Ärzte Zeitung online, 04.10.2016

Klinikbrand geklärt

Patientin zündete sich an

Die ersten Vermutungen der Ermittler nach dem Klinikbrand in Bochum haben sich bestätigt: Eine Patientin hat in Selbstmordabsicht Feuer gelegt. Patientenschützer fordern schärfere Vorgaben zum Brandschutz.

Patientin zündete sich an

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen am Donnerstag einen Brand an der Bochumer Uniklinik Bergmannsheil.

© Marcel Kusch / dpa / picture alliance

BOCHUM. Die Ursache für den Großbrand am Freitag in einer Bochumer Klinik mit zwei Toten ist geklärt. Nach Angaben der Ermittler hat sich eine 69 Jahre alte Patientin in Suizidabsicht mit einem brennbaren Desinfektionsmittel übergossen und angezündet. Diesem Verdacht waren die Ermittler schon am Wochenende nachgegangen. Patientenschützer fordern jetzt schärfere gesetzliche Vorgaben zum Brandschutz.

Neben der 69-Jährigen starb ein 41 Jahre alter bettlägeriger Patient im Nachbarzimmer an Rauchgasen. Die Ermittlungen zum Motiv seien noch nicht abgeschlossen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Niemand mehr in Lebensgefahr

Die Ermittler korrigierten unterdessen die Zahl der Verletzten nach unten. Es habe zehn Verletzte gegeben und nicht wie bislang angenommen 16. Sieben von ihnen wurden schwer verletzt. Es sei niemand mehr in Lebensgefahr.

Der Brand hatte sich am frühen Freitagmorgen schnell ausgebreitet. Ursache für die rasche Ausdehnung sei aber nicht ein Matratzen- oder Bettenlager gewesen. Solch ein Lager habe es nicht gegeben. Das Feuer habe sich vielmehr in kurzer Zeit vom Brandherd im sechsten Stock auf das direkt darüber liegende Dach vorgearbeitet. Den Sachschaden beziffern die Ermittler auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Am Wochenende musste die Feuerwehr erneut einschreiten. Am Sonntag stieg Rauch aus dem zerstörten Dach, als sich ein Glutnest entzündete. Das Nest konnte aber schnell gelöscht werden.

Weitere Aufklärung gefordert

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte weitere Aufklärung. "Alle Fakten müssen jetzt auf den Tisch, um notwendige Konsequenzen zu ziehen", sagte Vorstand Eugen Brysch in Dortmund. Der Krankenhausbetreiber müsse von einem unabhängigen Sachverständigen klären lassen, ob eine Sprinkleranlage Leib und Leben von Menschen hätte schützen können. Solch eine Anlage gab es nicht. "Sehr schnell wird dann klar, wo die Grenzen des bestehenden Brandschutzkonzeptes liegen." Das betreffe fast alle 2000 Krankenhäuser und 13 000 Pflegeheime in Deutschland.

Auch die Länder seien gefordert, für alle Krankenhäuser den Betrieb von selbstständigen Löschanlagen vorzuschreiben. "Seit Jahren dümpelt die Diskussion zum Brandschutz in der Bund-Länder-Kommission vor sich hin." Die Patientenorganisation fordert, bestehende Einrichtungen nachzurüsten und für Neubauten Sprinkler vorzuschreiben. "Es kann nicht sein, dass in Bochum für mehr als 100 Millionen Euro saniert wird, ohne den Standard des Brandschutzes zu erhöhen", sagte Brysch. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »