Ärzte Zeitung, 06.11.2009

Leserbrief zum Thema Schweinegrippe

Diskussion um Impfstoffe drehte die eigene Meinung

Von Cornelia Karopka

Die öffentliche Diskussion um die Impfstoffe hatte eine katastrophale Wirkung, kritisiert eine Internistin aus Thüringen.

Zum Thema Schweinegrippeimpfung hatten mein Kollege und ich zunächst eine positive Meinung. Wir wollten, wie viele andere Kollegen auch, unsere Patienten schützen durch eine Impfung, auch unterbezahlt und mit viel bürokratischem Aufwand. Offizielle Stellungnahmen waren in den ärztlichen Medien zu dieser Zeit (Sommer 2009) rar.

Dann kamen die ersten Meldungen via Internet über die unterschiedlichen Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung, die Frage der Adjuvantien und schließlich die kleine Mitteilung, dass ca. 9000 Impflinge in eine Studie zur Frage der Nebenwirkungen eingeschlossen würden. Gleichzeitig erfuhr man bei genauerem Lesen, dass die Hersteller aus der Haftung entlassen wurden und dafür der Staat und die impfenden Ärzte haften würden.

Das war der Punkt, an dem wir unsere Impfzusage revidiert und den angebotenen Werkvertrag mit dem Gesundheitsministerium Thüringen nicht unterzeichnet haben. Wir fühlen uns ausgenutzt und fachlich-sachlich im Stich gelassen. Informationen beziehen wir aus dem Netz und den Fernsehsendungen.

Hätten RKI, PEI, BGM nicht erst nach Nachfragen der Journalisten, sondern im Vorfeld im Sinne einer Aufklärung der Handelnden - und das sind wir Ärzte nun mal! - ordentlich und umfassend informiert, auch über die mögliche Intention eines Haftungsausschlusses des Herstellers, wir wären möglicherweise zu einer anderen Einschätzung der Situation gekommen. In unserer Kleinstadt gibt es keinen offiziellen Impfarzt (von acht niedergelassenen Kollegen), ohne vorherige Absprache, die nächste offiziell benannte Impfärztin sitzt in einem Dorf außerhalb der Stadt.

Die Mitarbeiter der Praxis haben sich letzte Woche impfen lassen. Alle hatten ziemliche Probleme mit dem "Impfarm" in Form von Schmerzen über ca. drei Tage sowie Allgemeinsymptome mit Müdigkeit, Kopfschmerzen über mindestens 24h. Alle bekundeten einer zweiten Impfung gegenüber Ablehnung.
Wie wichtig eine solche Impfung ist, auch im Vergleich zu den Nebenwirkungen, wird erst die Zeit erweisen. Bei ehrlicher Medienpolitik wäre meiner Meinung nach diese Impfkampagne wesentlich besser verlaufen.

Dr. Cornelia Karopka, Fachärztin für Innere Medizin in Ronneburg

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