Ärzte Zeitung online, 30.09.2013

Gesundheit im Betrieb

Wunsch versus Realität

Von ihrem Arbeitgeber erhoffen sich viele Arbeitnehmer Maßnahmen zur Gesunderhaltung. Das zeigt die aktuelle Continentale-Umfrage. Aber: Die Angebote spielen bei der Arbeitgeberwahl nur eine untergeordnete Rolle.

Von Ilse Schlingensiepen

Wunsch versus Realität

Nützliche Hinweise zur Gesunderhaltung im Betrieb können Betriebs- und Werksärzte Mitarbeitern geben.

© VDBW

KÖLN. Arbeitnehmer wünschen sich mehr Angebote im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Bedarf sehen sie vor allem bei medizinischen Angeboten wie Impfungen oder Gesundheits-Checks, Angebote für gesunde Ernährung oder Seminare und Trainings.

Allerdings besteht eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einzelnen Maßnahmen und der tatsächlichen Nutzung. Bei der Auswahl des Arbeitgebers spielt das BGM zudem noch eine untergeordnete Rolle. Das zeigt die Continentale-Studie 2013.

Im Auftrag des privaten Krankenversicherers hatte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest bundesweit 1290 Personen ab 25 Jahren befragt.

Flexible Arbeitszeiten gewünscht

In den Betrieben, die BGM-Maßnahmen anbieten, stehen flexible Arbeitszeiten mit 59 Prozent an der Spitze, gefolgt von gesunder Arbeitsplatzgestaltung (56 Prozent), medizinischen Angeboten (47 Prozent) und gesunder Ernährung (39 Prozent).

Sportliche Aktivitäten bieten 30 Prozent, eine Suchtmittelentwöhnung 20 Prozent dieser Unternehmen.

Macht der Arbeitgeber solche Angebote, werden sie auch von großen Teilen der Belegschaft genutzt: Bei medizinischen Angeboten und gesunder Ernährung sind es 69 Prozent, bei Seminaren und Trainings 68 Prozent.

Sportangebote stoßen bei 46 Prozent auf eine positive Resonanz, die Suchtmittelentwöhnung nehmen nur sechs Prozent wahr.

Sportangebote stehen hoch im Kurs

Von den Arbeitnehmern, denen keine BGM-Maßnahmen zur Verfügung stehen, wünschen sich 81 Prozent medizinische Angebote, 77 Prozent gesunde Ernährung und 70 Prozent Seminare sowie Trainings. Sportangebote stehen bei 68 Prozent auf der Wunschliste, die Suchtmittelentwöhnung bei 25 Prozent.

Das BGM-Angebot hat nur bei drei Prozent der Arbeitnehmer bei der Arbeitgeberwahl eine wichtige Rolle gespielt, bei 18 Prozent hat es zumindest einen Einfluss auf die Entscheidung gehabt.

Die meisten nehmen bei der Wahl des Arbeitgebers auf diesen Aspekt gar keine Rücksicht (37 Prozent) oder kaum (41 Prozent).

Wie jedes Jahr, hat die Continentale die Bevölkerung auch zur Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem befragen lassen. Dabei hat sich gezeigt: Noch nie seit Beginn der Befragungen im Jahr 2001 waren die Deutschen zufriedener als heute.

Von den gesetzlich Versicherten waren nur 28 Prozent unzufrieden mit der Leistung und 36 Prozent mit dem Preis. Bei den Privatversicherten waren 18 Prozent nicht mit den PKV-Leistungen zufrieden und 33 Prozent mit dem Preis.

Von den gesetzlich Versicherten erwarten allerdings 48 Prozent, dass es künftig keine ausreichende Versorgung durch die GKV geben wird, 53 Prozent gehen davon aus, dass es gute Versorgung künftig nur durch private Vorsorge gibt.

46 Prozent fürchten, dass in Zukunft ein Großteil der gesetzlich Versicherten nicht mehr vom medizinischen Fortschritt wird profitieren können.

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