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Erfahrungsbericht

Operieren mit der Google-Brille

Die Google-Brille hat offenbar gute Chancen, in die Operationssäle einzuziehen. Ein Testlauf mit Kinderchirurgen zeigte die Vorteile bei einer Op - offenbarte aber auch die Schwachstellen.

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Google Brille: In einem Test fertigten Chirurgen damit während der Op Foto- und Videodokumentationen an, führten Telefongespräche, legten Abrechnungsziffern fest und suchten im Internet nach medizinischen Informationen.

Google Brille: In einem Test fertigten Chirurgen damit während der Op Foto- und Videodokumentationen an, führten Telefongespräche, legten Abrechnungsziffern fest und suchten im Internet nach medizinischen Informationen.

© Seth Wenig / dpa

NEW YORK. Die drahtlose Informationstechnologie macht auch vor dem OP nicht halt. Vier Wochen lang verwendeten Oliver Muensterer und Kollegen an der Kinderklinik des New York Medical College die Google-Brille (explorer version) bei ihrer täglichen OP-Routine, um die Brauchbarkeit dieser Erfindung bei operativen Eingriffen zu testen (Int J Surg 2014; 12: 281). Die Operateure fühlten sich durch das Tragen der Brille nicht bei ihrer eigentlichen Arbeit gestört.

Insgesamt erregte das neue Gerät bei allen Beteiligten, selbst bei den Familien und den Patienten, reges Interesse. Die Chirurgen fertigten damit Foto- und Videodokumentationen an, führten Telefongespräche und transatlantische Videokonferenzen zwischen New York und Hannover, legten Abrechnungsziffern fest und suchten im Internet nach medizinischen Informationen, ohne dass sie die Hände vom sterilen Operationsgebiet entfernen mussten.

Als nachteilig bewerteten die Anwender die kurze Batterielaufzeit. Ein über sechs Stunden aufgeladener Akku machte an einem normalen Op-Tag mit Beginn um 7 Uhr, ohne Telefon- oder Videokonferenzen, bereits zwischen 15.30 und 17 Uhr schlapp.

Wurden Videos aufgezeichnet, funktionierte der Akku zum Teil nur für 30 bis 40 Minuten. Weiterhin bemängelten die Tester die schlechte Tonqualität, Verzögerungen bei der Übertragung sowie Unterbrechungen und Abbrüche während Internet-Videokonferenzen.

Dringend geklärt werden müsse zudem die Frage des Datenschutzes. Denn alle gesammelten Daten laufen automatisch auf einen möglicherweise unsicheren Google-Server.

Noch etliche Verbesserungen nötig

Das Resümee der OP-Tester lautet: Obwohl sich die Google-Brille in einigen klinischen Bereichen als nützlich erwiesen hat, müssen einige wesentliche Verbesserungen vorgenommen werden, bevor sie Ärzten und insbesondere Chirurgen für die tägliche Arbeit empfohlen werden kann.

Außer Optimierungen bei der Hardware müsse die Datenschutzfrage geklärt werden. Zudem bestehe Bedarf an speziellen medizinischen Anwendungen (Apps), die noch zu entwickeln seien. Mit Spannung erwarten die Kinderchirurgen die Brillenversion 2.0 für weitere Tests und die Optimierung als mögliches Op-Utensil der Zukunft.

Die Google-Brille (Google Glass) ist ein Minicomputer, der auf einen Brillenrahmen montiert ist. Sie beinhaltet Zentralprozessor (CPU), Touchpad, Bildschirm, HD-Kamera, Mikrofon, Knochenleitungswandler (Lautsprecher) und eine kabellose Vernetzung.

Die integrierte Digitalkamera liefert Live-Bilder aus der Blickrichtung des Trägers. Diese können mit Daten aus dem Internet, die in das Sichtfeld des Benutzers eingeblendet werden, kombiniert und versendet werden. Die Bedienung erfolgt durch Kopfbewegung, Augenzwinkern und Sprechen. (St)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Google behält den Überblick

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