Ärzte Zeitung, 18.11.2015

Medica 2015

MedTech-Unternehmen profitieren von Konjunktur

Die Medizintechnikbranche profitiert von der Konjunktur und ist selbst überrascht davon. Die Unternehmen sind auch verstärkt in Richtung Konsumenten aktiv.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Die deutschen Medizintechnik-Hersteller profitieren von der guten Konjunktur. Mit einem Umsatzplus von rund sechs Prozent werden sie in diesem Jahr die Erwartungen übertreffen, sagte Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbands Medizintechnik im Verband der Hightech-Industrie - Spectaris, anlässlich der Medica. "Das ist ein bisschen überraschend."

An den von der Branche schon seit Längerem kritisierten Rahmenbedingungen, insbesondere dem Investitionsstau in den Krankenhäusern, habe sich schließlich nichts geändert.

"Aber die Medizintechnik profitiert von der guten Stimmung in der Wirtschaft und der Bevölkerung." Es schlage positiv zu Buche, dass sich die Unternehmen im Bereich der Konsumgüter breiter aufgestellt haben.

"Wir sind optimistisch, dass das Wachstum 2016 anhalten wird, wenn auch nicht auf dem hohen Niveau dieses Jahres", sagte Kuhlmann.

Zuwachs im In- und Ausland

2015 werden die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten einen Umsatz von rund 27 Milliarden Euro erzielen - 8,7 Milliarden Euro im Inland und 18,3 Milliarden Euro im Ausland - nach 25,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Der Zuwachs stammt sowohl aus dem Inland als auch dem Ausland. Die Zahl der Mitarbeiter wird in diesem Jahr um drei Prozent auf knapp 129.000 zulegen.

Für den Export seien die Europäische Union, die USA und China wichtige Wachstumsmärkte, berichtete Kuhlmann. Das Geschäft mit Russland leide unter der Tatsache, dass in dem Land einheimische Produzenten bevorzugt werden.

"Die Exporte nach Russland sind massiv eingebrochen." Für einzelne Unternehmen, die sich auf diesen Markt spezialisiert hätten, könne das existenzbedrohend sein.

Die kontinuierliche Zunahme der regulatorischen Anforderungen sieht er als eine der schwierigsten Herausforderungen für die Branche.

In einzelnen Ländern wirkten die Regularien wie Marktzugangshindernisse. "Gerade kleine Unternehmen können sich das nicht mehr leisten."

Das E-Health-Gesetz ist nach Ansicht von Hans-Peter Bursig zwar ein wichtiger Baustein, aber nur ein erster Schritt hin zur notwendigen Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Bursig ist Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie. "Wir werden eine sichere Kommunikation bekommen, aber das Gesetz wird nicht dafür sorgen, dass wir flächendeckend E-Health-Anwendungen im Gesundheitswesen sehen", betonte er. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg.

Handlungsbedarf beim Datenschutz

Das Entgeltsystem müsse so ausgestaltet werden, dass die technikbasierte sektorübergreifende Versorgung vergütet werden könne, etwa beim Telemonitoring von Herzpatienten.

Handlungsbedarf sieht Bursig auch beim Datenschutz und der Verwendung von Daten. Hier müssten einheitliche Regelungen her.

Bisher müsse jede Anwendung nicht nur mit dem Bundesdatenschutzgesetz übereinstimmen, sondern auch in jedem Bundesland mit den Datenschützern abgeklärt werden.

"Wir müssen Regelungen haben, wie man bestimmte Dinge tun kann, und nicht jedes Mal fragen müssen: Ist das okay?"

Die Vernetzung und die Analyse von Daten werden nach seiner Einschätzung für die Versorgung immer wichtiger. Die vorhandenen Möglichkeiten müssten genutzt werden. "Wir sind technisch in der Lage, alles zu tun, was die Kunden heute von uns erwarten", sagte er.

Die Vernetzung führe zu höherer Effizienz und senke die Kosten. "Der wirtschaftliche Druck in Krankenhäusern und Arztpraxen wird dafür sorgen, dass in den nächsten Jahren eine Veränderung stattfindet und in die Vernetzung investiert wird", prognostizierte er.

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