Ärzte Zeitung, 19.02.2009

Neuer Kitt für Arztnetze

Wenn es schwieriger wird, Verträge der Integrierten Versorgung mit Krankenkassen abzuschließen, muss das nicht das Ende der Netzbewegung bedeuten. "Wir haben das Ziel, Hausärzte und Fachärzte in unserem Netz zusammenzuhalten, und dafür gibt es sehr viele Möglichkeiten der Kooperation und für Verträge", sagte Hausarzt Dr. Siegfried Jedamzik aus Ingolstadt bei der 15. Netzkonferenz von UCB Schwarz Pharma und HCC BetterCare in Berlin.

Jedamzik sprach über Ärztenetze und Genossenschaften als Vertragspartner 2012. Der 1. Vorsitzende des Verbandes deutscher Praxisnetze dachte dabei ebenso an die Einkaufsmacht von Ärzten im Verbund wie an innovative Konzepte in der Versorgung von Patienten, bei denen Netze und Genossenschaften eine große Rolle spielen können. "Die wirklichen Innovationen finden in der Region statt. Gesundheit ist regional", betonte der Hausarzt. Zu diesen Innovationen gehörten zum Beispiel auch Gruppenverträge mit dem regionalen Energieversorger. Das könne besonders energieintensive Praxen wie niedergelassene Radiologen durchaus bei der Kostensenkung unterstützen und motivieren, im Netz zu bleiben. Auch Verträge zwischen Ärzteorganisationen und Handwerkern vor Ort können eine Option sein, von der beide Seiten profitieren (wir berichteten).

Weitere Möglichkeiten für Netze und Genossenschaften zur Zusammenarbeit mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen nach Jedamzik:

  • Die Errichtung von Notfallpraxen durch die Niedergelassenen vor Ort. Die Ambulanzen in Kliniken seien meist defizitär. Damit ergebe sich eine klassische Win-Win-Situation für Klinik und niedergelassene Ärzte.
  • Ärztehaus/MVZ an der Klinik, betrieben von niedergelassenen Ärzten.
  • Elektronischer Patientenpass: Das Netz GOIN in Ingolstadt habe 250 000 Papierpässe ausgegeben. Nun gebe es den Pass auf USB-Stick und noch dazu webbasiert. Jedamzik: "Viele Patienten sind bereit dafür zu bezahlen, und ich meine, das müssen wir selbst betreiben, sonst machen es die Kostenträger."
  • Industriepartnerschaft über Entfernungen hinweg: Augenärzte in Ingolstadt betreuen zum Beispiel in Betrieben deutschlandweit mit Hilfe der Telemedizin Augenhintergrunduntersuchungen, unter anderem bei Thyssen-Krupp.
  • Weitere Möglichkeiten der Kooperation mit Hilfe von Telemedizin: Telefonkonferenzen per Video, E- Kioske, über die Patienten in der Praxis an ihre eigene Patientenakte kommen, ein Homecare-Diabetes-Konzept, eine Netz-Website zu Gesundheitsthemen. "Andere Länder machen das alles schon, wir sind inzwischen massiv hinten dran in Deutschland", sagte Jedamzik. Weitere Möglichkeiten ergäben sich über Beratung im Internet und über Mobile Health.
  • Partnerschaften mit Callcentern und großen Unternehmen wie Google und Microsoft - alles zu Bedingungen der Ärzte, nicht der Callcenter, um den Datenschutz zu gewährleisten. Jedamzik: "Die Callcenter können uns durchaus Arbeit abnehmen."

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