Ärzte Zeitung, 15.06.2010

Wachsende Sorgen vor allem bei den Freiberuflern

Ärzte, Zahnärzte und Apotheker schätzen ihre Geschäftslage aktuell deutlich negativer ein als die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Insgesamt verschlechtert sich das Geschäftsklima in den nächsten Monaten.

Von Uwe K. Preusker

ESSEN. Eine ausgeglichene bis gute Geschäftslage - das kennzeichnet die aktuelle Situation der Gesundheitsbranche. Doch das Gesamtergebnis zeigt nur die halbe Wahrheit: Denn während bei den in der Gesundheitswirtschaft tätigen Unternehmen 55 Prozent ihre derzeitige Lage als gut oder sehr gut einschätzen, tun dies nur 26 Prozent der Freiberufler.

Ebenfalls rund 26 Prozent der Freiberufler nennen ihre Lage dagegen schlecht oder sehr schlecht - bei den Unternehmen sind dies dagegen nur sieben Prozent (siehe Tabelle). Das wird aus der neuesten Erhebung für den "Index für die Gesundheitswirtschaft" deutlich, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen gemeinsam mit Springer Medizin regelmäßig erhebt.

Bei der Entwicklung der Geschäftslage für die kommenden sechs Monate sieht die Gesundheitsbranche allerdings insgesamt einen deutlich negativeren Trend - die positiven Einschätzungen gehen von gut 40 auf gut 30 Prozent zurück, während gleichzeitig rund ein Viertel der Befragten zukünftig eine schlechte bis sehr schlechte Entwicklung erwarten (siehe Tabelle). Allerdings gibt es auch hier noch einen deutlichen Unterschied zwischen Freiberuflern und Unternehmen: Während 37 Prozent der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker in den nächsten sechs Monaten eine negative Entwicklung erwarten, sind dies bei den Unternehmen nur zwölf Prozent.

Im Hinblick auf die Kosten gibt die Umfrage von Ende Mai ein einheitliches Bild: Bereits derzeit sagen fast 70 Prozent aller Befragten, dass ihre Kosten leicht angestiegen sind. Gut elf Prozent nennen sogar stark steigende Kosten. Für das nächste halbe Jahr aber erwarten alle Akteure der Gesundheitswirtschaft deutlich stärker steigende Kosten: Mehr als 83 Prozent der Befragten rechnen für diesen Zeitraum mit ansteigenden oder stark ansteigenden Kosten.

Bei der Nachfrage bestätigt sich in der Index-Umfrage von Ende Mai insgesamt der bereits Ende April erkennbare ansteigende Trend: Ende Mai nannten etwas mehr als die Hälfte der Befragten aktuell eine leicht oder sogar stark ansteigende Nachfrage. Einen Monat früher sahen ebenfalls gut 50 Prozent eine steigende Nachfrage. Einen Unterschied gibt es allerdings in der Gewichtung: Während Ende April/Anfang Mai 17 Prozent der Befragten noch eine stark ansteigende Nachfrage sahen, sind es einen Monat später nur noch gut sieben Prozent.

Insgesamt wurden Ende Mai 2010 für den "Index für die Gesundheitswirtschaft" 780 Unternehmen - vor allem Krankenhäuser, Rehakliniken, Krankenversicherungen, Pharmaunternehmen und Medizintechnik-Hersteller sowie Freiberufler - nach ihrer Einschätzung der Geschäftslage, der Nachfrage und der Kosten aktuell und im Hinblick auf die kommenden sechs Monate befragt. Die Gesamtergebnisse wurden nach dem Gesamtumsatz der Bereiche Unternehmen und Freiberufler gewichtet. Als Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung der Gesundheitswirtschaft gibt er den Akteuren der Branche ebenso wie Gesundheits- und Wirtschaftspolitikern wichtige Anhaltspunkte für ihre Entscheidungen.

Index für die Gesundheitswirtschaft Juni 2010
Geschäftslage sehr schlecht schlecht unverändert gut sehr gut keine Antwort
derzeitig 2,1 % 14,5 % 42,7 % 35,1 % 5,6 % 0,1%
erwartet 2,9 % 21,5 % 44,5 % 27,3 % 3,8 % 0,1 %
Nachfrage stark gefallen leicht gefallen gleich leicht angestiegen stark angestiegen keine Antwort
derzeitig 1,9 % 13,8 % 33,2 % 43,8 % 7,2 % 0,1 %
erwartet 0,7 % 14,0 % 39,7 % 38,6 % 5,9 % 1,1 %
Kosten stark gefallen bzw. fallend leicht gefallen bzw. fallend gleich leicht ansteigend bzw. angestiegen stark ansteigend bzw. angestiegen keine Antwort
derzeitig 0,0 % 2,2 % 16,7 % 68,7 % 11,2 % 1,2 %
erwartet 0,0 % 1,1 % 15,3 % 65,4 % 17,9 % 0,3 %
Quelle:RWI / Springer Medizin, Tabelle: Ärzte Zeitung

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte stellen sich jetzt auf harte Zeiten ein

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »