Ärzte Zeitung, 16.12.2015

Praxisnetze

Ärzte in Nordrhein sind misstrauisch

Zwar hat die KV Nordrhein (KVNo) nach langem Zögern die Voraussetzungen für die Förderung von Praxisnetzen geschaffen. Diese fürchten nun aber eine restriktive Handhabung.

KÖLN. Schon lange schauen die nordrheinischen Ärztenetze neidisch auf ihre Kollegen in Westfalen-Lippe.

Während die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) die Netze aktiv unterstützt und inzwischen bereits 15 als förderwürdig anerkannt hat, haben sich die Netzärzte in Nordrhein bislang an der KVNo die Zähne ausgebissen.

Der Landesverband Praxisnetze Nordrhein-Westfalen (LPNRW) fürchtet, dass das auch künftig so weiter gehen könnte.

"Im Vergleich zu den Richtlinien der KVWL erscheinen die von der KVNo beschlossenen Regeln darauf angelegt zu sein, möglichst wenige Netze anerkennen zu müssen", schreibt der LPNRW-Vorsitzende Frank Westerhaus an seine Kollegen in Nordrhein.

So sei nicht nachvollziehbar, warum die Netzförderung in Nordrhein davon abhängig gemacht wird, dass die Praxen barrierefrei sind, sagt Westerhaus der "Ärzte Zeitung".

Die beiden Dinge hätten nichts miteinander zu tun. "Das ist eine Methode, mit der man die Blockade der Netze weiter vorantreiben will."

Misstrauisch macht ihn auch die Tatsache, dass die KVNo mit den Krankenkassen für 2015 zwar Gelder für die Netze ausgehandelt habe, die Förderung aber erst 2016 beginnt.

Das Geld stehe den Netzen also nicht zur Verfügung. "Und 2016 wird es weniger geben als in Westfalen-Lippe", kritisiert er.

Der LPNRW forderte alle nordrheinischen Ärztenetze auf, so schnell wie möglich einen Antrag auf Anerkennung bei der KVNo einzureichen.

Auch Nicht-Mitgliedern bietet der Verband dabei Unterstützung an. "Wir werden alles genau beobachten und die Trommel schlagen, wenn etwas falsch läuft", betont Westerhaus.

Um ihren Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, werden die Praxisnetze in Nordrhein und Westfalen-Lippe bei den KV-Wahlen im kommenden Jahr mit eigenen Listen antreten, kündigt er an. "Unsere Leute müssen aktiv werden, wenn sie etwas ändern wollen."

Die KVNo weist die Vorwürfe zurück. "Bei der Ausgestaltung der Richtlinien haben wir uns eng an die Vorgabe der KBV angelehnt", sagt der Vorsitzende Dr. Peter Potthoff.

Die Behauptung, das Vorgehen der KVNo sei an zentralen Punkten strenger als das der KVWL oder sogar darauf angelegt, weniger Netze anerkennen zu müssen, kann er nicht nachvollziehen.

"Die in 2015 von den Krankenkassen für die Netzförderung zur Verfügung gestellten Mittel werden von uns an anerkannte Netze ausgezahlt", betont Potthoff.

Kein Geld gehe verloren. "Die Netze, die bisher bereits formlose Anträge gestellt haben, werden von der KV Nordrhein auf das Vorgehen explizit hingewiesen und im weiteren Verfahren begleitet." (iss)

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