Ärzte Zeitung online, 27.09.2013

Ärztezentrum Rendsburg

Auf der Suche nach Synergieeffekten

Gemeinsamer Einkauf, gemeinsames Marketing und eine einheitliche Terminverwaltung - das sind nur drei Ziele, die Dr. Christopher Leptien als Geschäftsführer des neuen Ärztezentrums Wallstraße in Rendsburg hat.

Von Dirk Schnack

Auf der Suche nach Synergieeffekten

Ansprechende Fassade: das Ärztezentrum Wallstraße in Rendsburg.

© Dirk Schnack

RENDSBURG. Ein neues Ärztezentrum konzentriert in Rendsburg rund 20 Ärzte aus acht Fachrichtungen und weitere Gesundheitsberufe an einem Standort.

Der Patientenandrang ist groß - jetzt soll sich auch die Kooperation unter den Praxen langsam entwickeln.

"Synergien kann man nicht anordnen. Wir müssen ein Wir-Gefühl entwickeln, das geht nicht innerhalb von zwei Monaten", sagt Dr. Christopher Leptien.

Der Geschäftsführer des neuen Ärztezentrums Wallstraße hat Ideen, wie die Praxen enger kooperieren könnten.

Gemeinsamer Einkauf, gemeinsames Marketing und einheitliche Terminverwaltung sind nur einige davon. Bevor das umgesetzt werden kann, müssen die Mieter des neuen Ärztezentrums sich erst einmal "finden", wie Leptien sagt.

Im Fokus steht zunächst das Zusammenwachsen der Ärztegemeinschaft

Seit Eröffnung im Sommer arbeiten mehr als 20 Ärzte an dem Standort in zwei benachbarten Ärztehäusern. Weil auch neue Kooperationen dabei waren - aus drei Einzelpraxen mit verschiedenen Standorten wurde etwa eine Dreier-Gemeinschaftspraxis - hatten einige Ärzte zunächst intern eine Neu-Organisation zu bewältigen.

Im Laufe der kommenden Monate setzt Kaufmann Leptien nun auf ein stärkeres Zusammenwachsen der Ärztegemeinschaft, um die Größe in Synergieeffekte umsetzen zu können.

Der Patientenandrang entspricht schon kurz nach der Eröffnung den Erwartungen. Rund 1000 Patienten kommen täglich in das Zentrum in der Wallstraße, das eine HNO-ärztlichen Belegklinik mit 13 Betten beherbergt und Flächen an acht Fachrichtungen, eine Apotheke und einen Hörgeräteakustiker vermietet hat.

Zu den Investoren zählen die beiden HNO-Ärzte Dr. Florian Bosse und Prof. Stefan Gottschlich, zwei Apotheker, Leptien und ein Geschäftsmann aus Rendsburg, der nebenan ein Bekleidungsgeschäft betreibt.

Damit haben alle sechs Gesellschafter Interesse an einer hohen Frequenz im Ärztezentrum. Zusammen haben sie acht Millionen Euro in die beiden Häuser investiert.

Ärzte als Investoren

Geplant war das in diesem Umfang zunächst nicht. Die Ärzte der HNO med.Nord, einem Zusammenschluss von Ärzten an sechs Standorten in Schleswig-Holstein, wollten eine neue Belegklinik errichten und neue Praxisräume unter einem Dach schaffen.

"An unserem alten Standort in Rendsburg überstieg die Nachfrage die räumlichen Kapazitäten", berichtet Bosse. Der aus der Speditionsbranche kommende Leptien übernahm Suche und Aufbau des neuen Standortes, für den schnell weitere Interessenten hinzukamen.

Dabei war es nach seiner Einschätzung hilfreich, dass Ärzte als Investoren auftraten. Geplant war zunächst nur ein Ärztehaus. Nachdem ein parallel dazu geplantes Projekt anderer Investoren nicht in der ursprünglichen Form realisiert werden konnte, bekundeten weitere Ärzte ohne die sonst übliche Akquise ihr Interesse.

So entstand hinter dem Ärztehaus ein weiteres Gebäude fast als "Abfallprodukt" und der Standort Wallstraße ist seitdem der Anlaufpunkt für Patienten in Rendsburg.

Dabei wirkt sich neben dem breiten ärztlichen Angebot (HNO-Praxen und Klinik, Oralchirurgie, Pädiatrie, Allgemeinmedizin, Radiologie, Gynäkologie, Urologie, Pneumologie) auch die Lage mitten in der Innenstadt und das Parkdeck auf der gegenüberliegenden Straßenseite positiv aus.

Terminbündelung soll Patienten zweite Anfahrt ersparen

Der Patientenandrang ist auch auf das Umland zurück zu führen. Viele Patienten kommen aus angrenzenden Kleinstädten und versuchen, Arzttermine in verschiedenen Praxen in der Wallstraße zu bündeln.

Die Praxen bemühen sich, dabei zu helfen. "Wenn ein HNO-Patient einen Termin beim Zahnarzt braucht, versuchen wir das ohne zweite Anfahrt für ihn zu terminieren", sagt Bosse.

Allein in der HNO-Praxis hat der Patientenandrang nach seinen Angaben im ersten Vergleichsquartal zum Vorjahr in der alten Praxis um 20 Prozent zugenommen.

Die Praxis, zuvor mit vier Ärzten besetzt, arbeitet deshalb mit zwei zusätzlich angestellten ärztlichen Halbtagskräften.

Das Zentrum ist inzwischen nicht nur für Patienten ein Magnet. Auch weitere Ärzte haben ihr Interesse an Flächen bekundet - beide Ärztehäuser sind aber belegt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »