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Fehlerkultur

Op-Sicherheit: Mediziner im Flugmodus

Die BG Kliniken und die Lufthansa kooperieren, um die Patientensicherheit zu erhöhen. Die Klinikärzte sollen aus der fortgeschrittenen Fehlerkultur der Luftfahrt lernen.

Kerstin MitternachtVon Kerstin Mitternacht Veröffentlicht:
Op-Sicherheit im Fokus: Ein Projekt lässt Ärzte von der Flugsicherheit lernen.

Op-Sicherheit im Fokus: Ein Projekt lässt Ärzte von der Flugsicherheit lernen.

© Mathias Ernert, Chirurgische Klinik der Universität Heidelberg

FRANKFURT/MAIN. Medizin und Luftfahrt haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Schaut man jedoch genauer hin, dann erkennt man doch einige Gemeinsamkeiten: "Beide arbeiten in Hierarchien und müssen in hochkomplexen Situationen Entscheidungen treffen", so Martin Egerth, Senior Product Manager Human Factors Training bei der Lufthansa Aviation Training GmbH (LAT). "Der Unterschied ist, dass der Pilot auf den einen Tag vorbereitet wird, der vielleicht nicht eintreten wird, und Mediziner diesen Tag täglich erleben." Bei beiden sei allerdings das oberste Ziel die Sicherheit der Fluggäste respektive der Patienten.

Egerth sprach bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main, auf der die BG Kliniken und Lufthansa über eine Kooperation bei Sicherheitstrainings berichteten.

Doch wie lässt sich der perfekte Flug in die optimale Behandlung übersetzen? Die wichtigsten Punkte in der Luftfahrt sind technisches und prozedurales Wissen sowie interpersonelle Kompetenz. "Diese Punkte lassen sich auf die Medizin übertragen", sagte Egerth.

Interpersonelle Kompetenz fehlt

"Technische und prozedurale Fähigkeiten hat die Medizin, das wird regelmäßig trainiert, was jedoch fehlt, ist die interpersonelle Kompetenz", sagt Dr. Matthias Münzberg, Leiter des Centrums für interdisziplinäre Rettungs- und Notfallmedizin der BG Klinik Ludwigshafen und Leiter Bereich Medizin der BG Kliniken Ludwigshafen und Tübingen.

Die BG Kliniken und die Lufthansa haben sich nun zusammengeschlossen und ein "Interpersonal Competence" (IC)-Trainingsprogramm für mehr Patientensicherheit gestartet. Das Konzept hat LAT zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie(DGOU) sowie mit Piloten, Psychologen und Ärzten entwickelt.

Aus der Fliegerei gibt es Beispiele aus der Vergangenheit, bei denen das Ego des Piloten oder fehlende Kommunikation im Team zu Abstürzen geführt haben. Es gibt aber auch aktuelle positive Beispiele, die zeigen, dass es heute deshalb weniger Unfälle gibt, weil das Team an Bord besser zusammenarbeitet. In der Luftfahrt wurde in den 1990er-Jahren bereits erkannt, dass auch interpersonelle Fähigkeiten benötigt werden und dass diese einen gleich hohen Stellenwert haben, wie technische und prozedurale Fähigkeiten, so Egerth. Diese Art von IC-Trainings, die jetzt in die Medizin zu übersetzt werden, sind in der Luftfahrt mittlerweile auch gesetzlich vorgeschrieben. "Dies alles hat Zeit gebraucht und ging nicht von heute auf morgen", gibt Egerth zu bedenken.

Eine Hochrechnung aus den USA zeigt, dass menschliche Fehler in der Medizin die dritthäufigste Todesursache sind. Die häufigsten Fehlerursachen seien dabei mangelnde Kommunikation, Teamführung und Entscheidungsfindung, hieß es in Frankfurt.

Gestartet sind die zweitägigen IC-Trainings im September, in drei Jahren sollen 1000 Mitarbeiter aus allen Fachrichtungen und von allen Standorten der BG Kliniken das Training durchlaufen haben. Geleitet wird ein Training immer von einem Piloten und einem Arzt.

Ein wichtiger Block sei auch das Thema Führung. "Oberärzte müssen wissen, wie Führung funktioniert", sagt Münzberg. Wichtige Aspekte in der heutigen Führung seien dabei Ehrlichkeit, Empathie, aber auch die Fähigkeit, andere zu inspirieren, eine positive Einstellung und Charisma. Ziel sei es eine "Safety-First"-Kultur zu etablieren, so dass jeder Mitarbeiter Bedrohungen oder Fehler erkennt und mitteilt. Wichtig sei zudem, die herrschenden Hierarchien in den Krankenhäusern abzuflachen. In der Luftfahrt sei das bereits passiert, denn eine zu steile Hierarchie berge die Gefahr, dass sich Kollegen nicht trauen, etwas zu sagen, so Egerth.

"Ein Ziel ist, einen Kulturwandel durch die Trainings bei den Ärzten herbeizuführen, dass Fehler kommuniziert und so künftig vermieden werden", verdeutlichte Professor Reinhard Hoffmann, Ärztlicher Direktor der BG Unfallklinik Frankfurt und Generalsekretär der DGOU.

Offene und angstfreie Fehlerkultur

"Dieses Projekt ist für uns hochinteressant, da es die Kollegen in ihrer Kompetenz und gleichzeitig die Sicherheit der Patienten fördert", sagt Dr. Rafaela Korte, Geschäftsführerin der BG Unfallklinik Frankfurt. "Wir wollen eine offene und angstfreie Fehlerkultur in unserem Unternehmen aufbauen", ergänzt Korte. Die BG Kliniken haben einen sechsstelligen Betrag in das Projekt investiert.

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