Ärzte Zeitung, 10.04.2015

Berlin

Vivantes will Personalkosten auf 65 Prozent drücken

Mit einem positiven Jahresergebnis schließt der Berliner Klinikkonzern Vivantes das Jahr 2014 ab. Für dieses Jahr steht bei dem kommunalen Unternehmen die Senkung der Personalkosten ganz oben auf der Agenda.

Von Julia Frisch

BERLIN. Im zurückliegenden Geschäftsjahr gelang es Vivantes erstmals, die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro zu überschreiten: Der Konzernumsatz nahm gegenüber 2013 um neun Prozent auf 1,03 Milliarden Euro zu.

Nach Steuern verdiente Vivantes knapp acht Millionen Euro und damit genauso viel wie im Vorjahr. Die Umsatzrendite erreichte damit knapp 0,8 Prozent.

In Zukunft strebt der Konzern bei der Umsatzrendite eine Eins vor dem Komma an. Dazu beitragen sollen nicht zuletzt geringere Personalkosten.

720 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr für Löhne und Gehälter ausgegeben, 2013 waren es 651 Millionen Euro.

Die Steigerung von rund elf Prozent ist nicht nur auf Neueinstellungen, sondern vor allem darauf zurückzuführen, dass Vivantes 2014 wieder zur vollen Bezahlung nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) überging und es auch Tarifsteigerungen gab.

Kein Abbau bei Ärzten und Pflegern

Die Personalkostenquote von knapp 70 Prozent soll in den nächsten Jahren verringert werden, "andere Wettbewerber liegen deutlich drunter", sagte Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Berlin.

Schrittweise will Grebe die Quote zunächst auf 67 Prozent drücken; langfristig lautet die Zielmarke 65 Prozent.

Dafür wird der Konzern nicht bei Ärzten oder Pflegern den Rotstift ansetzen. "Da fehlt mir auch jede Vorstellung, wie wir im Pflegebereich Leute rausnehmen sollen", versicherte die Klinikchefin.

In "patientenfernen Bereichen" wird Vivantes neu eingestellte Mitarbeiter nicht mehr nach TVöD, sondern nach anderen Tarifen bezahlen, um so "wettbewerbsfähige Vergütungsstrukturen" zu schaffen. Outsourcing sei jedoch kein Thema, betonte Grebe.

Vielmehr habe Vivantes in den vergangenen Jahren einstmals ausgelagerte Serviceleistungen wie die Sterilgut- oder Wäscheversorgung sogar wieder ins Haus geholt.

Zudem hat der Konzern im vergangenen Jahr eifrig investiert. 56 Millionen Euro wurden in neue Geräte oder Gebäude gesteckt: 37 Millionen Euro davon stammten aus Eigenmitteln, 19 Millionen Euro steuerte das Land Berlin bei.

Für 2015 hofft Vivantes auf weitere 50 Millionen Euro aus Landesmitteln, davon könnten 40 Millionen Euro aus dem Fonds "Sondervermögen Infrastruktur wachsende Stadt" stammen, in den Berlin einen Teil seiner Jahresüberschüsse steckt.

Zur Hälfte verwendet das Land das Sondervermögen zur Schuldentilgung. Die andere Hälfte soll Investitionen in die Infrastruktur dienen und damit auch den Krankenhäusern der Stadt zugute kommen.

Aktuelle Investitionsvorhaben

Demnächst wird der Berliner Senat darüber entscheiden, ob Vivantes die 40 Millionen Euro aus dem Fonds wirklich bekommt.

Damit will der Konzern die Op-Kapazitäten in zwei Krankenhäuser erweitern, an Standorten in Neukölln und in Reinickendorf Sterilisationseinheiten erneuern und im Südwesten der Stadt am Auguste-Viktoria-Krankenhaus mit nötigen Bauarbeiten beginnen.

Weiter ausbauen will Vivantes in Zukunft auch die medizinische Versorgung ausländischer Patienten, um so die außerbudgetären Einnahmen zu verbessern. Bereits bestehende Kapazitäten sollen dafür erweitert werden, heißt es.

Grebe kündigte außerdem an, dass der Aufsichtsrat einen neuen Personalvorstand berufen hat. Annett Klingsporn wird dieses Amt demnächst bei Vivantes bekleiden. Klingsporn arbeitete bisher als Geschäftsführerin eines Tochterunternehmens der Deutschen Bahn.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »