Donnerstag, 24. April 2014
Ärzte Zeitung, 24.01.2013

Praxis-Website

Die große Angst vor dem Staatsanwalt

Die Internet-Präsenz ist für die Praxis die wichtigste Marketing-Maßnahme. Dem stimmen sieben von zehn Praxischefs zu - auch wenn sie selbst gar keine Praxis-Homepage haben. Der Grund: Angst.

Von Dirk Schnack

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Werbung hilft - wenn man die Grenzen kennt.

© Izabela Habur / iStockphoto.com

HAMBURG. Die Widersprüchlichkeit in Einstellung und Umgang vieler Ärzte mit dem Thema Praxis-Marketing ist das hervorstechende Resultat der aktuellen Studie "Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2012" der Hamburger Stiftung Gesundheit.

An der Online-Befragung nahmen 799 Ärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten teil. So wird Marketing zwar von mehr als der Hälfte für wichtig oder sogar sehr wichtig gehalten.

Ein eigenes Budget dafür haben jedoch gerade mal knapp 14 Prozent der Befragten eingerichtet.

Oder: Viele Praxisinhaber verzichten wegen vermeintlicher Rechtsunsicherheiten auf eine eigene Praxis-Website - obwohl nur jeder elfte befragte Arzt mit eigener Website wegen deren Inhalte schon einmal abgemahnt wurde.

Kommerzialisierung wird abgelehnt

Ein Viertel der befragten Niedergelassenen steht Marketing grundsätzlich ablehnend gegenüber, ein weiteres Viertel zeigt sich in dieser Frage unentschlossen. Ein Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit denen der Vorjahre zeigt, dass Ärzte bei der Beurteilung der Wichtigkeit von Marketingmaßnahmen extrem schwanken.

Die Studienautoren der Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse (GGMA) führen dies auf den Einfluss makropolitischer Rahmenbedingungen, Standespolitik, Finanzlage im Gesundheitswesen, aber auch auf die individuelle Wahrnehmung zurück.

Unter dem Strich aber beobachten sie eine Mehrheit an Ärzten, die Marketing für wichtig erachten. Sie kommen zugleich zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Praxis noch immer eher konservativ führen und eine systematische Kommerzialisierung ablehnen.

Laut Studie hat fast jeder zweite niedergelassene Arzt in Deutschland derzeit keine eigene Praxis-Website. Am häufigsten begründen die Ärzte ihren Verzicht damit, keine Werbung nötig zu haben (52,5 Prozent).

Auch rechtliche Unsicherheiten beim Erstellen und Pflegen einer Praxis-Website sind für rund 23 Prozent ein Grund, sich nicht im Internet zu präsentieren.

Jedoch geben 90 Prozent der Ärzte, die über eine Praxis-Homepage verfügen, an, noch nie eine Abmahnung wegen eines mutmaßlichen Rechtsverstoßes ihrer Website erhalten zu haben.

8,7 Prozent wurden einmal abgemahnt, 0,5 Prozent mehrfach. Ein weiterer Grund, auf eine Praxis-Homepage zu verzichten, sind die Kosten (22 Prozent).

Ambivalente Haltung

Trotz der hohen Anzahl von Ärzten ohne Praxis-Website halten fast 71 Prozent die Internetpräsenz für die wichtigste Marketingmaßnahme, gefolgt vom Praxispersonal (59 Prozent) und Visitenkarten (45 Prozent).

Die Internetpräsenz steht in dieser Rangfolge seit Jahren an der Spitze. Ziel der Ärzte ist es, mit Marketing Patienten über das eigene Leistungsspektrum zu informieren und neue Patienten zu gewinnen. Ein Drittel der Befragten nennt das Motiv "Geld verdienen".

Zunehmend geben Ärzte auch an, dass Marketing von den Patienten wohl erwartet werde. "Hier zeigt sich ein großes Potenzial für Unzufriedenheit, denn offenbar fühlen sich die entsprechenden Ärzte nicht von guten Gründen intrinsisch motiviert, sondern von außen gedrängt", heißt es in der Studie.

Mehr als ein Drittel der Befragten hat mit Marketingmaßnahmen Individuelle Gesundheitsleistungen flankiert, weitere zwölf Prozent haben dies noch vor.

Die Studienautoren sehen mit den Ergebnissen ihre Einschätzung bestätigt, dass Ärzte in Sachen Marketing zurückhaltend bleiben und ein Großteil von ihnen sich ambivalent verhält: "wissend, dass es ohne kaum geht, aber gleichzeitig dem Instrumentarium skeptisch gegenüberstehend."

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