Ärzte Zeitung, 14.01.2016

Kliniken

Ökonomische Kompetenz für Ärzte unverzichtbar

Wer sich nur auf das Arztsein konzentriert, kommt auf der Karriereleiter in Kliniken kaum mehr voran.

KIEL. "Ich will Medizin machen, das habe ich gelernt. Man verlangt von mir Verwaltung und Ökonomie - das habe ich nicht gelernt."

Solche Sätze von Klinikärzten verdeutlichen den Frust, den insbesondere Ärzte der Baby-Boomer-Generation zum Teil im Klinikalltag empfinden. Nicht nur Medizin, sondern auch Management und Administration wird von ihnen verlangt.

In einem Workshop des Kongresses "Vernetzte Gesundheit" in Kiel wurde deutlich, wie weit diese Entwicklung vorangeschritten ist. Klinikunternehmen schulen heute ihre Ärzte in allen Hierarchiestufen, damit sie Verständnis über ihre Kerntätigkeit hinaus entwickeln und für weitere Aufgaben qualifiziert sind.

"Medizinischer Leuchtturm" zu sein reicht nicht mehr

Der "medizinische Leuchtturm" als Qualifizierung für einen Chefarztposten reicht etwa Dr. Daisy Hünefeld schon lange nicht mehr aus. Das Vorstandsmitglied der Münsteraner St. Franziskus-Stiftung ist selbst Ärztin und Ökonomin. Von Chefärzten erwartet sie Sozial- und Methodenkompetenz.

"Es geht mindestens zu 30 Prozent um soft-skills", sagte Hünefeld. Sie appellierte an Ärzte, sich auf die Anforderungen vorzubereiten: "Sonst ist man Profi in der Medizin und Amateur als Führungskraft" - folglich sei man als solche nicht tauglich.

Und trotz des Fachkräftemangels werden sich Klinikunternehmen nach ihrer Beobachtung nicht dazu hinreißen lassen, Ärzte auf Posten zu befördern, für die ihnen die Voraussetzungen fehlen.

Denn: "Fehlbesetzungen sind extrem teuer." Wie intensiv Kliniken Ärzte auf dem Weg zum "Medical Manager" begleiten, zeigt auch das Beispiel des 6 K-Verbundes.

Schulungen für Ärzte

Die sechs kommunalen Kliniken dieses Zusammenschlusses in Schleswig-Holstein bieten ihren über 1000 Ärzten regelmäßig Schulungen an, die über die Medizin hinausgehen.

Das zum Verbund zählende Klinikum Itzehoe etwa bietet Einzelcoaching für Chefärzte, Profilschärfungen für Oberärzte und Grundlagenschulungen für Assistenzärzte.

Gunda Dittmer, stellvertretene Klinikdirektorin in Itzehoe, hält solche Qualifizierungen heute für unverzichtbar, u.a. weil sie Kompetenzen stärken, die Attraktivität des Arbeitgebers erhöhen, eine gemeinsame Kultur auch im Verbund schaffen und das Vertrauen stärken. Führungspositionen sind nach ihren Angaben inzwischen in ihrem Klinikum ohne solche Schulungen nicht mehr zu erreichen.

Nicht jeder unter den Zuhörern konnte sich mit dieser ökonomischen Ausrichtung des Arztberufes anfreunden. Ein niedergelassener Allgemeinarzt verfolgte die Ausführungen der Klinikmanager nach eigener Aussage mit "dickem Hals". (di)

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