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Selbstorganisierte Infoveranstaltungen bringen nach Ansicht von Dr. Hans-Jürgen Lange und Dr. Markus Bolczek kaum neue Vorsorgepatienten. Werbewirksamer sind Fortbildungsveranstaltungen für Zuweiser und vor allem: zufriedene Patienten.

Von Antonia von Alten

Internist Dr. Markus Bolczek will Schwellenängste abbauen. Deshalb steht er im Einkaufszentrum den Passanten Rede und Antwort.

Internist Dr. Markus Bolczek will Schwellenängste abbauen. Deshalb steht er im Einkaufszentrum den Passanten Rede und Antwort.

© Foto: Klaus Braungart

Der Arbeitstag von Dr. Hans-Jürgen Lange und Dr. Markus Bolczek ist lang. Von 7.30 Uhr bis 18.30 sind die beiden nonstop im Einsatz in der Internistenpraxis in Neu-Isenburg. Trotzdem: Zwei Termine haben sich die beiden in den letzten Wochen freigehalten: Die Vorstellung des "begehbaren Darms", der auf Initiative der Felix Burda Stiftung, der KV Hessen und dem Qualitätsnetz Gastroenterologie einen Tag lang im Frankfurter Hauptbahnhof aufgebaut wurde (wir berichteten), und eine Infoveranstaltung "Dem Darmkrebs auf der Spur", die der Pharmakonzern Roche gemeinsam mit der Stiftung Lebensblicke im nahegelegenen Einkaufszentrum organisiert hatte.

Mehrere Stunden lang standen Lange in Frankfurt und Bolczek in Neu-Isenburg für Fragen rund um das Thema Darmkrebs zur Verfügung "Das unverbindliche Gespräch mit einem Arzt nimmt beim Thema Darmkrebsvorsorge vielen Menschen die Schwellenangst", so Bolczek.

In den vergangenen Jahren hatten die Neu-Isenburger Internisten sich mit Kollegen aus dem Nachbarort Langen zusammengetan und zu zwei Info-Abenden zum Thema Darmkrebs in die Praxen eingeladen. Der Zulauf war gut: 140 Besucher erschienen. "Aber nur fünf von ihnen haben anschließend einen Termin für eine Vorsorgekoloskopie ausgemacht", berichtet Lange ein wenig resigniert. Das entspricht der Erfahrung, die er in den vergangenen Jahren mit selbstorganisierten Events gemacht hat: Vor einigen Jahren hatten die Internisten sogar die Festhalle in Neu-Isenburg gemietet. Aber auch dort seien, so Lange, nur sehr wenige Teilnehmer später in die Praxis gekommen.

Podiumsdiskussionen, Telefonaktionen, Anzeigen in Zeitungen - Dr. Lange hat mit seinen Kollegen schon einiges an Aktionen für die Vorsorgekoloskopie unternommen. Mittlerweile stellt er fest: "Selbstorganisierte Großveranstaltungen bringen relativ wenig."

Die Internisten fahren deshalb in Sachen Öffentlichkeitsarbeit zweigleisig: Zum einen beteiligen sie sich an zentralen Veranstaltungen der Felix Burda Stiftung, der Stiftung Lebensblicke oder des Qualitätsnetzes Gastroenterologie Hessen, dem sie angehören. Daneben versuchen sie, die zuweisenden Hausärzte verstärkt zu motivieren, Patienten für die Vorsorgekoloskopie zu ihnen zu überweisen. Einmal im Jahr laden sie zu einer CME-Fortbildungsveranstaltung in die Praxis ein. Die Resonanz ist gut: Etwa 40 bis 50 Ärzte aus der Region kommen regelmäßig dazu.

Zwischen den Fachvorträgen weisen Lange und seine Kollegen auch immer wieder darauf hin, dass es sich auch für Hausärzte, Urologen, Gynäkologen oder Dermatologen rechnen kann, Patienten über die Darmkrebsvorsorge aufzuklären. Schließlich können sie über die EBM-Ziffer 01740 bei Patienten über 55 Jahren rund zehn Euro extrabudgetär abrechnen.

Die beste Öffentlichkeitsarbeit leisten jedoch nach Bolczeks Ansicht zufriedene Patienten: "Unser Ziel ist es, die Patienten zu Aposteln zu machen" - für die unbeliebte Vorsorgekoloskopie. Ein Verwandter oder Arbeitskollege, der für die Untersuchung wirbt, sei die beste Werbung.

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