Ärzte Zeitung, 08.12.2009

Von Männern und ihren "anfälligen Teilen"

Männer gelten als Vorsorgemuffel, doch mit der richtigen Ansprache lassen sich die Herren auch in die Praxis bitten. Dabei braucht es allerdings für jede Altersgruppe das richtige Programm.

Von Sabine Schiner

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Leistungs-Checks und Fitnessprogramme sind elegante Mittel, um Männer zur Vorsorge zu bewegen.

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BAD HOMBURG. Fachleute sind sich einig, dass Männer Gesundheitsmuffel sind und Ärzte meiden, wo es nur geht. Auf dem Jahreskongress 2009 der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit in Bad Homburg konnte man eines Besseren belehrt werden. Zwar kamen keine jungen Männer zu der Infoveranstaltung für Verbraucher. Aber dies lag vielleicht auch am Thema "Prostata-Erkrankungen - was jetzt?". Die meisten der etwa 80 Zuhörer waren weit über 60 - und regelmäßige Arztgänger, wie eine Stichprobe ergab.

"Ich will mehr über den Mann und seine anfälligen Teile erfahren", sagte etwa Fritz Langenberger (74). Er ging zu dem Vortrag von Dr. Metin Aksünger, Facharzt für Urologie und Oberarzt der Kliniken des Main-Taunus-Kreises, um sich über die Behandlungsmöglichkeiten bei Prostataerkrankungen zu informieren. Im Gegensatz zu seiner Frau Hannelore geht Langenberger seit vielen Jahren regelmäßig zur Vorsorge. Seine These: "Wenn Männer einmal bei der Vorsorge waren, gehen sie immer wieder hin. Dann haben sie die Scheu verloren." Ernst Wich aus
Usingen interessierte hingegen der Vortrag, weil er selbst Betroffener ist und kurz vor einer Prostata-Operation steht. Er will eine zweite Meinung hören und etwas mehr über das Thema erfahren. "Man kann nie genug Informationen haben", sagte er.

Dies ist auch die Meinung von Alfred Langer (77). Er besucht ebenfalls regelmäßig Vorträge zu Gesundheitsthemen. "Aus Interesse", wie er sagt. Insgesamt eine Stunde nahm sich der Urologe Zeit, um über Früherkennungs- und Behandlungsmethoden zu sprechen, die an seiner Klinik angeboten werden.

Aber auch für Ärzte warteten einige Programmpunkte. Theodor Klotz vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGM) empfahl niedergelassenen Ärzten etwa, mit Fitness-Studios zu kooperieren oder einen Ernährungsberater in die Praxis zu holen.
"Es gibt eine zunehmende Bereitschaft der 40 bis 50 Jahre alten Männer, sich entsprechend beraten zu lassen", so Klotz.

Der Rat, sich mehr zu bewegen und gesünder zu ernähren, sei ein "Kernfaktor der Männergesundheit", sagte Klotz. Krafttraining im Fitness-Studio sei "ein elegantes Mittel, um Männern etwas Gutes zu tun". Ab 45 ließen Kraft und Koordination nach. Mit dem richtigen Training werde mehr Muskelmasse aufgebaut. Klotz: "Krafttraining sollte bei älteren Männern an erster Stelle stehen."

Gut sei auch moderates Ausdauertraining - die Betonung liege dabei auf moderat: "Drei Stunden Bergwandern und eine Einkehr in einer Hütte ist effizient genug - weniger ist mehr." Es müsse kein Marathon sein. Viele Männer trainierten aus Ehrgeiz auf einem viel zu hohen Level - und "verlieren nach sechs Wochen durch das Übertraining die Lust an der Bewegung."

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