IV-Verträge

Ärztenetze können in Pflegeheimen punkten

IV-Projekte zur Betreuung von Patienten in Pflegeheimen bieten gerade Ärztenetzen Chancen, sich für alle Seiten gewinnbringend einzubringen, so eine zentrale Botschaft auf dem 9. Kongress der Gesundheitsnetzwerker in Berlin.

Von Marco Hübner Veröffentlicht:

BERLIN. Verträge zur Integrierten Versorgung von Patienten in Pflegeeinrichtungen sind nicht immer ohne Tücken: Der Aufwand, den zeitintensive Bereitschaftsdienste verursachen, schreckt viele niedergelassene Ärzte ab. Das ist fatal, denn der Einsatz von Niedergelassenen in Heimen senkt die Zahl der Krankenhauseinweisungen, lautete vor Kurzem das Fazit auf dem 9. Kongress der Gesundheitsnetzwerker in Berlin.

IV-Projekte zwischen Ärzten, Kassen und stationären Pflegeeinrichtungen stehen laut Experten häufig auf tönernen Füßen. Selbst Ärzte, die zunächst leidenschaftlich an die Projekte glaubten, zögen sich zurück. Grund seien die zeitlichen Belastungen, die die Ärzte in der Praxis der Verträge erfahren müssten.

Die in solchen IV-Projekten enthaltenen Regelungen für Mediziner müssten überdacht werden, hieß es in Berlin. "Verträge werden auf der Verwaltungsebene erstellt und dann den Ärzten vorgelegt", sagte Jürgen Flohr, Allgemeinmediziner aus Leipzig. Besser sei es, wenn die Leistungserbringer die jeweiligen Vereinbarungen mitgestalten könnten. Dann käme es nicht zu Vorgaben, die ein Arzt am Ende nicht erfüllen kann.

Außerbudgetäre Vergütung kein richtiger Trost

Die außerbudgetäre Vergütung, die bei Selektivverträgen nach Paragraf 140a SGB V winke, sei da kein richtiger Trost. Die ständige Erreichbarkeit sei ein merklicher Einschnitt in die Lebensqualität, berichtete Flohr, der selbst Teilnehmer an einem solchen Pflegeprojekt ist.

Ein schlechter Ausgangspunkt für die Kassen, die diese Projekte mit finanzieren: "Die größte aktuelle Herausforderung für uns ist es, Ärzte mit ins Boot zu holen", sagte Sabine Hochstedt, Teamleiterin der Pflege-Versorgungsprojekte der AOK Nordost. Dabei brächten Projekte, wie CarePlus der AOK, für die Pflegebedürftigen Verbesserungen. Ein Indikator dafür seien die Krankenhauseinweisungen. Diese hätten sich, so Hochstedt, um bis zu 25 Prozent senken lassen - im Vergleich zu Einrichtungen ohne diese Versorgungsprojekte.

Die kontinuierliche medizinische Versorgung senke die Kosten, zum Beispiel dadurch, dass Klinikaufenthalte und Fahrtkosten entfielen. Eine besonders große Tortur sei dies für Patienten mit demenziellen Störungen. Sie hätten in der neuen Krankenhaus-Umgebung zudem eine erhöhte Sturzgefahr.

Ärztenetze haben Joker im Ärmel

Arbeitsteilung bei Bereitschaftszeiten, Visiten in den Einrichtungen, Besprechungen und Schulungen von Pflegepersonal seien die Joker der Ärztenetze in diesem Pflegespiel. All diese Aufgaben können sie auf mehrere Schultern verteilen.

"Mit den Netzen klappt die Zusammenarbeit gut", wusste Michael Uhlig zu berichten. Er ist Leiter der Entgelte und Vertragswesen der CURA Seniorenwohn- und Pflegeheime Dienstleistungs GmbH, die etwa 50 Standorte in der Bundesrepublik unterhält. Seiner Erfahrung nach klappe die gemeinsame Arbeit in den Modellprojekten zwischen Ärzten und Pflegenden, wenn

eine pragmatische Organisation und stringente Kommunikation mit der Einrichtung geleistet wird,

Koordinationsbereitschaft im Ärzteteam vorhanden sei, am besten, wenn es im Netz einen Koordinator für die Heimverträge gebe,

ein "Kümmerer" beim Kostenträger bereit stehe, der eventuelle Kostenprobleme und -fragen klären könne,

die Ärzte genug Zeit für Abstimmungsprozesse mit Pflegern haben und in der Versorgung der Pflegebedürftigen mindestens die festgelegte Regelzeit verlässlich stemmen können,

die Versorgung lokalspezifisch, das heißt nach den jeweiligen Bedingungen der Mitarbeiter und Patienten in der Einrichtung, organisiert wird,

Lehrvisiten für das Pflegepersonal organisiert werden.

Für die Ärzteteams lohne sich die Arbeit beispielsweise durch die Planbarkeit der Einkünfte. Für die Heimbewohner werde der Arzt durch die regelmäßige Arbeit zum Vertrauten.

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