Ärzte Zeitung, 05.03.2010

Notdienste lassen sich auch online abstimmen

Mit der Umorganisation der Bereitschaftsdienste in manchen KV-Gebieten wachsen mit der Zahl der Ärzte auch die organisatorischen Anforderungen. In der KV Niedersachsen haben die Ärzte jetzt die Möglichkeit, Dienste online abzustimmen. Das System funktioniert - und ist jetzt bei der TeleHealth während der CeBIT vorgestellt worden.

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Von Christian Beneker

HANNOVER . Seit die KV Niedersachsen (KVN) den Bereitschaftsdienst reformiert hat, haben die Kollegen ein Problem weniger und ein Problem mehr. Zwar müssen sie pro Quartal weniger Dienste schieben, aber die Organisation der Dienste wird komplizierter. "Die Online-Vernetzung der Bereitschaftsdienstteilnehmer über das KVN-Portal bietet hier eine sehr gute Hilfestellung", sagte Jan Niehoff von der KVN bei der TeleHealth während der CeBIT in Hannover. Es geht um die "Online-Bereitschaftsdienstplanung" (BD-online).

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,, Heute sehen wir uns zur Diensteverteilung nicht mehr. Aber die Organisation funktioniert. Dr. Thomas Carl Stiller Landarzt in Volpriehausen, Niedersachsen

Nach der Reform werden die Bereitschaftsdienstringe in Niedersachsen kontinuierlich vergrößert. Ihre Zahl ist seit 2005 von 332 auf derzeit 135 gesunken. Zugleich wird nach und nach für jeden Ring eine Bereitschaftsdienstpraxis eingerichtet, in der sich die Diensthabenden abwechseln. Bis zu 350 Kolleginnen und Kollegen teilen sich die Dienste in einem Ring. "Ich habe früher 14 Bereitschaftsdienste im Quartal gemacht, heute bin ich im Schnitt nur noch vier Mal pro Quartal an der Reihe", lobte Hausarzt Dr. Thomas Carl Stiller das System auf einem Workshop der KV Niedersachsen.

Allerdings werden Tausch, Ferien- und Wochenendregelungen jetzt wesentlich aufwändiger. "Früher saßen wir einmal im Quartal zusammen und haben Termine hin und her geschoben", so Stiller, "das geht jetzt nicht mehr so ohne weiteres. Deshalb steht BD-online im KVN-Portal."

Das KVN-Portal (www.kvn.de, "Mitgliederportal") bündelt weit mehr als nur eine Handvoll Anwendungen. Hier finden sich Patienteneinschreibesysteme, Formularbestellungen, QM-Fragebögen, Fortbildungszertifikate, die Online-Abrechnung und ein Programm namens Adaline, das hilft, wirtschaftliche Kennzahlen einer Praxis zu erheben und mit anderen Praxen zu vergleichen. Nicht zuletzt liegt im Portal auch die Online-Bereitschaftsdienstplanung.

Jeder Ring kann die Funktionen von BD-online nach eigenen Bedürfnissen gestalten, erklärte Projektmanager Niehoff von der KV Niedersachsen. "Es beginnt bei der schlichten Tauschbörse und endet beim Reportingsystem, das je nach Wunsch Dienstbelegungen einzelner Tage oder etwa Wochenenden berechnen kann."

Das System bietet auch - falls gewünscht - einen Gewichtungsschlüssel, der Wochenenddienste oder Dienste in der Ferienzeit anders bewertet und so für eine faire Verteilung der Dienste sorgt. Auf Wunsch versendet das System die Dienstpläne per Fax oder Mail. Für Vielbeschäftigte kann ein Erinnerungsservice per SMS eingerichtet werden. Außerdem ist ein Newsletter möglich.

Thomas Carl Stiller ist Landarzt im niedersächsischen Volpriehausen mit einer Zweigpraxis in Barterode. Sein Bereitschaftsdienstbereich hat eine Ausdehnung von 40 Kilometern. "Da wäre es sehr umständlich, wenn wir uns zur Diensteverteilung treffen würden", sagte Stiller, "heute sehen wir uns dazu nicht mehr. Aber die Organisation funktioniert."

Wer zum Beispiel tauschen will, gebe sein Gesuch ein und finde im Idealfall im System die passenden Partner. Wer in einem Jahr überzählige Dienste gemacht hat, erhält sie für das kommende Jahr automatisch angerechnet. Wer seinen Urlaub verschieben will, findet leichter die Lücke im Kalender. "Das System ist offen und ständig für alle Ärzte des Rings zugänglich. Es kann von uns Ärzten mitgestaltet werden", sagt Stiller, "und das ist für uns Freiberufler ein wichtiger Aspekt."

 

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