Ärzte Zeitung, 06.07.2016

MVZ

Praxismanagerin hält Ärzten den Rücken frei

Hohe Fallzahlen sorgen im MVZ für Stress. Praxismanagerinnen helfen, bei Abrechnung, HzV und mehr den Überblick zu wahren.

FORCHTENBERG. Auch in Baden-Württemberg gibt es Regionen, in denen die Zahl der klassischen Landarztpraxen rückläufig ist. In Forchtenberg im Nordosten des Landes stellt das MVZ Hohenlohe die hausärztliche Versorgung sicher. Das MVZ ist Akademische Lehrpraxis der Universität Heidelberg, Teilnehmer des Programms der VerbundweiterbildungPlus und Partner des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin (siehe Beitrag oben).

Da es in der Gegend kaum noch Landärzte gibt, umfasst das Einzugsgebiet des MVZ viele Kilometer im Durchmesser und reicht bis nach Öhringen. Hausbesuche werden auch von Medizinischen Fachangestellten (MFA), die sich zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH) weitergebildet haben, ausgeführt.

Um insbesondere in Praxen mit hohen Fallzahlen einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, beschäftigen immer mehr niedergelassene Ärzte eine speziell ausgebildete Praxismanagerin. Im MVZ Hohenlohe sorgt die MFA Ilona Schneider dafür, dass alles rund läuft und kein Patient bei der Einschreibung in die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) übersehen wird. Der Grund, so Schneider: "40-50 Euro Fallwert bei der Kassenärztlichen Vereinigung im Vergleich zu 70 bis 80 Euro in der HzV, das hat auch was mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes zu tun."

Um sich als Praxismanagerin bezeichnen zu können, braucht man eine berufsbegleitende Ausbildung mit einem Zertifikat der IHK, betont Schneider. Als Praxismanagerin ist sie zuständig für das nichtärztliche Team, das aus etwa 15 MFA besteht, aber auch für die Kontrolle der Abrechnungen sowie dafür, dass die Praxisabläufe gut funktionieren. Wichtig ist ihr, dass die Mitarbeiterinnen im Team gegenüber den Patienten "eine positive Haltung ausstrahlen", betont sie.

Zu ihren Aufgaben gehört auch die tägliche Überprüfung, ob alle erbrachten Leistungen richtig und vollständig abgerechnet sind, so Schneider. Damit nichts vergessen wird, hängen in allen Behandlungszimmern Merkzettel mit den entsprechenden Abrechnungsziffern für KV und HzV. Und für das Team gibt es selbst erarbeitete Checklisten, die zeigen, was zu tun ist, wenn ein Patient kommt. "Jeder Pilot hat eine Checkliste, warum sollen die Arzthelferinnen nicht auch Checklisten haben", fragt Schneider.

"Zwei Drittel unserer Patienten sind in Hausarztprogrammen eingeschrieben", berichtet die Praxismanagerin. Um die Einschreibezahlen zu erhöhen, muss man das Heft selbst in die Hand nehmen. "Bei uns wird an der Anmeldung praktisch jeder neue Patient angesprochen und über die Vorteile informiert", erklärt Schneider. Der HzV-Vorteil einer kontinuierlichen Betreuung - auch durch Hausbesuche - sei für viele Patienten das ausschlaggebende Argument. Formulare und entsprechendes Informationsmaterial liegen griffbereit am Tresen.

Etwa 80 Prozent der Patienten schreiben sich sofort ein. Wer es sich noch überlegen will, bekommt einen Vermerk in der elektronischen Patientenakte und wird dann auch vom Arzt angesprochen. Wie wichtig die Einschreibung von Patienten in die HzV ist, sollte aber eben auch dem Team klar sein, erläutert Schneider. "In den Team-Besprechungen, die alle vier Wochen stattfinden, setzen wir uns deshalb auch Ziele, welche Marke wir als nächstes knacken wollen." Und für diejenigen, die besonders viele Patienten einschreiben, gibt es als Ausdruck der Wertschätzung auch mal einen Tankgutschein. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, wie das Beispiel von Maria Durina zeigt. Sie ist im MVZ zuständig für die Anmeldung sowie Fortbildungs- und Notfalldienstbeauftragte. Durina ist eine von mehreren Mitarbeiterinnen, die schon so manchen Gutschein in Empfang nehmen konnten. (sto)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »