sorgt das mögliche Aus für die Burghauser Klinik für einen Aufschrei in der Bevölkerung. Es regt sich Widerstand, auch auf politischer Ebene. Eine Schließung der Klinik sei für Burghausen nicht tragbar, sagte Bürgermeister Hans Steindl dem "Alt-Neuöttinger Anzeiger".

Steindl, zugleich Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion und Ersatzmitglied des Verwaltungsrats der Kreiskliniken, kündigte an, ein neues Gutachten in Auftrag geben zu wollen. Dieses solle sich dann nicht nur mit der Frage Status Quo oder Schließung befassen, sondern auch mit abgestuften Varianten, so der Bürgermeister. (ths)

[07.11.2014, 10:59:42]
Dr. Helmut Müller 
Das ist natürlich auch ein Weg ...
solange Gutachten schreiben zu lassen, bis eins für den Auftraggeber akzeptabel ist. Dabei übersieht aber der SPD-Bürgermeister Steindl, dass seine Parteigenossin Ulla Schmidt seinerzeit das Fallpauschalengesetz mit den DRG etabliert hat. Ein wesentliches Ziel dieses neuen Vergütungsverfahrens - damals wie heute - war, die kleinen Kliniken einfach wegzurationalisieren. Denn die hohe Politik in Berlin wusste genau, dass kein Landrat oder Bürgermeister freiwillig "sein" Krankenhaus aufgeben würde. Also wurde ein Entgelt-System geschaffen, dass Jahr für Jahr den kleinen Kliniken Verluste bescherte, bis sie halt völlig unrentabel waren. Wer`s nicht glaubt, kann die jährlichen Statistiken des InEK-Instituts mit den Veränderungen des Casemix-Index (CMI) in Bezug auf Bettengröße der Kliniken ansehen. Und: Burghausen ist überall, auch heute noch!! zum Beitrag »

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