Ärzte Zeitung, 15.03.2011

Schweizer Ärzte halten sich in Sachen E-Health noch zurück

Die elektronische Befunddokumentation gehört zwar auch für schweizer Ärzte zur Tagesordnung. Ansonsten tun sich unsere Nachbarn aber eher schwer mit IT-Systemen.

NEU-ISENBURG (reh). Mit dem Thema E-Health hat nicht nur Deutschland seine Schwierigkeiten. Auch in der Schweiz reagiert die Ärzteschaft eher zögerlich. Wie das aktuelle Swiss eHealth Barometer zeigt, schätzen die Schweizer Ärzte das Potenzial von E-Health zwar als mittel bis hoch ein. Zu den treibenden Kräften gehören sie selbst aber eher nicht.

687 repräsentativ ausgewählte Ärztinnen und Ärzte, 21 E-Health-Verantwortliche auf Ebene der Kantone und 68 E-Health-Verantwortliche von Spitälern hat das Forschungsinstitut gfs.bern im Januar und Februar online befragt. Das Ergebnis wurde am 10. März bei den InfoSocietyDays 2011 vorgestellt.

Viele Spitäler haben schon einen Plan in der Schublade

Und überrascht aus deutscher Sicht wenig: E-Health wird vor allem in den Spitälern vorangetrieben. Bei deutlich mehr Spitälern - nämlich 81 Prozent - als im Vorjahr (68 Prozent) sei eine E-Health-Strategie vorhanden oder es seien E-Health Bestrebungen im Gang, so die Studienautoren. Als möglichen Grund führen die Autoren die anstehenden Reformen im Schweizer Gesundheitswesen an. So soll etwa die Spitalfinanzierung auf den Prüfstand und so genannte SwissDRG sollen eingeführt werden. Aber: Bei der Umsetzung der E-Health-Projekte steht man, so die Studie, vielerorts erst am Anfang. Nur eine Minderheit von rund einem Viertel der Spitäler beurteilt die Umsetzung als fortschrittlich.

Über ein Drittel der Ärzte sieht Potenzial in E-Health

Noch schlechter sieht es bei den Niedergelassenen aus: Hier sind nach Angabe der Umfrageteilnehmer gerade einmal 12 Prozent in der Umsetzung von E-Health-Konzepten weit fortgeschritten. Und dass, obwohl die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte (63 Prozent) durchaus glaubt, dass E-Health-Maßnahmen zu Verbesserungen im eigenen Arbeitsumfeld führen. Über ein Drittel der befragten Ärzte spricht den E-Health-Anwendungen sogar ein großes bis sehr großes Potenzial für Verbesserungen zu. Was Ärzte vor allem nutzen, sind die elektronische Befunddokumentation (46 Prozent), der elektronische Zugang zu Laborbefunden (40 Prozent) sowie Software-Systeme zur Unterstützung von Medikamentenverordnungen (30 Prozent). Gerade einmal ein Fünftel der Ärzte und nur 13 Prozent der Spitäler nutzt bereits die Überweisung von Patienten auf elektronischem Weg.

Auch die Nutzung von Telemedizin scheint in der Schweiz bislang eher unbeliebt zu sein: Lediglich 16 Prozent der niedergelassenen Ärzte und 37 Prozent der Spitäler erbringen auch medizinische Dienstleistungen via Telekommunikation.

Trotzdem wünschen sich 81 Prozent der Ärzte und 87 Prozent der Spitäler, dass der Einsatz von IT-Systemen in die medizinische Ausbildung integriert werden sollte. Und rund zwei Drittel der Ärzte sowie 89 Prozent der Spitäler sind der Meinung, dass der Einsatz von IT-Systemen die Qualität im Gesundheitswesen verbessert.

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