Ärzte Zeitung, 09.08.2013

Digitale Patientenakte

Ärzte hadern mit dem "E"

Mehr als zwei Drittel der niedergelassenen Ärzte könnten bereits auf Klinikdaten zugreifen. Aber gerade einmal 39 Prozent nutzen diese Möglichkeit im Praxisalltag auch, zeigt eine Studie.

Von Matthias Wallenfels

paxeakte-AH.jpg

In Deutschlands Praxen wird die elektronische Patientenakte fast überall genutzt.

© flydragon/shutterstock.com

KRONBERG/TAUNUS. Healthcare-IT hat in deutschen Praxen und Kliniken einen hohen Verbreitungsgrad. Haus- und Fachärzte zeigen sich zwar offen für die Einrichtung einer elektronischen Patientenakte (ePA), hadern aber hauptsächlich mit den Kosten.

Ist sie einmal vorhanden, würden die Mediziner ihren Patienten gerne zumindest einen gewissen Zugriff einräumen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine nicht repräsentative Befragung von Haus- und Fachärzten in acht Ländern im Auftrag der Unternehmensberatung Accenture.

3700 Mediziner aus Deutschland, Australien, Großbritannien, Frankreich, den USA und Kanada (je 500 Ärzte) sowie Singapur (200 Ärzte) seien befragt worden.

Mehr als 90 Prozent arbeiten mit ePA

Wie die Länderanalyse für Deutschland, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt, ergibt, nutzen 93 Prozent der befragten Haus- und Fachärzte bereits die ePA im Praxisalltag. 77 Prozent von ihnen gaben an, über die ePA Zugang zu klinischen Daten über Patienten zu haben, die zur Untersuchung in einer anderen Gesundheitseinrichtung waren.

Allerdings machen nur 39 Prozent davon regelmäßig Gebrauch, 14 Prozent nutzten die Möglichkeit gelegentlich, fünf Prozent selten. 16 Prozent gaben an, an der Einsichtnahme der Patientendaten anderer Einrichtungen kein Interesse zu haben. 28 Prozent spielten mit dem Gedanken, die vorgehaltenen Daten zu nutzen.

Enttäuscht wurden ursprüngliche Erwartungen der befragten Mediziner, durch den Einsatz der Gesundheits-IT würden sich Effizienzreserven im Praxisalltag heben lassen.

Im Vergleich zur Erhebung vor zwei Jahren, gaben nur noch 35 Prozent der Ärzte an, der Patientendurchsatz pro Tag habe sich mit IT-Einsatz erhöht. 2011 stimmten dieser Aussage noch 53 Prozent zu.

44 Prozent gaben an, durch Healtcare-IT die Kosten für die eigene Praxis drücken zu können, 2011 stimmten dieser Aussage noch 63 Prozent der befragten Mediziner in Deutschland zu.

Patientenzugriff nur restringiert?

Ist dieser Umstand einer mangelnden Vernetzung der beteiligten Heilberufler zuzurechnen? "Ärzte nutzen IT, wenn sie eine Effizienzsteigerung in ihrem Arbeitsumfeld unmittelbar spüren", kommentiert Dr. Sebastian Krolop, Arzt und Geschäftsführer für die Beratung im Gesundheitswesen bei Accenture in Deutschland, die Situation.

"Doch müssen alle Beteiligten des Gesundheitswesens größer denken und ihre Daten vernetzen. Erst dann können bedeutende Effizienzpotenziale im gesamten System gehoben und vor allen die Behandlungsqualität für den Patienten verbessert werden", schiebt Krolop nach.

Mit 66 Prozent wünschen zwei Drittel der Haus- und Fachärzte in Deutschland, dass Patienten Zugriff auf die ePA haben sollten, im weltweiten Schnitt sind dies 85 Prozent.

In Deutschland sprechen sich aber nur zwölf Prozent der Befragten für einen vollständigen Zugriff auf die Daten durch die Patienten aus. 54 Prozent favorisieren den restringierten Zugriff, 34 Prozent würden sie ihren Patienten am liebsten gar nicht öffnen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kostenkiller im Tarnanzug

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »