Ärzte Zeitung, 19.02.2015

Pflege

Dank Technik länger in der eigenen Wohnung

In Niedersachsen wird untersucht, wie AmbientAssisted-Living-Lösungen helfen können, den demografiebedingten Anforderungen in der Pflege künftig gerecht zu werden. In Osnabrück ist nun das "Living Lab" an den Start gegangen.

Von Matthias Wallenfels

Dank Technik länger in der eigenen Wohnung

Auch in der Küche können technische Assistenzsysteme das Leben im Alter erleichtern.

© Stephanie Pilick/dpa

OSNABRÜCK. Der Landkreis Osnabrück ist zusammen mit dem Bistum sowie Hochschule und Universität Osnabrück Innovationen auf der Spur, die die Wohn- und Lebensbedingungen von älteren oder kranken Menschen verbessern können.

Zu diesem Zweck haben sie nach eigenen Angaben die Plattform "Living Lab - Wohnen und Pflege" ins Leben gerufen.

Die Kooperationspartner wollen demnach mit dem Living Lab unter dem Dach der Science to Business GmbH - Hochschule Osnabrück einen gemeinsamen Beitrag leisten, um die Herausforderung, die sich in Deutschland durch den demografischen Wandel stellt, zu bewältigen.

Mit dem "Lebenden Labor" solle die Vernetzung der regionalen Kompetenzträger aus den Bereichen Pflegewissenschaft, Gesundheitsökonomie, Wirtschaftsinformatik, Ethik sowie Industrial Design vorangetrieben werden.

Vor Kurzem haben Matthias Selle, Kreisrat des Landkreises Osnabrück, Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, Professor Peter Seifert, Geschäftsführer der Science to Business GmbH, Professor Andreas Bertram, Präsident der Hochschule Osnabrück, sowie Professor May-Britt Kallenrode, Vizepräsidentin der Universität Osnabrück, den offiziellen Beginn der Zusammenarbeit mit der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages besiegelt.

Alterung bedingt neue Bedürfnisse

Ein Schwerpunkt der interdisziplinären Zusammenarbeit liege auf dem demografischen Wandel, der unter anderem zur Folge habe, dass viele Menschen länger in ihren Wohnungen leben möchten.

"Daraus entstehen neue Bedürfnisse und Erwartungen an die Wohnumgebung, etwa den technischen Wohnkomfort, die Sicherheit sowie Angebote an hauswirtschaftlichen und pflegerischen Dienstleistungen. Hier setzt das Living Lab an, um die Zahl der Innovationen im Bereich Wohnen und Pflege zu steigern", erläuterte Selle.

Ohne den Terminus technicus des Ambient Assisted Living (AAL) im Wortlaut zu benennen, geht es den Projektbeteiligten vor allem um flankierende technische Assistenzlösungen zum Beispiel in der Pflege.

Die Erwartung sei, dass die modernen technischen Möglichkeiten der Haustechnik, der Datenverarbeitung und der mobilen Kommunikation eine zunehmende Rolle spielen werden.

"Wir müssen uns aber darauf verständigen, dass die technische Assistenz in der Pflege nicht darauf abzielt, menschliche Zuwendung zu ersetzen. Die Richtung stimmt, wenn sie vielmehr dazu beiträgt, dass mehr Zuwendung ermöglicht wird", betonte Paul.

Darüber hinaus müssten auch die pflegenden Angehörigen und die Mitarbeiter in den Heimen und Pflegediensten in den Blick genommen werden, forderte der Generalvikar. Diese dürften auf keinen Fall überfordert werden.

Im Dienste des Standortmarketings

Das Living Lab solle zudem zur Entwicklung der Region beitragen und die Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Osnabrück stärken. "Es ist Ausdruck unserer großen Kompetenz im Gesundheits- und Pflegemanagement. Zukünftig werden wir diese Leistungen gemeinsam mit den Partnern im entstehenden ,Gesundheitscampus‘ bündeln", kündigte Bertram an.

"Das Living Lab ist eine ideale Plattform, um praxisbezogene Angebote der regionalen Kooperationspartner aus Wissenschaft und Unternehmen zusammenzubringen und so einen Beitrag zum Innovationstransfer zu leisten", resümierte Kallenrode.

Die Projekte des Living Labs würden künftig von Martin Schnellhammer, Geschäftsbereichsleiter der Science to Business GmbH, koordiniert.

"Die Kooperation passt hervorragend zu deren Zielen, die ein wichtiges Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft darstellt", ergänzte Seifert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Hauttest spürt Parkinson auf

Wie können Ärzte zuverlässig Parkinson erkennen? Eine Biopsie könnte die Lösung sein. Forscher haben hier Unterschiede zwischen Kranken und Gesunden aufgespürt. mehr »

Ein Dorf nur für Geflüchtete

Einmal in Deutschland angekommen, müssen viele Flüchtlinge einen neuen, nun geschützten Alltag finden. Das "Michaelisdorf" in Darmstadt hilft Frauen und ihren Kindern dabei - trotz kultureller Hürden. mehr »

Robo-Baby macht Lust auf echte Kinder

Eigentlich sollten schreiende Babysimulator-Puppen Teenager von Schwangerschaften abhalten. Doch das Gegenteil ist der Fall, fanden nun australische Forscher heraus. mehr »