Ärzte Zeitung, 20.01.2015

Schleswig-Holstein

Gesundheitswirtschaft ringt um Fachkräfte

In Schleswig-Holstein droht Healthcare-Anbietern ein Engpass bei qualifiziertem Fachpersonal. Zweifel gibt es auf Unternehmensseite an einer Landes-Kampagne, mit der der Fachkräftenachwuchs in den Norden gelockt werden soll.

Von Dirk Schnack

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Achtung, Fachkräftemangel! Dieses Schild könnte demnächst in vielen Regionen Deutschlands stehen.

© VRD / fotolia.com

KIEL. Dem Gesundheitswesen droht ein massiver Fachkräftemangel. Allein in Schleswig-Holstein werden der Branche nach neuesten Hochrechnungen im Jahr 2030 schon rund 14.000 Fachkräfte fehlen.

Wie darauf reagiert werden sollte, diskutierten Fachleute kürzlich auf dem Kieler Kongress "Vernetzte Gesundheit".

Eine mögliche Ursache für den sich abzeichnenden Mangel könnte die periphere Lage des nördlichsten Bundeslandes sein.

Das Land versucht zwar gerade mit dem Slogan "Der echte Norden" eine Marke zu kreieren, doch nicht jeder Arbeitgeber im Gesundheitswesen bescheinigt der Region ein positives Image.

Standort Kiel hat Imageproblem

Dr. Birgit Daglinger, Geschäftsführerin der in Kiel ansässigen Ferring Arzneimittel GmbH, etwa hat schlechte Erfahrungen gemacht. Von vielen qualifizierten Anwärtern auf eine Stelle hat sie Absagen mit dem Hinweis auf den Standort bekommen.

"Kiel hat ein schlechtes Image", stellte Daglinger auf dem Kongress fest. Weitere Hürden hat sie bei der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern in Schleswig-Holstein und bei der Auswahl an Arbeitsplätzen für Partner der Bewerber ausgemacht.

Daglinger machte deutlich, dass sie mehr Initiative der Politik erwartet, um die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Stellschraube Work-Life-Balance?

Das Unternehmen selbst versucht insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und etwa Heimarbeitsplätze anzubieten. Das Potenzial der weiblichen Arbeitskräfte hat Ferring längst erkannt - fünf von sieben Leitungsfunktionen sind mit Frauen besetzt.

Zudem stellt die Firma auf ihrer Homepage die vielen nicht bekannten Stärken des Standorts heraus: "Die Stadt Kiel hat viel zu bieten: einen attraktiven Immobilienmarkt, vielseitige Freizeit- und Sportmöglichkeiten, eine hervorragende Infrastruktur sowie Sonne, Strand und Meer direkt vor der Haustür", heißt es dort.

Professor Jens Scholz, Vorstandschef des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), setzt bei der Suche nach Fachkräften ebenfalls auf ein gutes Image. Das sollte nach seiner Ansicht Branchenaufgabe sein: "Es muss hip sein, im Gesundheitswesen zu arbeiten", wünscht sich Scholz.

Am Standort selbst hat er dagegen keine Kritik. Nach seinem Empfinden arbeiten die rund 12.500 Beschäftigten des UKSH sowohl in Lübeck als auch in Kiel gern und nehmen die Städte auch als attraktiv wahr. Was aber, wenn die Standorte nicht in den Städten, sondern in der Provinz liegen?

Die Ameos Gruppe beispielsweise hat Klinikstandorte nicht nur in den Städten. Vorstandsmitglied Dr. Marina Martini riet Kliniken in Kiel zu trägerübergreifenden Initiativen gegen den Fachkräftemangel und zu einer modernen Unternehmenskultur, die Personalbindung und -entwicklung von oben vorlebt.

Besserer Lohn in Pflege angemahnt

Gegen den Fachkräftemangel in der Pflege würde nach Auffassung von Christian de la Chaux vom Bundesverband Pflegemanagement eine bessere Bezahlung helfen. "Politik und Gesellschaft müssen sich entscheiden, was ihnen eine angemessene Pflege wert ist", sagte de la Chaux.

Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands der Anbieter privater sozialer Dienste (bpa) sieht dagegen einen Ausweg nur in mehr Zuwanderung. 2014 seien nur 2200 Pflegekräfte aus dem Ausland nach Deutschland gekommen - seiner Ansicht nach viel zu wenig.

Das Potenzial ausländischer Kräfte will auch das Land besser nutzen. "Wir können offene Gesellschaft", bekräftigte Schleswig-Holsteins Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Frank Nägele den Willen, zuwandernde Kräfte aus anderen Ländern integrieren.

Darin schloss er ausdrücklich Flüchtlinge ein. Auf die Frage des Geschäftsführers einer Reha-Klinik, ob er ihm bei der Arbeitserlaubnis für syrische Flüchtlinge helfen würde, musste Nägele allerdings passen und auf das Innenministerium verweisen.

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