Ärzte Zeitung, 25.03.2013

Test in Düren

Elektronischer Arztbrief ist praxistauglich

Der elektronische Arztbrief aus Düren ist in der Praxis angekommen. Nach den Sommerferien soll das System etabliert werden.

Von Ilse Schlingensiepen

Elektronischer Arztbrief ist praxistauglich

Wichtig für die Akzeptanz des im Test befindlichen elektronischen Arztbriefs war die Stapelsignatur.

© Siemens / digitalstock

DÜSSELDORF. In Nordrhein machen sich niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser daran, eine Schwachstelle in der Patientenversorgung zu beheben.

In Düren testen sie ein elektronisches Verfahren für das Einweisungs- und Entlassmanagement.

Bewährt sich das System, soll es im ganzen Rheinland ausgerollt werden und möglichst Nachahmer in anderen Regionen finden.

"Schreckliche Situation"

Angesichts der zunehmenden Vernetzung im Gesundheitswesen müssen sich auch die Kommunikationsstrukturen verbessern, sagte Dr. Peter Potthoff, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) auf einer Informationsveranstaltung seines Hauses.

Er verwies auf das Beispiel der Warenwirtschaft, auch wenn es "despektierlich" erscheinen könne: Während Waren mit Warenbegleitpapieren auf die Reise gingen, fehle ein Pendant für den Weg der Patienten durch die verschiedenen Stationen der Versorgung.

"Was die Patienten betrifft, ist die Situation nur als schrecklich zu bezeichnen", sagte er.

Um das zu ändern, haben sich die Akteure im gemeinsamen Landesgremium zur Sektor übergreifenden Versorgung bereits darüber verständigt, welche Informationen an der Schnittstelle ambulant/stationär übermittelt werden sollen, berichtete Potthoff.

Effizientes System der Dokumentation benötigt

Die Weitergabe von Informationen dürfe nicht dem Zufall überlassen bleiben, betonte die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). "Wir brauchen ein koordiniertes, abgestuftes System der Dokumentation, das effizient ist und unnötige Kosten vermeidet."

Gerade an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär sei der Handlungsbedarf groß.

"Wir haben einen Bereich in den Blick genommen, in dem die Versorgungsbrüche massiver sind als in anderen Bereichen", sagte Steffens. Die Unterstützung durch die IT sei wichtig, es dürfe sich aber nicht um Insellösungen handeln.

KVNo bereit

Dem Einweisungs- und Entlassmanagement kommt nach Ansicht von Jochen Brink mit Blick auf die demografische Entwicklung wachsende Bedeutung zu.

"Ich glaube, dass gerade im Bereich Arzneimittel-Therapiesicherheit noch enormes Potenzial liegt", sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW.

Wichtig sei, dass die Beteiligten jetzt mit der Umsetzung der Vorarbeiten aus dem Landesgremium anfingen und nicht erst auf Richtlinien warteten.

In Düren sind bislang rund 20.000 elektronische Arztbriefe verschickt worden, berichtete Gilbert Mohr, Leiter der KVNo-Stabsstelle IT in der Arztpraxis. Die beteiligten Ärzte und Kliniken im "Versuchslabor" der KVNo seien bereit, das elektronische Überleitungsmanagement nach den Sommerferien zu etablieren.

Wie beim Arztbrief versenden sie dabei signierte PDF/A-Dokumente. Hinzugefügt ist ein strukturiertes XML-Dokument im Standard des VHitG-Arztbriefs. "Damit kann man Informationen herausnehmen und im Praxisverwaltungssystem weiterverarbeiten", sagte Mohr.

Benutzerfreundlich muss es sein

Dem ärztlichen Kurzbericht zur Einweisung oder dem Entlassbefund können die Ärzte Unterlagen wie Ultraschallbilder oder Laborwerte beifügen. Wichtig für die Akzeptanz des Verfahrens sei die Arbeit mit einer Stapelsignatur. "Wir können bis zu 60 Arztbriefe mit einer sechstelligen PIN unterschreiben."

Die Anwenderorientierung sei entscheidend für die Verbreitung eines solchen Systems, bestätigte Matthias Meierhofer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Gesundheits-IT. "Es muss benutzerfreundlich sein, sonst wird es nicht angewendet."

Zudem müsse der Nutzen erkennbar sein. Ihn sieht Meierhofer beim elektronischen Arztbrief und damit auch dem elektronischen Überleitungsmanagement in vielen Faktoren: dem Wegfall von Medienbrüchen, verbesserten Kooperationsmöglichkeiten, der Bereitstellung strukturierter Daten für Mit- und Nachbehandler, der beschleunigten Kommunikation, der Reduzierung von Übertragungsfehlern, dem verbesserten Schutz der Daten und der Rechtssicherheit durch die qualifizierte digitale Signatur.

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