Ärzte Zeitung, 25.06.2008

Chipkarte bringt Ärzten Zugriff auf Patientendaten

Privat organisiertes Projekt in Braunschweig / Verzicht auf das E-Rezept

BRAUNSCHWEIG (cben). Der Gesundheitsverbund Braunschweig (GVB) hat eine elektronische Gesundheitskarte in Eigenregie an den Start gebracht - nach zweijähriger Testphase.

Werbeplakat für das Kartenprojekt in Braunschweig. Für die Patienten soll die Kartennutzung bis auf eine Art Pfand kostenlos sein. Bild: GVB

"Wir haben die Karte am 18. Juni bei dem ATP-Tennistunier in Braunschweig vorgestellt und für sie geworben", sagt der Vorsitzende des Gesundheitsverbundes, Hausarzt Dr. Uwe Lorenz. Die G-Card genannte Karte ähnelt der elektronischen Gesundheitskarte, aber "sie hat ausschließlich die Funktion eines Schlüssels für medizinische Daten, die als Patientenakte auf einem Server liegen", so Lorenz. "Alle administrativen Daten bleiben wie gehabt auf der Versichertenkarte."

Die Notfalldaten auf der Karte und das elektronische Rezept spielen in dem GVB-Konzept keine Rolle. "Technisch unausgereift", sagt Lorenz knapp zum E-Rezept. Auch auf eine PIN hat man verzichtet. "Wenn die Kassen die PIN ausgeben, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die Gesundheitsdaten irgendwie für sie zugänglich wären", so Lorenz.

Wenn die eGK kommt, können die Ärzte schnell umrüsten

Bei der Braunschweiger Lösung händigen die Patienten ihrem Arzt die Karte einfach aus. Er hat dann für 90 Tage das Zugriffsrecht auf alle Änderungen der Daten. "Wenn die elektronische Gesundheitsakte kommt, kann man unser System ganz leicht umrüsten", sagt Lorenz.

An der zweijährigen Testphase waren 30 Praxen und 600 Patienten beteiligt. Mitmachen sollen jetzt zunächst möglichst alle 270 Kollegen des GVB. Vier Kliniken in Braunschweig und Umland haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert teilzunehmen. Nur das städtische Klinikum Braunschweig zögert noch. Die Verhandlungen aber laufen.

Zusammen mit der Softwarefirma Mednet hat der GVB die G-Card Managementgesellschaft gegründet. Auf ihrem Server lagern die Daten, geschützt durch ein virtuelles privates Netzwerk (VPN). Wer mitmachen will, muss allerdings investieren. "699 Euro brutto", heißt es bei Mednet, kostet die Software. Zudem sei ein neuer Rechner nötig. Mednet jedenfalls empfiehlt ein neues Gerät, um haftungsrechtliche Probleme auszuschließen, sollte das neue Programm einmal nicht laufen oder gar Schaden anrichten.

Die Mangementgesellschaft bietet Kollegen, die mitmachen wollen, ein Komplett-Paket an aus Software, Hardware und einer Lizenz für 50 Euro netto 36 Monate lang, erklärt Lorenz. Nach dieser Zeit ist dann nur noch die Lizenz von 30 Euro im Monat zu zahlen. 1800 Euro kostet also der Einstieg in das Modell.

Die Kollegen versprechen sich "vor allem den leichten Austausch von Patientendaten", sagt Lorenz. Der wirtschaftliche Nutzen stehe für die Kollegen im Hintergrund. "Wir könnten die wirtschaftliche Bedeutung auch gar nicht beziffern". Einsparungen für die Praxis könnten sich später ergeben, meint der Hausarzt. "Wenn endlich der Neurologe weiß, was der Patient beim Hausarzt verschrieben bekommen hat, kann er selbst gezielter und wirtschaftlicher verordnen."

Sponsoren aus der Region finanzieren die Karte

Die Karten selbst kosten zwei Euro pro Stück und finanzieren sich über Sponsoren aus der Region, erklärt Lorenz. Bei der Rekrutierung der Patienten werden die Ärzte entlastet. In allen teilnehmenden Praxen und bei den Sponsoren liegen Anmeldeformulare aus, die von den Patienten ausgefüllt und direkt an die Managementgesellschaft geschickt werden sollen.

Für ihre Teilnahme zahlen die Patienten einmalig 20 Euro, die bei Vertragskündigung zurückgezahlt werden. Damit möglichst viele Patienten mitmachen, hat der GVB mit dem Einzelhandel der Region Rabatte für Kartenkunden ausgehandelt und ein Gewinnspiel initiiert. "Ende 2008 wollen wir 50 000 eingeschriebene Patienten haben", sagt Lorenz.

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