Ärzte Zeitung, 26.01.2012

Sichere Arzneitherapie erfordert Nachrüstung der EDV

Die Praxis-EDV könnte ein wichtiges Instrument für mehr Sicherheit in der Arzneitherapie sein. Doch dafür muss die Software nachgerüstet werden.

Von Eugenie Wulfert

BERLIN. Die Praxissoftwaresysteme müssten deutlich verbessert werden, um die Ärzte bei Arzneimittelverordnungen aktiv unterstützen zu können.

"Zurzeit ist Praxis-EDV überwiegend auf die Abrechnung ausgerichtet. Dabei könnten elektronische Systeme die Arzneimitteltherapiesicherheit entscheidend verbessern", sagte Professor Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, auf der Kooperationstagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) am Mittwoch in Berlin.

Deshalb hat sein Institut im Auftrag der KBV ein Lastenheft mit insgesamt 49 AMTS-Anforderungen an Praxis-Software entwickelt. So sollte die Software zuallererst spezifische Hinweise zu Patientenmerkmalen wie Alter, Geschlecht, Labor- und Vitalwerten enthalten. Diese Basisdaten müssten in allen Programmmodulen automatisch und jederzeit verfügbar sein.

Wichtig sei außerdem ein valider und aktueller Medikationsplan, der automatisch erstellt wird. Er sollte nach Ansicht des Experten nicht nur den Handelsnamen eines Medikamentes, sondern auch den Wirkstoffnamen, Indikation und Einnahmehinweise enthalten.

"So behält nicht nur der Arzt die notwendige Übersicht. Ein lesbarer Medikationsplan ist auch für Patienten sehr wichtig, damit sie wissen, welche Arzneimittel sie einnehmen sollen, wann und warum", sagte Gerlach.

Beste EDV kann nicht alle Probleme lösen

Risikoquellen seien außerdem die häufig nicht angepasste Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion und die potenzielle altersinadäquate Verordnung. Auch hier sollte das EDV-System den Arzt automatisch warnen können.

Aber auch das beste EDV-System könne nicht alle Probleme lösen. "Es ist in erster Linie Aufgabe der Ärzte, die Arzneimitteltherapie ihrer Patienten sorgfältig zu überwachen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen möglichst zu vermeiden", sagte KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller.

Deshalb hat die KBV zusammen mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Uni Frankfurt eine Broschüre für Vertragsärzte entwickelt. Die Schrift aus der Reihe "KBV PraxisWissen" soll Ärzte für das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit weiter sensibilisieren.

Deshalb geht sie laut Müller auf typische Probleme in jeder Phase des Medikationsprozesses ein, erklärt anhand von Fallbeispielen und gibt praxisgerechte Tipps.

Die Broschüre "Mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie" kann kostenlos per E-Mail an versand@kbv.de bestellt oder im Internet unter www.kbv.de/ais/12901.html abgerufen werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »