Ärzte Zeitung, 03.12.2012

Punkten beim Patienten

Tipps für die perfekte Praxis-Website

Für Ärzte gelten in Sachen Website zum Teil strenge Regeln. Trotzdem lässt sich mit geringen Mitteln ein werbewirksamer Internetauftritt bauen. Eine Webdesignerin und Ärztin gibt wertvolle Ratschläge.

Von Rebekka Höhl

Tipps für die perfekte Praxis-Website

Wie sieht eine gute Praxis-Website aus? Ärzte sollten sich hier ruhig Anregungen auf den Homepages anderer Praxen holen.

© Radu Razvan / iStockphoto

BAD ORB. Bei der Gestaltung der Praxis-Website können Ärzte viel richtig machen - aber auch einiges falsch. Und das nicht nur, weil sie bei der Werbung immer noch reglementiert sind.

Häufig tappen sie auch in die ganz klassischen Fallen der Website-Gestaltung. Wie sie diese vermeiden und auch noch ihre Website gut vermarkten, erklärte Dr. Christine Trutt-Ibing, selbst Ärztin, auf der practica in Bad Orb.

Trutt-Ibing, die in einer hausärztlich-internistischen Praxis mitgearbeitet hat, ist seit 2009 zusätzlich als freiberufliche Webdesignerin unterwegs und hat sich damit ein zweites Standbein aufgebaut. Auch, weil sie gemerkt hat, dass bei vielen Praxen hier noch Handlungsbedarf besteht.

So nennt sie auch gleich ein ganz zentrales Problem vieler Ärzte: "Sie meinen, den Internetauftritt so gestalten zu müssen, dass er die nächsten Jahre Bestand hat." Das sei aber weder notwendig noch möglich.

Warum? Weil sich das Internet und damit die Anforderungen laufend verändern. "Es ist daher sinnvoller, mit einer einfachen Lösung zu starten und sie mit der Zeit auszubauen, als vor lauter Planung gar nicht ins Netz zu gehen."

Komplizierte Websites schrecken ab

Arzt-online

Im Rahmen von e.Med bietet Springer Medizin Ärzten mit e.Praxis auch einen Baustein für die Gestaltung der Praxis-Webseite. Mehr dazu finden Sie unter www.springermedizin.de/arztonline

Aber ganz egal, wie viele Infos Praxen ins Internet stellen, sie sollten bei der Website-Gestaltung immer die Regel beachten, dass der Patient möglichst schnell an die gesuchten Infos kommt.

Mehr als zwei, drei Klicks sollten Website-Besucher nicht benötigen, um die gewünschten Infos zu erhalten. Das heißt, keine zu komplizierte Struktur- und Menüführung aufbauen.

Generell sollte es ein deutliches Menü auf der Website geben. Da Internetnutzer es gewohnt sind, die Menüleiste links oder oben in der Website zu finden, rät Trutt-Ibing Ärzten, an dieser bekannten Struktur festzuhalten.

Bevor es aber mit der Website-Gestaltung so richtig los geht, sollten Ärzte die Basics klären. Zunächst einmal benötigen sie eine Internetadresse, eine sogenannte Domain. Die können sie über ihren Internetdienstleister - den Provider oder Webhoster - anmelden lassen.

Letzterer ist vor allem deshalb wichtig, weil die Praxis für ihre Website einen Serverplatz benötigt, über den der Webauftritt auch rund um die Uhr abrufbar ist.

Dabei bieten Provider zusätzlich zum Speicherplatz für die Website meist noch verschiedene Datenbanken, E-Mail-Adressen und weitere Services an.

"Die Kosten liegen hier je Dienstleister und Umfang des Angebotes zwischen zwei und zehn Euro pro Monat."

Wer einen eigenen Webserver vorhält, kann sich über spezielle Agenturen seine Domain sichern. Dabei sollte die Web-Adresse aussagekräftig sein - also den Praxisnamen beinhalten.

Im Team diskutieren

Wichtig sei, dass die Praxen darauf achten, dass der Domainname wirklich auf sie selbst und nicht den Anbieter angemeldet wurde. "Sonst lässt sich bei einem Anbieterwechsel der Name nicht mitnehmen." Und das ist gerade aus Marketing- und Bekanntheitsgründen unschön.

Die Ärztin und Webdesignerin rät außerdem davon ab, die ganze Aktualisierung der Website in die Hände von Bekannten zu legen. Denn wenn die irgendwann das Interesse verlieren, muss sich das Praxisteam plötzlich allein einarbeiten.

Aber auch, wenn man sich für die Website-Pflege einen externen Anbieter sucht, sollte man darauf achten, dass man bei Vertragsende weiß, wie man Inhalte bearbeitet.

Deshalb gehört zur Vorbereitung des Webauftritts auch, dass man im Team diskutiert, ob man selbst aktualisieren will und wer sich federführend darum kümmert bzw. sich bei externer Betreuung mit einarbeiten lässt.

Dabei gibt es laut Trutt-Ibing Content Management Systeme (CMS), mit denen sich recht leicht die Inhalte der Website bearbeiten lassen. Einige davon sind sogar kostenlos.

Trutt-Ibing führte es auf der practica vor: Das kostenfreie Programm JoomlaTM funktioniert ganz ähnlich wie Word und gängige Web-E-Mail-Programme. Texte werden eingegeben, kurz bearbeitet, alles wird gespeichert und schon ist das Ergebnis auf der Website zu sehen. Hier sollten Ärzte keine Berührungsängste haben.

Allerdings: "Damit die Website dauerhaft und sicher funktioniert, müssen regelmäßige Programm-Updates eingespielt werden." Es gibt auch fertige Website-Baukästen, die bereits ein CMS beinhalten.

Auch an mobile Endgeräte denken

Der nächste Schritt wäre: "Holen Sie sich Anregungen für Ihre Praxis-Website", so die Webdesignerin. Etwa indem die Ärzte sich Webauftritte anderer Praxen ansehen, aber eben auch ganz gezielt ihre Patienten befragen. Denn genau diese - sowie potenzielle Patienten - sollen die Website ja später nutzen.

Außerdem schade es nicht, sich gleich vorab zu überlegen, ob die Website auch für mobile Endgeräte wie Smartphones nutzbar sein soll. "Diese Frage wird immer wichtiger", so Trutt-Ibing. "Eine für Smartphones optimierte Website kostet aber natürlich auch mehr."

Für die Inhalte der Website gilt ganz klar: Hier müssen Ärzte das Berufsrecht und das Heilmittelwerbegesetz (HWG) beachten. Demnach ist vor allem eine anpreisende Werbung verboten.

Krankengeschichten dürfen seit einer Neuerung des HWG - anonymisiert - wiedergegeben werden, so lange sie nicht abstoßend oder irreführend sind. Das Verbot, mit Bildern zu werben, sei durch die Novellierung des HWG zwar gelockert worden. "Verboten sind jedoch weiterhin Vorher-/Nachher-Bilder bei Schönheitsoperationen", erklärte Trutt-Ibing. Ebenso gelte noch immer das Fernbehandlungsverbot.

Vorsichtig sollten Ärzte auch mit Patientendiskussionsforen sein. "Als Betreiber des Forums ist der Arzt für alles, was im Forum steht, verantwortlich."

Wer seinen Patienten ein Kontaktformular auf der Website anbietet, müsse zudem eine Datenschutzerklärung veröffentlichen, über die die Nutzer erfahren, wie mit ihren Daten verfahren wird und wie diese gespeichert werden.

Ansonsten dürfen Praxen schon sehr viel beim Online-Marketing. Sie können und sollten ihr Leistungsspektrum sowie die Zugehörigkeit zu Praxisverbünden angeben, aber etwa auch sachliche Informationen zu Krankheitsbildern, Untersuchungsmethoden und anderen Gesundheitsthemen im Web veröffentlichen.

