Ärzte Zeitung, 29.10.2014

Kinzigtal

Vom IV-Projekt zum Präventionsmotor

Das Versorgungsmodell "Gesundes Kinzigtal" ist für seine innovativen Ideen bekannt. Nun setzt es noch eins oben drauf und baut ein eigenes Bewegungs- und Trainingszentrum.

Vom IV-Projekt zum Präventionsmotor

Trainingseinheiten, die medizinisch begleitet werden – so lautet das Konzept der Gesundheitswelt Kinzigtal.

© R. Kneschke / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Bereits im Jahr 2006 startete das regionale integrierte Versorgungsmodell "Gesundes Kinzigtal". Seither hat sich in dem Gesundheitsnetz in Südbaden einiges getan.

15 Versorgungsprogramme für Versicherte mit verschiedenen Krankheitsbildern wie Osteoporose oder Herzinsuffizienz wurden bislang aufgelegt.

Gerade auch innerhalb dieser Programme haben die Initiatoren und Ärzte des Netzwerks festgestellt, wie wichtig ergänzende Trainings- und Bewegungsprogramme für die Patienten sind.

In Hausach soll daher nun eine ganze "Gesundheitswelt Kinzigtal" entstehen.

2,6 Millionen werden investiert

Das neue multifunktionale Gesundheitszentrum soll nicht nur ein Trainings- und Bewegungszentrum bieten. Es wird auf seinen 1300 Quadratmetern auch eine allgemeinmedizinische Praxis, Seminarräume für eine Gesundheitsakademie sowie die Geschäftsstelle der Gesundes Kinzigtal GmbH beherbergen.

Eigentümer des neu erworbenen Gebäudes, das ab Frühjahr 2015 umgebaut werden wird, ist die Gesundes Kinzigtal GmbH. Und sie wird die 2,6 Millionen Euro, die der Kauf des Gebäudes und dessen Umbau mindestens kosten wird, durch Eigenmittel und Bankkredite finanzieren.

Interessant ist dabei, dass ein Drittel der Summe durch Eigenmittel finanziert wird.

Damit reinvestiere die Gesundes Kinzigtal GmbH ihre Erträge in die Gesundheit der Bevölkerung und in die Versorgung der Region, so Ulf Werner, Pressesprecher der OptiMedis AG, die neben dem Ärztenetz MQNK Mitbegründer des "Gesunden Kinzigtals" ist.

Größtenteils Selbstzahlerleistungen

Die Leistungen des Trainings- und Bewegungszentrums sind allerdings nicht nur den Versicherten der beiden Vertragspartner-Kassen - also der AOK Baden-Württemberg und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) - vorbehalten.

Sie sollen der gesamten Bevölkerung vor Ort offenstehen. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Selbstzahlerleistungen, einige Leistungen werden auch von den Kassen oder Rentenversicherungsträgern übernommen.

Die eingeschriebenen Mitglieder von "Gesundes Kinzigtal" erhalten laut Werner allerdings vergünstigte Konditionen.

"Wir gehen damit über den Kreis unserer bisherigen Krankenkassenpartner hinaus und öffnen die Trainings-, Bewegungs- und Schulungsangebote in der Gesundheitswelt für alle Bürger", sagt Helmut Hildebrandt, Vorstand OptiMedis AG und Geschäftsführer Gesundes Kinzigtal GmbH.

Individuelles Training

"Die Besonderheit ist die zielgerichtete Ansprache schon in den Praxen und die medizinisch begleiteten individualisierten Trainingslösungen, deren Wirkung wir dort auch sorgfältig evaluieren werden."

Davon, dass es für das Zusatzangebot den nötigen Bedarf in der Region gibt, scheint auch Martin Wetzel, Facharzt für Allgemeinmedizin im benachbarten Hornberg, überzeugt: "Ich sehe bei meinen Patienten noch viel nicht genutztes Optimierungspotenzial, das durch zusätzliche, gut geplante Bewegungsangebote aktiviert werden kann."

Medikamente blieben eine wichtige Säule in der Therapie, so der Vorsitzende des Kinzigtaler Ärztenetzes MQNK. "Wir wollen sie aber mit der Gesundheitswelt durch gleichgewichtige Säulen im Bereich von Bewegung, Krafttraining, Entspannung und Selbstmanagement ergänzen."

Die Eröffnung der Gesundheitswelt Kinzigtal ist übrigens für Dezember 2015 geplant. (reh)

[29.10.2014, 11:28:20]
Dr. Ilona Köster 
Beispiel für Innovationen
Gerade aktuell wird wieder viel über Innovationen im Gesundheitswesen gesprochen, da die Politik den Innovationsfonds plant. Da stellt sich die Frage, ob das "Gesunde Kinzigtal" ein Modell für gute Gesundheitsversorgung ist. Unbestritten ist das Modell erfolgreich für Patienten, teilnehmende Ärzte und Krankenkassen - was an sich schon bemerkenswert genug ist. Es zeigt auch, wie typische Probleme unseres Gesundheitswesens - chronische Krankheiten in einer ländlichen und damit prinzipiell von Unterversorgung bedrohten Region - gut gelöst werden können. Es zeigt aber auch, dass diese Erfolge nur durch ständiges Dranbleiben und Kümmern zu erzielen sind, nicht durch inhaltlich oberflächliche und honorarorientierte Verträge. Dieses fortlaufende Bemühen sollte auch bei der Entscheidung des GBA für oder gegen Innovationsprojekte wichtiges Entscheidungskriterium sein - genauso wie eine strikte Orientierung am Patientennutzen. zum Beitrag »
[29.10.2014, 11:28:19]
Dr. Ilona Köster 
Beispiel für Innovationen
Gerade aktuell wird wieder viel über Innovationen im Gesundheitswesen gesprochen, da die Politik den Innovationsfonds plant. Da stellt sich die Frage, ob das "Gesunde Kinzigtal" ein Modell für gute Gesundheitsversorgung ist. Unbestritten ist das Modell erfolgreich für Patienten, teilnehmende Ärzte und Krankenkassen - was an sich schon bemerkenswert genug ist. Es zeigt auch, wie typische Probleme unseres Gesundheitswesens - chronische Krankheiten in einer ländlichen und damit prinzipiell von Unterversorgung bedrohten Region - gut gelöst werden können. Es zeigt aber auch, dass diese Erfolge nur durch ständiges Dranbleiben und Kümmern zu erzielen sind, nicht durch inhaltlich oberflächliche und honorarorientierte Verträge. Dieses fortlaufende Bemühen sollte auch bei der Entscheidung des GBA für oder gegen Innovationsprojekte wichtiges Entscheidungskriterium sein - genauso wie eine strikte Orientierung am Patientennutzen. zum Beitrag »

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