Ärzte Zeitung, 02.05.2008

Aut idem - juristische und medizinische Bedenken wachsen

Ein Jahr nach der Reform: Wie sind Ihre Erfahrungen?

NEU-ISENBURG (juk/ger). Seit einem Jahr gilt: Wenn Ärzte auf dem Rezept kein Kreuz bei "aut idem" setzen, sind Apotheker dazu verpflichtet, Arzneimittel durch preisgünstigere zu ersetzen. Die Bedenken dagegen wachsen.

 aut idem - juristische und medizinische bedenken wachsen

Die Aut-idem-Regeln führen Ärzte auf ein gefährliches Terrain - medizinisch wie haftungsrechtlich. Ärzte, die die Substitution zulassen, verlören die Kontrolle über die Medikation, sagt Arztrechtler Professor Christian Dierks aus Berlin.

Denn Apotheker müssen laut Gesetz das verordnete Präparat durch ein preisgünstigeres, meist rabattbegünstigtes wirkstoffgleiches Arzneimittel ersetzen. Die Schlussfolgerung des Juristen: "Aus haftungsrechtlicher Sicht darf Aut idem nur dann zugelassen werden, wenn man als Arzt sicher weiß, dass alle Arzneimittel, die zur Substitution in Frage kommen, in gleicher Weise zur Behandlung geeignet sind."

Präparate mit geringer therapeutischer Breite wie Antiepileptika sollten deshalb nicht zur Substitution freigegeben werden, empfiehlt Dierks. Darauf hatten, wie berichtet, vor kurzem auch Epilepsie-Experten und Pharmakologen hingewiesen. Die Begründung: Gut eingestellte Epileptiker könnten aufgrund der unterschiedlichen Galenik des substituierten Präparates entgleisen.

Ein Jahr nach dem Start der erweiterten Autidem-Regel ist es Zeit für eine Bilanz: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie läuft die Zusammenarbeit mit Apothekern in Ihrer Nähe? Ihre Meinung ist gefragt, schreiben Sie uns!

Lesen Sie dazu auch:
Haftung der Ärzte bleibt auch bei Aut idem

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gefälschter Gentest-Befund narrt Ärzte

Auch einem Gentest darf man nicht immer glauben, zumindest nicht dem Papier mit dem Befund. Denn das lässt sich leicht manipulieren. So machte eine Patientin aus "keine Mutation" mal eben "eine Mutation". mehr »

Wenn Kinder zu erwachsenen Patienten werden

Die bessere Vernetzung spezialisierter Zentren ist nur ein Schritt, um junge Patienten mit seltenen Erkrankungen optimal zu behandeln. Zu selten wird noch ein strukturierter Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin bedacht. mehr »

Fasten wird immer beliebter

Noch sind viele im Faschingstaumel. Doch wenn am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt, sind viele Deutsche bereit, sich sieben Wochen im Verzichten zu üben. Fasten-Favorit ist Alkohol. mehr »