Ärzte Zeitung, 19.07.2013

Medizintechnik

Russischer Bär schärft die Kralle

Deutsche Anbieter aus den Branchen MedTech und Pharma fürchten neue Restriktionen beim Marktzugang.

Von Matthias Wallenfels

BERLIN/MOSKAU. Deutsche Medizintechnikunternehmen blicken derzeit gebannt nach Moskau. Denn das russische Industrie- und Handelsministerium arbeitet nach Angaben der deutschen Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) an einem Gesetzentwurf, nach dem ausländische Medizintechnikfirmen von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden sollen, wenn mindestens zwei russische Hersteller vergleichbare Produkte anbieten.

Die deutschen Anbieter sind laut gtai in heller Aufruhr, da sich die meisten Krankenhäuser und Polikliniken in Russland in staatlicher Hand befinden. Mindestens 95 Prozent des Marktes für Medizintechnik werde über staatliche Tender abgewickelt.

Deutsche Medizintechnik unterscheide sich grundsätzlich von russischen Angeboten in Qualität und Funktionalität, darin seien sich nach gtai-Angaben die meisten der 150 auf dem russischen Markt aktiven kleinen und mittelständischen Unternehmen einig.

Nur in den allerseltensten Fällen gebe es in Russland vergleichbare Produkte. Aber das schütze deutsche Technik noch lange nicht vor dem Ausschluss.

Denn nach den neuesten staatlichen Ausschreibungsregeln dürften nur noch die nötigsten Spezifikationen im Tender festgelegt werden, sagte ein deutscher Medizintechnikexperte im Interview mit gtai.

Was ist ein russischer Hersteller?

Russland gilt als der neuntgrößte Markt für Medizintechnik weltweit. Öffentliche Stellen kaufen laut gtai Computertomographen, Röntgengeräte, Mikroskope, Spezialscheren und hunderte andere Artikel im Wert von über 2,5 Milliarden Euro jährlich im Ausland ein.

Das sind rund drei Viertel des Gesamtmarktes. Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten Lieferanten.

Ungemach droht deutschen Anbietern auch im Pharmabereich, in dem Russland laut gtai ausländische Hersteller ebenfalls von öffentlichen Ausschreibungen ausschließen will, wenn es mindestens zwei vergleichbare Präparate aus russischer oder belarussischer Produktion gibt.

Bis heute sei aber unklar, nach welchen Kriterien man als russischer Hersteller gelte. Reicht das bloße Abpacken von Tabletten? Oder müssen sogar Wirkstoffe aus Russland bezogen werden?

Vor jeder Neuzulassung von Medikamenten müssen in Russland medizinische Studien durchgeführt werden. Bei multizentrischen klinischen Studien müsse Russland zumindest beteiligt sein.

Die Praxis zeige hingegen, wie gtai hervorhebt, dass Präparate russischer Hersteller ohne große Langzeitstudien auf den Markt kommen würden.

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