Ärzte Zeitung, 28.09.2009

Viel Platz für Praxen in Bremens Innenstadt

Von Christian Beneker

In Bremen haben Fachärzte, die in der Innenstadt praktizieren wollen, bald die Qual der Wahl. Ein privat betriebenes Ärztehaus und ein Ärztezentrum an einer Klinik buhlen um die Mediziner und Patienten.

Ein vierstöckiges Kaufhaus soll zu einem Ärztehaus umgebaut werden: In ihm sollen 15 bis 20 Facharztpraxen auf 7300 Quadratmetern mitten in der Stadt zwischen Weserpromenade und historischem Marktplatz entstehen. Erste Lage also. Anfang 2011 sollen die ersten Ärzte einziehen können.

Weiß, hoch, schmucklos und leer steht das ehemalige Leffers-Kaufhaus in der Bremer City. Vor zwei Jahren wurden hier die Türen zugeschlossen. Der Bauantrag für den Umbau sei bereits gestellt, sagt Wilfried Salomon von der Firma Mediprojekt GmbH in Berlin und Braunschweig. Das Gebäude wird bis auf den Rohbau abgetragen und neu aufgebaut. Der Bau liegt praktisch auf der Bremer Einkaufsmeile mit der Straßenbahnhaltestelle vor der Tür.

"Unser Konzept ist für Ärzte gedacht, die mit ihrer Praxis mitten im Berufsleben stehen und noch richtig etwas vorhaben", sagt Salomon, "hier können sie miteinander alle möglichen Kooperationen eingehen bis hin zu Verträgen integrierter Versorgung". Mit sieben Interessenten werde bereits konkret über die Mietverträge gesprochen, hieß es.

Vor Jahresfrist war Bremen, wie so viele andere Städte auch, mit Tausenden Quadratmetern Leerstand auf der Münchner Gewerbe-Immobilien-Messe "Expo Real" an die Fachöffentlichkeit getreten. Dort suchte man auch für das Leffers-Hochhaus einen Investor. Gefunden wurde er in der Firma Mediprojekt. "Ab 250 000 Einwohnern lohnt sich so ein Projekt", so Salomon. Über den Kaufpreis schweigt er. Der Umbau indes soll rund 15 Millionen Euro kosten. Bremens Stadtplaner Günther Krukemeier ist zufrieden: Das Ärztehaus bringe neues Leben in das traditionsreiche Stephaniviertel.

Man sehe sich nicht in Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu Facharztpraxen direkt an den Krankenhäusern, betont Salomon. "In die Klinik gehen vor allem Niedergelassene, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen oder sich gegen Ende ihres Berufslebens lieber in ein MVZ begeben."

Im nahe gelegenen Roten-Kreuz-Krankenhaus sieht man die Lage "entspannt", so der kaufmännische Geschäftsführer, Walter Klingelhöfer. Auch er plant einen Trakt für Facharztpraxen, aber mit Fachrichtungen, die zum schon bestehenden Angebot der Klinik passen - etwa eine pulmologische oder urologische Praxis.

Im ersten Quartal 2011 soll das 2000 Quadratmeter große Ärztezentrum fertig sein - zum gleichen Zeitpunkt wie das Ärztehaus. Offen ist, ob daraus ein Medizinisches Versorgungszentrum wird. "Wir machen es so, wie die Ärzte es wollen", so Klingelhöfer. "Auf keinen Fall werden wir ein MVZ gegen den Willen der niedergelassenen Ärzte initiieren."

Die Fachärzte haben nun die Wahl - ins Rote-Kreuz-Krankenhaus oder ins Ärztehaus. Der Quadratmeterpreis dürfte kein Kriterium sein. Im Ärztehaus liegt er genau bei zwölf Euro pro Quadratmeter plus drei Euro Nebenkosten. Und im Krankenhaus, so Klingelhöfer, "auch ungefähr in dieser Höhe."

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