Ärzte Zeitung, 17.07.2015

Praxissoftware

Ohne Update aufgeschmissen?

Ob bei DMP, Abrechnung oder dem Rezeptdruck - seit Anfang des Monats gelten für Vertragsärzte einige Neuerungen, die auch Auswirkungen auf die Praxissoftware haben. Die KBV rät daher, das Quartals-Update zügig einzuspielen. Gleichzeitig tut sich eine neue Sicherheitslücke auf.

Von Rebekka Höhl

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Die Spielregeln in der vertragsärztlichen Versorgung ändern sich regelmäßig. Das geht auch an der Praxissoftware nicht spurlos vorbei. Mindestens einmal im Quartal müssen Ärzte ein Update einspielen.

© vege / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Das Quartals-Update fürs Praxisverwaltungssystem (PVS) erst einmal in die Schublade legen und beobachten, ob es bei Kollegen auch nicht zu größeren Problemen geführt hat?

Das sollten zumindest Ärzte, die sich an Disease-Management-Programmen (DMP) beteiligen, beim aktuellen Update besser nicht tun. Denn zum 1. Juli ist die Dokumentationssoftware von gleich vier bundesweiten DMP aktualisiert worden.

Betroffen sind die DMP Asthma bronchiale, Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD), Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 sowie Koronare Herzkrankheit (KHK), wie die KBV berichtet.

Entlastung bei neuen Rezept-Regeln

Dabei fallen nicht nur einige Parameter, die bislang dokumentiert wurden, weg. Viel wichtiger ist, dass infolge eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses (zur Zusammenführung der Anforderungen an strukturierte Behandlungsprogramme) neue Parameter hinzugekommen sind und einige Parameter konkreter formuliert wurden.

Beim DMP Diabetes wurden etwa die Parameter eGFR und Injektionsstellen neu eingeführt, beim DMP-KHK der Parameter LDL-Cholesterin.

"Damit Ärzte alle ab 1. Juli geforderten Parameter dokumentieren können, muss die Praxissoftware aktualisiert werden", schreibt die KBV sehr deutlich in einer Information für die Praxen.

Für einigen Stress mit den Apotheken haben zudem die - ebenfalls seit Juli geltenden - neuen Formvorschriften bei Arzneimittelrezepten gesorgt.

Wie berichtet, müssen Ärzte nun auf den Rezepten die Telefonnummer der Praxis sowie ihren Vor- und Nachnamen angeben. Fehlt die Angabe, kommen die Rezepte postwendend an die Praxis zurück, weil die Apotheker befürchten, von den Kassen retaxiert zu werden.

Dabei können die Ärzte die neuen Angaben über ihre EDV automatisch aufdrucken lassen. In vielen Praxisverwaltungssystemen könnten die Einstellungen für den Rezeptdruck entsprechend geändert werden, so die KBV.

Die Praxen müssen das allerdings händisch tun, eine Pflicht zur Änderung über das Quartals-Update besteht für die Software-Hersteller nicht.

Neuerungen im EBM beachten

Ebenfalls selbst Hand anlegen müssen die Praxen bei den Neuerungen im EBM, die der Bewertungsausschuss noch Ende Juni beschlossen hat. Diese Änderungen sind für die Abrechnung zwar seit 1. Juli in Kraft.

Hier fehlte den Software-Häusern aber einfach die Zeit, die Systeme entsprechend anzupassen. Das betrifft etwa die Möglichkeit der Ärzte, nun neben dem Hausbesuch ihrer nichtärztlichen Praxisassistentin (NäPA) auch ein Langzeit-EKG abzurechnen (wir berichteten).

Also neben den EBM-Ziffern 03062 und 03063 die Ziffer 03322 anzusetzen. Das war bislang nicht erlaubt und wurde daher auch von der Praxis-EDV automatisch ausgeschlossen.

Die Software müsse es den Ärzten jedoch gestatten, sich über Regeln und Ausschlüsse, die das Praxisverwaltungssystem bei der Verwendung von EBM-Ziffern vorgibt, hinwegzusetzen, stellt die KBV klar.

Und: Die Praxen müssten ebenso die Möglichkeit haben, neue EBM-Ziffern zu erfassen und abzurechnen.

Auf Praxen, die an der Qualitätssicherungsvereinbarung Hörgeräteversorgung Kinder teilnehmen, kommt zudem eine Neuerung bei der Verschlüsselung der zu übertragenden Behandlungsdaten zu.

Das Schlüsselpaar für eben jene Datenverschlüsselung musste laut KBV ausgetauscht werden. Dies passiert - nach Vorgabe des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) - in regelmäßigen Abständen, damit die neuesten technischen Sicherheitsbedingungen auch eingehalten werden können.

Der Austausch der Schlüssel sollte vollautomatisch innerhalb der Software laufen. Bei Problemen rät die KBV, sich an den Software-Anbieter zu wenden.

Sicherheitsrisiko bei Java 7

Schnelles Handeln ist für Nutzer von Java-Anwendungen angesagt - nämlich dann, wenn ihr System noch mit der Version 7 oder gar Version 6 arbeitet. Bereits seit April bietet der Anbieter der Java-Technologie, die Firma Oracle, keine Updates mehr für Java 7, für die Version 6 schon länger nicht mehr.

Mit der Java-Technologie soll eigentlich ein und dasselbe Programm problemlos auf verschiedenen Computersystemen laufen können. Dabei besteht die Technologie aus drei Bausteinen: der Programmiersprache Java; dem Entwicklungswerkzeug (Java Development Kit), das etwa Bibliotheken enthält, und der Java-Laufzeitumgebung (eine Plattform, über die die entwickelten Programme ausgeführt werden).

Durch die nun fehlenden Updates entsteht bei den älteren Versionen eine Sicherheitslücke. Ärzte werden laut KBV bei der Verwendung der KBV-Prüfmodule innerhalb der Praxissoftware mit einem Warnhinweis auf die Sicherheitslücke bei Java 7 hingewiesen.

Unter Java 6 stellt die KBV die Funktionsweise ihrer Prüfmodule generell nicht mehr sicher. In diesem Fall sollten sich Ärzte schnellst möglich mit ihrem Software-Anbieter in Verbindung setzen.

Eigentlich sollten die Praxis-EDV-Häuser auch nicht mehr mit den alten Java-Versionen arbeiten und längst auf Java 8 umgestellt haben.

Denn, wie die KBV schreibt, hat sie "die Softwarehäuser frühzeitig" informiert. Und auch der Java-Anbieter Oracle hat bereits vor Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass er die Updates für Java 7 einstellt.

[18.07.2015, 19:58:29]
Carl Scherer 
Das derzeitige KBV-Prüfmodul läuft nur mit Java 7
Das ist es ja eben . Völlig veraltet .
Wenn man Java 8 installiert hat , läuft weder
die Abrechnung noch der DMP-Manager.
Ein Wechsel zu Java 8 soll erst im 4.Quartal
erfolgen laut Fa. medatixx. zum Beitrag »

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