Ärzte Zeitung, 12.01.2015

Wegen Kündigungen

Uniklinik unter Beschuss

Ein gekündigter Vertrag mit den DRK-Schwesternschaften, der 1000 Pflegekräfte betrifft, sorgt in Kiel und Lübeck für Ärger.

LÜBECK. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) gerät wegen der Kündigung von 1000 Rot-Kreuz-Schwestern unter Beschuss.

Nach einem Gespräch mit UKSH-Vorstandschef Prof. Jens Scholz spricht das DRK, dessen Schwesternschaften über einen Gestellungsvertrag Pflegekräfte für das UKSH in Kiel und Lübeck stellt, von einem "unerhörten Vorgang".

Das UKSH hatte Ende 2014 den Vertrag mit den Schwesternschaften gekündigt und zugleich zu verstehen gegeben, dass sich die Pflegekräfte beim Uniklinikum direkt bewerben könnten.

Scholz´ Ziel sind einheitliche Tarifbedingungen für die Pflegekräfte am defizitär arbeitenden UKSH, das sich davon Einsparungen von 650.000 Euro pro Jahr verspricht.

Nach Darstellung des DRK bedeutet die Zugehörigkeit zur Schwesternschaft für die Pflegekräfte eine soziale Absicherung etwa in Form einer zusätzlichen Altersversicherung, die beim UKSH wegfallen würde.

260 Pflegestellen sollen abgebaut werden

Scholz strebt nach Darstellung des gekündigten Vertragspartners "schneller kündbare Verträge" und eine "verdeckte, soziale Auswahl" unter den sich erneut bewerbenden Pflegekräften an.

Tatsächlich will das UKSH mittelfristig 260 Pflegestellen abbauen, die nach Realisierung eines Neubaus nach derzeitiger Kalkulation nicht mehr benötigt werden.

Anders als der enttäuschte Vertragspartner bezeichnete das UKSH den gescheiterten Einigungsversuch als ein "vertrauensvolles Gespräch". Gemeinsam wolle man die Voraussetzungen für ein abgestimmtes und sozial verträgliches Bewerbungsverfahren schaffen, hieß es anschließend.

Das DRK kündigte dagegen öffentliche Proteste an. Auch DRK-Präsident Rudolf Seiters hat sich eingeschaltet. "Es wäre ein großer Verlust für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Norden, würde die Pflegekompetenz der Rotkreuzschwestern und ihrer DRK Schwesternschaften nicht mehr zur Verfügung stehen", sagte Seiters.

Auch der frühere Ministerpräsident Björn Engholm sprach von einer "falschen Entscheidung". (di)

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