Ärzte Zeitung, 24.09.2015

Klinik

Jede sechste Pflegekraft denkt an Jobwechsel

Die Arbeitsbelastung von Krankenpflegern ist hoch - und geht zu Lasten der Patientenversorgung, zeigt der aktuelle Picker-Report.

HAMBURG. Jede sechste Pflegekraft in deutschen Krankenhäusern denkt aktuell über einen Arbeitsplatzwechsel nach. Grund ist die starke Belastung - nur 60 Prozent bewältigen ihre Arbeit meistens in der regulären Arbeitszeit. Diese Ergebnisse nennt das Hamburger Picker Institut in seinem aktuellen Report zum Zusammenhang zwischen Personalmangel in der Pflege und Versorgungsqualität.

Danach schaffen es nur vier Prozent der Pflegekräfte, "so gut wie immer" ihre Arbeit in der regulären Arbeitszeit zu bewältigen, 35 Prozent schaffen dies nur selten.

Bedenken über Qualität

Unter den Befragten, die ihre Arbeit in der regulären Zeit nicht schaffen, herrschen zugleich Bedenken hinsichtlich der Versorgungsqualität. 58 Prozent aus dieser Gruppe gaben an, "nur ganz selten" Zeit für eine bedürfnisgerechte Patientenversorgung zu haben.

35 Prozent meint, nur ganz selten Zeit für Ängste, Befürchtungen und andere Anliegen von Patienten zu haben und 45 Prozent hat nur ganz selten Zeit für eine angemessene Angehörigeninformation.

Das Institut folgert, dass die Arbeitsverdichtung der vergangenen Jahre die körperliche, zeitliche und psychische Arbeitsbelastung weiter erhöht habe und spricht von einem "massiven Mehrbedarf an qualifizierten Pflegepersonal".

Es verweist in diesem Zusammenhang auf den Abbau von Vollzeitstellen im Pflegedienst - seit 1996 waren dies 36.800 Stellen - bei zunehmender Fallzahl und sinkender Verweildauer in den deutschen Krankenhäusern.

Kritik übt Picker-Geschäftsführerin Maria Nadj-Kittler am Versuch der Politik, mit einem Pflegestellen-Förderprogramm die Situation zu entschärfen. "So falsch wie hilflos" nennt sie das Programm, weil die quantitative Aufstockung "verpufft, wenn sich nicht mindestens gleichzeitig auch die Arbeitsbedingungen verbessern".

Kritik an Arbeitsorganisation

Als Beispiele nennt sie eine gute Zusammenarbeit mit Führungskräften und Kollegen aus dem Pflege- und ärztlichen Dienst sowie einen höheren Stellenwert der Pflegequalität auf Führungsebene. Die Arbeitsorganisation in den Krankenhäusern aber wird insbesondere von Pflegekräften, die ihre Arbeit zeitlich meist nicht bewältigen, extrem kritisch gesehen.

52 Prozent halten ihre Abteilung für unzureichend organisiert, 67 Prozent berichten von sehr häufigen Störungen der eigentlichen Arbeit, 48 Prozent von einer suboptimalen zeitlichen Organisation des Tagesablaufs, 23 Prozent von keiner klaren Definition der Aufgaben und 27 Prozent kritisieren, dass aktuelle Informationen über Patienten für sie schwierig zu erhalten sind.

Folge: 13 Prozent denken häufig über einen Arbeitsplatzwechsel nach, weitere 27 Prozent manchmal. Nur 47 Prozent beschäftigen sich nicht mit dem Gedanken an eine Kündigung. In den Report sind Befragungsdaten von 8570 Pflegekräften aus 25 deutschen Kliniken eingeflossen. (di)

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