Ärzte Zeitung, 19.10.2011

In Deutschland boomt die Teilzeit

Ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland arbeitet Teilzeit - Tendenz steigend. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt.

BERLIN (reh/dpa). In Sachen Teilzeitarbeit sind die Deutschen innerhalb der Europäischen Union Spitzenreiter.

In den letzten zehn Jahren sei hierzulande die Zahl der Teilzeitkräfte um 40 Prozent gestiegen und habe sich damit stärker als in der Gesamt-EU ausgebreitet, berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin mit Verweis auf seinen aktuellen Wochenbericht.

Dort hat das DIW Arbeitsmarktstatistiken, unter anderem von der europäischen Statistikbehörde Eurostat, miteinander verglichen und ausgewertet.

Anteil der Teilzeitbeschäftigen auf 26 Prozent gestiegen

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten stieg demnach von 19 auf 26 Prozent. Den EU-Durchschnitt von derzeit 19 Prozent Teilzeitanteil (rund 16 Prozent im Jahr 2000) übertrifft Deutschland danach deutlich.

Dabei handelt es sich nach Angaben des DIW keinesfalls um einen kurzfristigen Trend: Ungefähr ein Viertel aller Erwerbstätigen arbeite heute in Teilzeit. Anders als bei den Vollzeitstellen lasse sich in Deutschland bei der Entwicklung der Teilzeitjobs keine Beeinflussung durch den generellen Konjunkturverlauf beobachten.

"Stukturwandel auf dem Arbeitsmarkt"

"Dies lässt auf einen robusten Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt schließen", sagt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Für diese Annahme spreche auch, dass sich Teilzeitarbeit immer mehr auf Personengruppen mit mittlerer Qualifikation oder Hochschulabschluss ausweite.

Der Anteil der Geringqualifizierten sei seit dem Jahr 2000 sogar leicht zurückgegangen. Gleichwohl habe von den Erwerbstätigen ohne Berufsausbildung ein besonders großer Teil - knapp die Hälfte - keine Vollzeitstelle.

Beschäftigungszuwachs wegen Teilzeitarbeit

Zudem ist laut DIW der Beschäftigungszuwachs in den letzten zehn Jahren - in diesem Zeitraum sei in Deutschland die Zahl der Erwerbstätigen deutlich gewachsen - allein durch einen Zuwachs der Teilzeitarbeitsplätze zustande gekommen. Denn innerhalb desselben Zeitraumes habe sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland kaum erhöht.

 Jeder fünfte Betroffene gab an, nur mangels einer Vollzeitstelle Teilzeit zu arbeiten. Ein Viertel der Teilzeitjobber würde gern länger arbeiten.

Als Hauptgründe für die Teilzeittätigkeit wurden neben fehlenden Vollzeitstellen die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen sowie Ausbildung genannt.

Zahl der Männer in Teilzeit hat besonders stark zugenommen

Interessant ist, dass die Zahl der Männer mit reduzierten Arbeitszeiten laut DIW besonders stark zugelegt hat. Dennoch liegt der Anteil der Teilzeitkräfte bei Frauen bei 45 Prozent, bei Männern bei 10 Prozent.

Und: Im europäischen Vergleich sei der Unterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland immer noch so groß wie in kaum einem anderen Land, erklärt das DIW.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »