Ärzte Zeitung, 19.06.2008

Stichtag 1. Juli - kommt die Software rechtzeitig?

Neue Anforderungen zum Quartalswechsel / Praxis-EDV-Hersteller stehen bei der KBV Schlange

NEU-ISENBURG (ger). Zum Stichtag 1. Juli müssen Vertragsärzte neu zertifizierte Software einsetzen. Bei den Herstellern wächst die Unruhe, ob der Termin einzuhalten ist.

Zurzeit stehen die Softwarehersteller bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Schlange. Bis zum 1. Juli müssen Vertragsärzte zum einen neu zertifizierte Software zur Umsetzung der Disease-Management-Programme einsetzen. Sie ist Voraussetzung dafür, dass die DMP-Dokumentationen elektronisch eingereicht werden können.

Zum anderen müssen die Arzneimitteldatenbanken und die Verordnungsmodule in den Praxisprogrammen einen neuen Stempel der KBV bekommen. Das Arzneimittelspargesetz (AVWG) sieht vor, dass Ärzte nur "manipulationsfreie Software" bei der Verordnung von Medikamenten einsetzen. Wer mit einer nicht neu zertifizierten Software arbeitet, kann von seiner Kassenärztlichen Vereinigung sanktioniert werden.

Die KBV sieht sich bei der Zertifizierung nach wie vor im Plan. "Das Zertifizierungsverfahren ist gut angelaufen. Den Zeitplan bis 1. Juli werden wir einhalten", heißt es bei der KBV auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Zum 1. Juli solle eine Liste der zertifizierten Programme im Internet auf der Website der KBV veröffentlicht werden.

Ob das alles noch rechtzeitig für den Update-Zyklus für den Quartalswechsel kommt, bezweifeln mittlerweile viele Softwarehäuser. Bis Anfang der Woche habe erst ein Softwarehaus die Zertifizierung bekommen, heißt es aus informierten Kreisen. Änderungen, die aufgrund der Sichtprüfung vorgenommen werden müssen, müssen noch programmiert, dann auf CD-ROM gepresst und schließlich an die Anwender verschickt werden.

Die KBV habe "viel zu spät" mit der Zertifizierung begonnen, ärgert sich zum Beispiel Jan Meincke vom Hersteller Medisoftware aus Kiel. Häuser mit mehr als 1000 Anwendern kämen schon jetzt in Schwierigkeiten, die Termine einzuhalten, wenn sie Programmteile ändern müssten.

Änderungen dürften bei fast allen Herstellern erforderlich sein. Auch der Hersteller Duria, der kein Pharma-Sponsoring betreibt, ist nicht ohne Beanstandung durch den Prozess gekommen, sagte Dr. Erich Gehlen von Duria zur "Ärzte Zeitung": "Das, was da geprüft wird, geht weit am Gesetz vorbei."

Die KBV definiere Pflichtfunktionen, aber selbst AMIS, die Arzneimitteldatenbank des Zentralinstituts, einer Tochter der KBV, erfülle nicht alle Anforderungen. Man habe die Zertifizierung jetzt bekommen, aber die nötigen Änderungen kämen voraussichtlich erst Ende Juli zu den Anwendern, so Gehlen.

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