Ärzte Zeitung, 13.06.2017

Prothetik

Uni-Ausgründung vermarktet Knochenersatz aus dem Drucker

Das Münchner Start-up Mecuris will mit individuellen Prothesen und Orthesen aus dem 3-D-Drucker bei Ärzten und Orthopädietechnikern punkten. Aufträge werden online angenommen.

Von Barbara Schneider

Uni-Ausgründung vermarktet Knochenersatz aus dem Drucker

Manuel Opitz (rechts) und Simon Weidert wollen mit ihrer Firma Mecuris die Prothesenanfertigung beschleunigen. © Barbara Schneider

MÜNCHEN. Simon Weidert, der an der Universitätsklinik in München als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie arbeitet, klappt seinen Laptop auf. Er startet ein Video: Auf dem Bildschirm ist ein mechanischer Dauerlasttest für Fußprothesen zu sehen. Eingespannt in eine Maschine, werden dabei Schritte simuliert. Zwei Millionen Bewegungszyklen müssten die Prothesen aushalten, erzählt der Arzt. Der Test war für Weidert und seine Mitstreiter vom Münchner Start-up Mecuris ein wichtiger Meilenstein. Seit März dieses Jahres sind ihre 3-D-gedruckte Prothesenfüße CE-zertifiziert, entsprechen also der EU-Verordnung 765/2008 zufolge den europäischen Anforderungen an die Produktsicherheit.

Mercuris entstand vor gut einem Jahr als Spin-Off des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Gründer haben eine Internetplattform entwickelt, über die Orthopäden und Orthopädietechniker für ihre Patienten 3-D-gedruckte Prothesen oder Orthesen bestellen können. "Wir wollen Patienten, die beispielsweise ein Bein verloren haben, mit individuell angepassten Prothesen versorgen", so Mecuris-Geschäftsführer Manuel Opitz.

Die Jungunternehmer haben ein eigenes Verfahren entwickelt: Online können Ärzte oder Orthopädietechniker zunächst ein digitales Patientenbild hochladen. Eine Software erzeugt daraus eine 3-D-Anatomie des Patienten. Schließlich entwirft ein Algorithmus Form und Gestalt der Prothese. Gedruckt wird die Prothese am Ende in einem 3-D-Druckzentrum – entweder in Stuttgart oder Nürnberg.

Der 3-D-Druck bietet viele Möglichkeiten, erklärt Manuel Opitz. Der besondere Vorteil: Die Prothesen lassen sich schneller herstellen und individuell anpassen. Gipsabdrücke müssen nicht mehr genommen werden, stattdessen macht der Orthopädietechniker einen 3-D-Scan. Das geht wesentlich schneller, versichert Opitz. Bis eine 3-D-gedruckte Prothese ausgeliefert wird, dauert es rund eine Woche. Und die Gründer wollen noch schneller werden. Opitz: "Unsere Vision sind 48 Stunden". Auf eine herkömmliche Prothese warten Patienten üblicherweise schon mal zwei bis drei Monate.

Mithilfe der 3-D-Technologie lassen sich unter anderem Fuß- oder Oberschenkelprothesen sowie Orthesen zur Stabilisierung der Halswirbelsäule oder Cover für Unterschenkelprothesen herstellen. Und was dem Mecuris-Geschäftsführer besonders wichtig ist: "Wir kosten nicht mehr als herkömmliche Prothesen." Die Prothesen und Orthesen sind seinen Angaben zufolge erstattungsfähig. Patienten müssten keine Zuzahlungen leisten. Seit die Gründer im Mai ihre Internetplattform freigeschaltet haben, hätten sich bereits 70 Leistungserbringer aus 30 Ländern registriert, berichtet Opitz. Die Anzahl der Mecuris-Mitarbeiter sei von anfangs sechs auf inzwischen 15 gestiegen.

Ausgesprochen stolz sind Opitz und Weidert auch auf ihren 3-D-gedruckten Kinderfuß. "Für Kinder ist es wichtig, dass sie früh Laufen lernen", sagt Opitz. Eine schnelle und frühzeitige Versorgung sei für Kinder, die eine Prothese benötigen, deshalb entscheidend. Dazu gehört seiner Einschätzung nach aber auch, dass Kinder die Prothese akzeptieren. Und die Akzeptanz sei nun mal höher, wenn die Prothese kindgerecht gestaltet sei, beispielsweise rosa mit Pferdchen drauf. Dieses und andere individuelle Designs seien mithilfe des 3-D-Drucks problemlos umzusetzen.

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