Letzteres ist laut Trutt-Ibing sogar nahezu ein Muss, wenn man in Suchmaschinen wie Google regelmäßig in oberer Position gelistet werden will - sofern die Infos auch regelmäßig aktualisiert werden.

Und natürlich sollten Ärzte Links zu Bewertungsportalen, in denen sie sich angemeldet haben, oder zu Twitter einbinden.

Umfangreiche Websites sollten zudem ein Suchfeld haben. "Kleinere Websites mit vier, fünf Unterseiten brauchen das nicht."

Rund um die Praxis-Website

Hilfreiche Inhalte

Mit diesen Website-Inhalten punkten Praxen: Sprechzeiten, Leistungsspektrum, Hinweis auf Notdienst, Anamnese- und Aufklärungsbögen zum Download, Veranstaltungshinweise (z.B. zu Schulungen, Kursen), Videos, Podcasts und Grafiken zu Gesundheitsthemen

Kosten

Mit Kosten von 1500 bis 2000 Euro müssen Ärzte für eine professionell gestaltete Website rechnen, so die Erfahrung der Ärztin und Webdesignerin Dr. Christine Trutt-Ibing. Damit habe die Praxis dann einen Webauftritt mit zehn bis zwölf Unterseiten und professionell geschossenen Fotos. Und gerade auf Letzteres sollten die Praxen wert legen. "Das ist Ihr Aushängeschild im Internet", so Trutt-Ibing. Viele Webbesucher würden von der Bildqualität auf die Kompetenz des Arztes schließen. Für Schmuckbilder können Praxen auf Online-Fotoagenturen wir fotolia oder pixelio zurückgreifen.

Kartenmaterial

Die Lage der Praxis auf einer Karte darzustellen, ist ein guter Service. Solche Karten dürfen aber nicht einfach kopiert werden, sondern sie sind häufig urheberrechtlich geschützt. Kostenloses Kartenmaterial erhält man unter maps.google.com oder bei www.openstreetmap.de.

Suchmaschinen

Wer bei Suchmaschinen wie Google in den oberen Rängen gelistet werden will, sollte regelmäßig Inhalte aktualisieren und diese ordentlich in Text und Überschriften strukturieren, ›darauf achten, dass jede Unterseite einen guten Seitentitel hat (im Reiter oben in der Website zu sehen - etwa "Leistungsspektrum Praxis Muster" für die Unterseite mit dem Leistungsspektrum, oder für Gesundheitsthemen etwa "Akupunktur").›Strategische Schlagworte verwenden und für eine gute Verlinkung etwa zu Arztsuch-Portalen sorgen.

Wichtige Links

Impressumgeneratoren: www.e-recht24.de, www.net-and-law.de

Content-Management-Systeme: www.joomla.de, www.typo3.org

Checklisten für den Webauftritt: www.aekn.de/arztspezial/infos-fuer-klinik-and-praxis, www.cti-webkonzepte.de

Rechtliche Informationen: www.baek.de (Musterberufsordnung), www.gesetze-im-internet.de (Telemediengesetz, Heilmittelwerbegesetz)

[03.12.2012, 07:46:53]
Klaus-Dieter Thill 
Die Authentizität entscheidet über den Website-Erfolg
Langsam, aber kontinuierlich erkennen immer mehr Ärzte die Bedeutung und vor allem das Potential von Praxis-Internetauftritten (http://bit.ly/YbSaEe ) zur Unterstützung ihrer Praxisarbeit. Für die Page-Gestaltung gibt es eine Vielzahl von Tipps und Hinweisen. Doch wie die fertige Homepage von Nutzern beurteilt wird, ist nie Gegenstand einer Analyse (http://bit.ly/PCgPYL ). Dabei hängt hiervon ganz entscheidend der Erfolg ab, denn die Schlüsselgröße des "Internet-Erfolgs" ist die Authentizität (http://bit.ly/QgL3Rq ). Nur wenn sie stimmig ist, werden aus Nutzern Patienten. zum Beitrag »

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