Ärzte Zeitung, 13.03.2015

Insult-Versorgung

Deutsche Standards für Oman

Das Sultanat Oman setzt beim Aufbau einer modernen Versorgung von Schlaganfallpatienten auf Know-how aus Rheinland-Pfalz. Erste Erfolge sind bereits sichtbar.

Von Matthias Wallenfels

MAINZ/MUSKAT. Rheinland-Pfalz will dem Sultanat Oman bei dem Aufbau einer flächendeckenden Versorgung von Insultpatienten helfen. Zu diesem Zweck kooperieren beide Partner bereits seit drei Jahren.

Als "wichtigen Meilenstein" zur Vertiefung der Partnerschaft bezeichnete die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) vor Kurzem in ihrer Eröffnungsrede die 1. Omanisch-Deutsche Schlaganfallkonferenz in Muskat.

In Zusammenarbeit mit dem Royal Hospital und dem Netzwerk "Experts on Stroke" aus Rheinland-Pfalz fand die zweitägige Konferenz unter der Schirmherrschaft des omanischen Gesundheitsministers H.E. Dr. Ahmed Al-Saedi in der omanischen Kapitale statt.

Ziel der Konferenz war es nach Angaben des Ministeriums, den Wissenstransfer zur Schlaganfallversorgung zu fördern wie auch internationale Standards regional zu implementieren.

"Mit dem Wissenstransfer wollen wir dazu beitragen, Infrastrukturen vor Ort aufzubauen und den Zugang für unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen für den Export zu verbessern", unterstrich die Wirtschaftsministerin.

Mit der Unterstützung der Experten aus Rheinland-Pfalz konnte bereits im Mai 2013 die erste Stroke Unit im Royal Hospital in Muscat unter der Leitung der Neurologin Dr. Amal Al-Hashmi ihre Arbeit aufnehmen.

Wie Lemkes Ministerium auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" verdeutlichte, können im arabischen Raum durchgängig organisierte Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen nicht vorausgesetzt werden und müssen deshalb in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern zum Teil noch aufgebaut werden.

Die Infrastrukturmaßnahmen beziehen sich demnach insbesondere auf die Einrichtung dezidierter Stroke Units. Die Vernetzung der Versorgungsangebote fokussiere die Abstimmung von Rettungswesen und Stroke Unit oder die Zusammenarbeit von Akutversorgung und Rehabilitation.

Die Maßnahmen umfassten darüber hinaus die Abstimmung und Optimierung von Prozessen- zum Beispiel zur Verkürzung der Zeit zwischen Aufnahme und Einleitung der Therapie, dem Screening und der Prävention von Komplikationen wie Schluckstörungen und daraus resultierenden Lungenentzündungen.

Die elektronische Patientenakte spiele derzeit in der Kooperation noch keine Rolle, so das Ministerium. Telemedizinische Versorgungsangebote seien für die Zukunft vorgesehen, bedürften aber zunächst der Etablierung der Basisversorgung.

Der Aufbau der Schlaganfallversorgung durch Einrichtung von Stroke Units, Personalbereitstellung und Qualifizierung werde durch die Partner im Oman finanziert, wie das Mainzer Ministerium hervorhebt.

Diese zahlten auch für Beratungsleistungen oder Zertifizierungen. Die finanzielle Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz beschränke sich auf die Koordination des Expertennetzwerks, die Kontaktanbahnung oder auch die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit.

So seien im Oman im Rahmen eines Pilotprojektes Stroke Nurses durch deutsche Experten ausgebildet worden. Für die Weiterbildung von Fachpersonal stünden Angebote zur Hospitation zur Verfügung und würden auch genutzt.

Für den mittel- oder langfristigen Horizont wäre eine Facharztausbildung wie in Deutschland zwar wünschenswert, wie eine Ministeriumssprecherin verdeutlichte. Dies stoße aber noch auf einige organisatorische sowie sprachliche Barrieren, für die entsprechende Lösungen gefunden werden müssten.

"Mit der Bündelung der Kompetenzen haben wir die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft vorangetrieben und durch die Entwicklung von innovativen Systemlösungen Kernkompetenzen in der Gesundheitswirtschaft aufgebaut", zog Lemke ein Zwischenfazit der rheinland-pfälzisch-omanischen Kooperation im Healthcare-Sektor.

Mit dem Oman betritt Lemke indes kein Neuland im arabischen Raum. Denn seit Jahren kooperiert Rheinland-Pfalz in Sachen Gesundheit mit Dubai (wir berichteten).

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