Ärzte Zeitung, 22.12.2015

Zahnärzte

Kooperationen eröffnen neue Erlösquellen

Bei den Vertragszahnärzten gibt es einen starken Trend zu mehr intersektoralen Kooperationen. Auch die Zahl angestellter Zahnärzte nimmt zu. Das geht aus dem Jahrbuch 2015 der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung hervor.

Von Matthias Wallenfels

Kooperationen eröffnen neue Erlösquellen

Zahnärztliche Behandlung: Viele Zahnärzte gehen auch auf Hausbesuch, insbesondere in Pflegeheime.

© Adam Gregor/Fotolia.com

BERLIN. Vertragszahnärzte setzen vermehrt auf die Kooperation mit Altenpflegeheimen. Hintergrund ist, dass mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG) im Rahmen des Paragrafen 87 Abs. 2j SGB V seit 1. April vergangenen Jahres mit der 172a-d und 154/155 zwei neue Abrechnungspositionen in den Kassen-Bema gefunden haben, dem EBM-Analogon für Zahnärzte.

Diese vergüten das Aufsuchen von Versicherten in Pflegeheimen, die pflegebedürftig sind, eine Behinderung oder eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen.

Wie aus dem jüngst veröffentlichten "Jahrbuch 2015 - Statistische Basisdaten zur vertragszahnärztlichen Versorgung" der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hervorgeht, kooperierten im vergangenen Jahr bereits 1708 Vertragszahnärzte mit Altenpflegeheimen.

Vertrag als Basis für Vergütung

Voraussetzung für die Abrechenbarkeit der Leistungen ist der Abschluss eines Kooperationsvertrages nach Paragraf 119 b SGB V zwischen einem Vertragszahnarzt und einer Pflegeeinrichtung.

Wie die KZBV betont, beziehen sich die neuen Leistungspositionen zunächst nur auf den bestehenden GKV-Leistungskatalog im Rahmen der aufsuchenden Betreuung durch die Vertragszahnärzte.

"Was immer noch fehlt, sind Leistungen, die auf den wesentlich größeren und spezielleren Versorgungs- und Präventionsbedarf von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen und eingeschränkter Alltagskompetenz ausgerichtet sind", moniert die KZBV.

Aber nicht nur bei intersektoralen Aktivitäten setzen die Vertragszahnärzte vermehrt auf Kooperation, wie aus dem Jahrbuch hervorgeht. So habe sich in der längerfristigen Betrachtung der Trend zur Praxiskooperation verfestigt.

Jede fünfte Vertragszahnarztpraxis 2013 sei in den alten Bundesländern eine Gemeinschaftspraxis - ab 2007 mit Inkrafttreten des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes (VÄndG) Berufsausübungsgemeinschaften - gewesen.

Der Wert für die neuen Bundesländer betrage 13 Prozent. 2014 gab es laut KZBV im vertragszahnärztlichen Bereich 25 Medizinische Versorgungszentren mit insgesamt 155 angestellten Zahnärzten.

Verlagerung in die Anstellung

Bei der Berufsausübung scheint sich immer mehr der Paradigmenwechsel hin zur Anstellung abzuzeichnen. So sei zwar die Zahl der an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmenden Zahnärzte in Deutschland 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent auf 52.859 zurückgegangen.

"Dieser Rückgang stellt allerdings keine Verschlechterung der vertragszahnärztlichen Versorgung dar", wie die KZBV verdeutlicht.

Er müsse viel eher vor dem Hintergrund des VÄndG gesehen werden, im Zuge dessen die Zahl der bei den Vertragszahnärzten angestellten Zahnärzte bis 2014 rapide auf 8720 angestiegen sei.

148.900 Euro KZV-Einkommen

Was die Einkommenssituation der Zahnärzte angeht, so weist die KZBV für 2013 einen Durchschnittswert von 148 900 Euro vor Steuern aus.

Die Daten beruhen auf der Kostenstrukturerhebung der KZBV bei den Zahnärzten. Nicht berücksichtigt sind hierbei Einnahmen aus privatzahnärztlichen Leistungen. Diese werden für die Vertragszahnärzte immer essenzieller.

So wies die Bundeszahnärztekammer in ihrem ebenfalls vor Kurzem veröffentlichten Statistischen Jahrbuch 2014/2015 für das Jahr 2012 für die alten Bundesländer einen Wert von durchschnittlich 237.827 Euro aus, den die Vertragszahnärzte mit Leistungen außerhalb des Bereichs ihrer Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) erreichten.

Im Osten seien die Praxisinhaber auf je 122.038 Euro gekommen.

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