Ärzte Zeitung, 01.12.2016

Kollege Roboter

Klinik-Chefs glauben an Maschinen als bessere Ärzte

Kann ein Roboter den Arzt vollends im OP ablösen? Ja, und dass sogar sehr bald. Das meinen jedenfalls Klinik-Führungskräfte laut einer aktuellen Studie. Und können Roboter bald auch Pfleger ersetzen?

Von Marco Hübner

Klinik-Chefs glauben an Maschinen als bessere Ärzte

Sind Roboter in Zukunft die besseren Ärzte? Viele Klinikchefs glauben das.

© ANNECORDON/ iStock/ Thinkstock

HANNOVER. Auch in der Medizin setzen Manager viel Hoffnung auf Maschinen: Zwei Drittel der Führungskräfte (67 Prozent) in Krankenhäusern gehen davon aus, dass Roboter im Operationssaal bald bessere Arbeit leisten werden als Ärzte. Sogar 20 Prozent von ihnen sind der Ansicht, dass dies in weniger als zehn Jahren passieren wird.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie "Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft", die im Auftrag der Personalberatung Rochus Mummert Healthcare Consulting erstellt wurde. Nach Angaben des Unternehmens wurden dafür 380 Führungskräfte an deutschen Kliniken befragt.

Nicht wenige unter den Befürwortern waren sogar noch optimistischer, was den Einzug der Roboter im OP angeht. Neun Prozent dieser Umfrageteilnehmer sagten, die Maschinen können den Menschen bereits in weniger als fünf Jahren ersetzen, und sieben Prozent sind der Ansicht, dass sie es bereits heute können.

Allerdings arbeiten OP-Roboter derzeitig vielerorts meistens als Handlanger der Chirurgen. So wurde auf der weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf kürzlich ein Roboterarm vorgestellt, der Biopsie-Nadeln schnell und vor allem punktgenau platzieren kann.

Ärzten wird auf diese Weise ein Teil ihrer Arbeit erleichtert. In Zukunft könnte der Roboter vom Assistenten zum Kollegen befördert werden.

"Vertrauen ist positives Signal"

"Bei urologischen Operationen arbeiten Krankenhäuser seit Jahren mit Robotik. Ihr Vertrauen auf die Möglichkeiten der Technik ist ein positives Signal", kommentiert Dr. Hartmut Mueller, Studienleiter und Partner im Stuttgarter Büro von Rochus Mummert Healthcare Consulting, den Optimismus der Klinik-Führungskräfte.

"Diese Offenheit gegenüber ‚Kollege Roboter‘ wird helfen, die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft voranzutreiben."

Allerdings zeigt die Studie ebenfalls, dass es durchaus Skeptiker in den Chefetagen der Krankenhäuser in Deutschland gibt. Immerhin ein Drittel der Befragten ist noch davon überzeugt, Maschinen würden niemals besser operieren als Ärzte (33 Prozent).

Können Roboter auch Pfleger?

Etwas verhaltener sind die Befragten auch dann, wenn es um die Frage geht, ob ein Roboter künftig einen Pfleger ersetzen kann. Ein Drittel der Chefs (37 Prozent) geht davon aus, dass Roboter künftig die besseren Pflegekräfte sein werden. 27 Prozent erwarten dies allerdings erst in mehr als einer Dekade.

Mueller: "In Deutschland sind Pflegeroboter Zukunftsmusik, der japanische Markt ist in dieser Hinsicht schon weiter." So wird in Japan etwa die Entwicklung von Pflegerobotern jährlich mit Millionenbeträgen vom Staat gefördert (wir berichteten).

Potenzial in der Verwaltung

Ein besonders hohes Potenzial für die Digitalisierung und Automatisierung sehen die befragten Führungskräfte in der Verwaltung und Diagnostik mit 84 beziehungsweise 75 Prozent, gefolgt von der stationären Versorgung (57 Prozent).

In diesen Bereichen dürften sich ihrer Erwartung nach auch die Arbeitsabläufe in den kommenden fünf bis zehn Jahren am stärksten ändern. "Unsere Studie zeigt, dass die Gesundheitswirtschaft zunehmend bereit ist, digitale Herausforderung anzunehmen", resümiert Mueller.

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