Ärzte Zeitung, 24.06.2015

Brandenburg

Aus für Geburtstsstation in Bad Belzig

2014 gab es nur 185 Geburten im Krankenhaus Bad Belzig. Nun zog die Landeskrankenhauskonferenz in Brandenburg den Stecker für die Geburtsstation.

Von Angela Misslbeck

POTSDAM / BAD BELZIG. Die Geburtshilfe im Krankenhaus Bad Belzig schließt. Das hat jetzt die Landeskrankenhauskonferenz in Brandenburg beschlossen. Krankenkassen und Klinikträger betrachten diesen Schritt als folgerichtig.

"Wir können in dieser kleinen Geburtshilfe die geforderten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen nicht gewährleisten", so Steffen Grebner, Geschäftsführer des Ernst von Bergmann Klinikums Potsdam, das die Belziger Klinik vor einigen Jahren übernahm. An den Rahmenbedingungen wie sinkenden Geburtenzahlen, Fachärzte- und Hebammenmangel habe sich nichts geändert, so Grebner.

Der Medizinische Geschäftsführer des Potsdamer Großklinikums, Professor Hubertus Wenisch, verwies dafür auf die regional sehr guten ambulanten Versorgungsstrukturen für Schwangere durch niedergelassene Gynäkologen, Kinderärzte und Hebammen.

Mindestens 400 Geburten nötig

Im Belziger Krankenhaus fanden 2014 nur noch 185 Geburten statt. Die Klinik hatte damit die kleinste Geburtshilfe in Brandenburg. Das Land bleibt bei der Krankenhausplanung in der Geburtshilfe mit einer Minimalforderung von 300 Geburten pro Jahr ohnehin hinter den Qualitätsanforderungen der medizinischen Fachgesellschaften zurück, die mindestens 400 Geburten jährlich fordern.

Mit Blick auf die Qualität begrüßten Krankenkassen die Schließung der Belziger Geburtshilfe. "Wir sehen eine hochwertige medizinische Versorgung nur dann gewährleistet, wenn ärztliches und pflegerisches Know-how jeden Tag aufs Neue mehrfach unter Beweis gestellt wird.

Dies ist bei einer anhaltend sehr geringen Geburtenanzahl nicht möglich", sagte der Regional-Chef des Krankenkassenverbands vdek Michael Domrös. Er gehe davon aus, dass mit den umliegenden Kliniken Vereinbarungen greifen, die die Betreuung der Schwangeren und Geburten auf hohem Niveau sicherstellen.

Darauf zählt auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke), die Bedauern über die Schließung äußerte. "Ich muss das Votum der Krankenhauskonferenz schweren Herzens zur Kenntnis nehmen", so Golze. Das Ministerium erwarte nun, dass das Konzept für geburtshilfliche Notfälle im Interesse der Sicherheit von Mutter und Kind konsequent umgesetzt wird.

Rettungsstelle für Notfälle da

Schwierige Fälle werden demnach in den Perinatalzentren Brandenburg an der Havel und Potsdam versorgt. Die Rettungsstelle in Bad Belzig ist für Notfälle rund um die Uhr geöffnet. Zudem wurden die Rettungsdienste im Hohen Fläming in Geburtshilfe und Neugeborenenversorgung speziell geschult.

Das Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam bietet auch sogenannte Boarding-Appartements, die Schwangeren und Angehörigen vor der Geburt eine kostenfreie Unterbringung auf dem Potsdamer Klinikumsgelände ermöglichen, und einen Shuttleservice für Väter, Geschwister und Angehörige zwischen Belzig und Potsdam.

Der Krankenhausplan des Landes hatte bereits 2013 festgelegt, dass die Entwicklung einzelner geburtshilflicher Abteilungen überprüft werden soll (wir berichteten). Prüfaufträge gab es auch für die Geburtshilfen in Bernau, Strausberg und Templin.

In Bernau und Strausberg sind Schließungen aufgrund der positiven Entwicklung der Geburtenzahlen vom Tisch. In Templin wird mit 250 Geburten pro Jahr gerechnet. Die Zahlen schwankten zuletzt. Der Prüfauftrag wird bis 2020 verlängert.

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